Aachen - Solide Quote für Gysi und den AKV

Solide Quote für Gysi und den AKV

Von: Robert Esser
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Ein paar Stichworte reichten ihm für seine Ritterrede: Gregor Gysi hatte das Publikum im Eurogress schnell auf seiner Seite. Laudatorin Gertrud Höhler (rechts oben) lobte ihn als „Schauspieler im Spezialressort Politik“. Vorjahresritter Markus Söder (Mitte) ging aus Distanz und entsandte lediglich eine Videobotschaft. Wencke Myhre (unten) widmete ihm ihr „knallrotes Gummiboot“. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Fast vier Millionen Menschen haben sich am Montagabend die zweistündige Zusammenfassung der Ordensverleihung „Wider den tierischen Ernst“ des Aachener Karnevalsvereins (AKV) an Gregor Gysi in der ARD angeschaut – durchschnittlich.

Mit 3,93 Millionen liegt die Quote fast auf dem Vorjahresniveau (4,06 Millionen), als der bayrische Finanzminister Markus Söder in Aachen mit dem Orden dekoriert wurde. Die höchste Einschaltquote erzielte zeitgleich der Spreewaldkrimi im ZDF mit 5,75 Millionen Zuschauern. Damit hatte der Krimi einen Marktanteil von 17,5 Prozent, die AKV-Ordensverleihung kam auf 12,2 Prozent.

Bei den jungen Zuschauern, die von den Medien-Analysten als die Gruppe der 14- bis 49-Jährigen gefasst werden, kam die Ordensverleihung allerdings laut „Quotenmeter“ nur auf 0,37 Millionen Zuschauer – das sind gerade mal 3,5 Prozent Marktanteil. Zum Trost: Die Tagesthemen kamen auch nur auf fünf Prozent in dieser Zielgruppe.

Bis zum Jahr 1982 wurde die AKV-Ordensverleihung mit einer Ausnahme 1971 live übertragen. Dann kam der Bruch: Von 1983 an wurde der Sendeplatz auf das dritte Programm verlegt. Im Jahr 1991 schloss der AKV einen Fünfjahresvertrag mit dem Sender RTL mit dreistündiger Liveübertragung. Allerdings wechselte der AKV vorzeitig wieder zurück zum WDR. Seit 1995 wird eine Aufzeichnung – meist eine knapp zweistündige Zusammenfassung der fast doppelt so langen Live-Veranstaltung im Aachener Eurogress – in der ARD ausgestrahlt.

Die beste Quote der vergangenen zehn Jahre hatte 2011 die Ordensverleihung ohne anwesenden Ordensritter erzielt: 4,63 Millionen Zuschauer schalteten den Fernseher ein, als Philipp zu Guttenberg für seinen Bruder Karl-Theodor zu Guttenberg einsprang, weil der damalige Verteidigungsminister in eine „Doktortitel-Affäre“ verstrickt war. In noch früheren Jahren war die Ordensverleihung – bei deutlich weniger Konkurrenz anderer Kanäle – ein sensationeller TV-Knüller. 7,98 Millionen Deutsche schalteten 1997 ein, als der damalige Finanzminister Theo Waigel in den Narrenkäfig stieg. Der AKV wurde damals als „Quotenkönig“ hofiert und gefeiert.

Zum Vergleich die Gegenwart auch anderer Aachener Veranstaltungen mit Ausstrahlung: Die Verleihung des Aachener Karlspreises an Papst Franziskus im Mai 2016 sahen im ZDF deutschlandweit 450.000 Zuschauer, im WDR-Fernsehen waren es noch einmal 40.000 Menschen. Der „Austragungsort“ Rom bescherte eine Rekordquote. Beim Aachener Reitturnier CHIO fallen die Quoten indes seit Jahren sehr unterschiedlich aus.

Zu Spitzenzeiten verfolgen knapp zwei Millionen Sportbegeisterte in Deutschland das Weltfest des Pferdesports in der Aachener Soers. Der Marktanteil ist knapp zweistellig. 30 Stunden, davon über 25 Stunden reine Sport-Übertragungen allein bei den öffentlich-rechtlichen Sendern, liefert das Turnier jedes Jahr. Dieses wird laut Aachen-Laurensberger Rennverein (ALRV) zudem insgesamt in mehr als 140 Länder übertragen.

Andere Sportereignisse spielen nur eine untergeordnete Rolle: Fußballberichterstattung über den Viertligisten Alemannia Aachen findet im Fernsehen nur noch sporadisch statt. Mit der jüngsten Live-Übertragung vom Tivoli am 29. November 2016 gegen die Sportfreunde Siegen erreichte der Sender Sport 1 in der Regionalliga durchschnittlich 210.000 Fernsehzuschauer. Damit erzielt die Ordensverleihung „Wider den tierischen Ernst“ des Aachener Karnevalsvereins die mit Abstand größte Einzelreichweite aller Fernsehereignisse aus Aachen – und entfaltet damit enorme bundesweite Werbewirkung.

Quotenverlauf steil nach oben

Übrigens: Das karnevalistische ZDF-Pendant „Typisch Kölsch“ lag in den vergangenen Jahren einige hunderttausend Zuschauer hinter den Werten der Aachener Ordensverleihung zurück. „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ schalteten allerdings 2016 rund 6,3 Millionen Narren ein.

Der AKV ist mit der aktuellen Quote durchaus zufrieden – eine gute Voraussetzung für weitere Vertragsverhandlungen um den Sendeplatz in der ARD. „Es freut uns sehr, dass wieder so viele Menschen eingeschaltet haben“, sagt AKV-Präsident Werner Pfeil am Dienstag. „Gerade auch, weil unsere heimischen Kräfte aus Aachen und der Region so präsent waren.“

Ausgestrahlt zur besten Sendezeit wurden unter anderem die beiden Prinzen, die 4 Amigos, Kurt Christ und die CDU-Europaabgeordnete Sabine Verheyen, die Lambertz-Ehrenpreisträgerin Julia Plötz sowie „Made to Move“ aus Monschau-Imgenbroich als Zentis-Kinderpreisträger, Hastenraths Will aus dem Selfkant und das Erkelenzer Duo Et Zweijestirn.

Dass die regionalen Akteure ihre Sache offensichtlich gut gemacht haben, zeigt vor allem der Quotenverlauf: Lag die Zahl der Zuschauer beim Start direkt nach der Tagesschau noch bei rund 3,35 Millionen, so steigerte sich dieser Wert auf über 5,2 Millionen bei der Ritterrede ganz am Ende. „Das zeigt, dass sich neben den tollen Mitwirkenden aus Aachen auch unser Ritter hervorragend geschlagen hat“, bilanziert Pfeil. „Die Leute sind drangeblieben, und wir haben während der Sendung zahlreiche Zuschauer hinzugewonnen.“

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