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Abschied und Neubeginn bei Lateinformation des Tanzsportzentrums

Von: Helga Raue
Letzte Aktualisierung:
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Ende einer Ära: Oliver Seefeldt (rechts), hier mit TSZ-Präsidentin Elke Eschweiler, legt das Cheftraineramt in die Hände von Torben Bölk.

Aachen. Es ist das Ende einer Ära – und so flossen zum Schluss die Tränen. Auch bei Oliver Seefeldt, der von sich selbst sagt, eigentlich nicht so emotional zu sein. Doch zehn Jahre sind eine lange Zeit, eine so lange Zeit, dass es legitim ist, zu neuen Ufern aufzubrechen.

2006 übernahm der jetzt 46-Jährige die Lateinformation des Tanzsportzentrums Aachen, nun legt er sein Amt in jüngere Hände. „Ich habe den besten Nachfolger, den ich mir wünschen kann“, erleichtert der neue Coach die Entscheidung des scheidenden.

Denn mit Torben Bölk, lange Jahre als Kapitän Bestandteil des Teams und in der abgelaufenen Saison Co-Trainer an Seefeldts Seite, fand er einen Nachfolger, der seine Philosophie von Teamsport lebt, gleichzeitig aber mit frischen und kreativen Ideen aufwarten wird.

„Ich will mal was anderes machen, will schauen, ob es noch etwas anderes als Tanzen gibt. Ich habe über 40 Jahre meines Lebens dem Tanzen gewidmet“, sagt Seefeldt, der als Tänzer selbst WM-Dritter und EM-Zweiter Kür Latein war. Der 46-Jährige betreibt in Berlin eine große Tanzschule, verbrachte in den vergangenen zehn Jahren viel Zeit in der Deutschen Bundesbahn, um zum Training in Aachen und/oder Düsseldorf zu kommen.

Der Aufwand war riesig. Dass die Formation der FG TSZ Aachen/TD TSC Düsseldorf Rot-Weiß als amtierender Europameister in der abgelaufenen Bundesliga-Saison nur Vierte wurde, hat nichts mit seiner Entscheidung zu tun. „Die stand schon vorher. Ich wollte nie mein Leben lang Trainer sein“, gibt Seefeldt zu.

Seefeldt will sich komplett aus der Sportszene zurückziehen, auch weil er die Entwicklung des Tanzsports ein Stück weit bedauert. Für den Berliner ist Tanzen nicht nur Sport, sondern auch Kunst – wie man bei seinen kreativen und innovativen Ideen sehen konnte. „Es ist schade, das Tanzen entwickelt sich immer mehr von der Kunst weg zum reinen Sport. Ökonomisch und technisch können sich die Körper immer besser bewegen, aber die Kunst bleibt auf der Strecke.“

Ein Stück weit hat ihn auch enttäuscht, dass der EM-Titel in Deutschland immer kleingeredet wurde, auch seitens des Verbandes DTV, dass man ihn als Glückstreffer bezeichnete und die Wertungsrichter in Frage stellte. Dabei holten die Aachener neben EM-Gold u. a. WM- und EM-Bronze sowie fünf mal DM-Silber, belegten in der Bundesliga fünf Jahre hintereinander Platz 2.

„Ich bleibe dem TSZ und Aachen verbunden, bin definitiv nicht ganz weg. Es waren zehn tolle Jahre in einem Klub und in einem Team, das wie eine nette Familie ist“, sagt Seefeldt, der hinter seinem Nachfolger steht und ihn auch künftig in allen Belangen kreativ weiter unterstützen wird – aber eben aus der zweiten Reihe. „Wenn einer das kann, dann ist das Torben. Er ist jung, dynamisch, sehr kreativ, hat viele schöne Ideen. Ich hoffe, er ist von mir geprägt, wird aber seinen eigenen Stil zeigen. Und das Thema der neuen Choreographie ist wirklich super.“

Sein Nachfolger hat gleich die Ärmel hochgekrempelt – und lüftet diesmal das Geheimnis früh: Die Choreographie heißt „Der große Gatsby“. „Wir tanzen zur Musik der Neuverfilmung von 2013“, verrät Torben Bölk. „Die Musik ist toll, die 20er Jahre bilden die Basis, aber sie werden neu interpretiert.“ Der Rohschnitt der Musik steht bereits, die neue Choreographie ist in der „Brainstorming-Phase. Der Beginn der Choreographie steht schon. Die Musik ist sehr druckvoll mit schnellen Passagen, wir wollen sehr energetisch sein, aber es gibt natürlich auch wunderschöne langsame Passagen.“

Wie von Aachen gewohnt, dürfen die Fans wieder ein in sich geschlossenes Thema erwarten. Anfang Mai wird Bölk sein Team zum ersten Training bitten. Noch steht es nicht ganz, da wie gewohnt einige Abgänge zu verzeichnen sind, doch das Interesse an der Formation ist groß. Unterstützt wird Bölk auch von Eric Soeterboek, der schon vergangene Saison eigentlich seine Karriere beendet hatte, dann aber doch tanzte. „Ganz ist das auch noch nicht vom Tisch“, sagt Bölk lachend, denn Soeterboek ist ein starker Tänzer.

Was bewegt den 35-Jährigen, der beruflich im internationalen Marketing der Deutschen Knochenmarksspender-Datei eingespannt ist, die Verantwortung zu übernehmen? „Herzblut.“ Bölk sagt mit einem Wort, was ihm der Tanzsport bedeutet. „Ich bin dem Tanzsport sehr verbunden, er ist mein Leben.“ Vor elf Jahren hatte Bölk seinen Lebensmittelpunkt von Wolfsburg nach Köln verlegt – nur wegen des Formationstanzens. „Und ich habe das nie bereut. Ich habe dem TSZ Aachen viel zu verdanken, was mich heute als Person ausmacht.“

Natürlich hinterlässt Seefeldt große Fußstapfen. „Ich stehe nach wie vor zu unseren Werten Respekt, Disziplin, Verbundenheit mit dem Team, aber auch Innovation. Das ist mir sehr wichtig geworden. Ich möchte Verantwortung übernehmen“, so Bölk, der glücklich ist, Seefeldt weiter hinter sich zu wissen. „Ich werde sein Erbe weiterführen, es aber mit meiner eigenen Persönlichkeit ausfüllen, ich will mich ja auch selbst verwirklichen.“

Eine Ära endet – ebenso wie die Zusammenarbeit mit dem TD TSC Düsseldorf Rot-Weiß, mit dem das TSZ Aachen seit 2008 eine Formationsgemeinschaft gebildet hatte. Überraschend kündigte der TD diese auf. Doch Name und Standort bleiben erhalten – gestern gingen die Verantwortlichen um Präsidentin Elke Eschweiler eine neue Kooperation ein, mit dem Boston-Club Düsseldorf.

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