Lokales / Eschweiler

Implantat-Akupunktur: Beschwerdefrei mit Titan im Ohr?

| 26.07.2010, 17:40

Eschweiler. «Akupunktur», sagt Hermann-Rudolf Wolff, «wird immer noch von vielen Ärzten abgelehnt. Besonders von Neurologen.» Protestgemurmel im Facharztzentrum an der Englerthstraße. Allerdings wachse die Anerkennung der Akupunktur als Behandlungsmethode immer weiter, freut sich der seit 2009 in Eschweiler ansässige Orthopäde.

Vor rund 30 Zuhörern stellt er eine noch recht neue Art vor, Krankheiten mit Nadelstichen zu behandeln: die Implantat-Akupunktur.

Bei dieser Akupunktur werden winzige Nadeln, nur 2,5 Millimeter lang, unter die Haut transplantiert und bleiben dort, entweder als Titannadeln für immer, oder als Nadeln aus einem sich selbst auflösenden Material für rund 18 Monate.

Je nach Krankheit werden bis zu zehn und mehr Nadeln pro Ohr transplantiert. Rund 30 Besucher hören dem Vortrag des Orthopäden und überzeugten Akupunkteurs zu.

Er schildert sachlich und mit vielen Verweisen auf Studien die Möglichkeiten und Grenzen einer solchen Behandlung. Er verschweigt auch nicht, dass einem der Erfinder dieser neuen Methode die Zulassung in Deutschland entzogen worden sei. Der habe seine Patienten finanziell über den Tisch gezogen.

Werden Kosten übernommen?

Von den Krankenkassen werden die Behandlungskosten nämlich nicht übernommen - Behandlungserfolge hin oder her. Lediglich mit einer Kasse im Nordrhein-Westfalen gibt es inzwischen, so berichtet Hermann-Rudolf Wolff, eine Vereinbarung, dass den Patienten mit Morbus Parkinson nachträglich Kosten erstattet werden, wenn durch die Implantat-Akupunktur die Menge der teuren Parkinson-Medikamente verringert wird.

Zwischen ungefähr 500 und 1400 Euro, je nach Krankheit und Zahl der Nadeln, kostet eine Implantat-Akupunktur. Behandelt werden Krankheiten und Beschwerden, die mit dem Zentralen Nervensystem zu tun haben.

Der Facharzt spricht jedes dieser Leiden einzeln an, schildert die Chancen auf Linderung oder Heilung, die zwischen 40 und 90 Prozent liegen sollen, und erklärt auch, wie Akupunktur funktioniert, wie sie sich geschichtlich entwickelt hat, und dass derzeit in Europa mehr in dieser Art Therapie geforscht werde als in China, wo die Behandlungsmethode her stammt.

Und was behandelt Wolff mit Implantat-Akupunktur? Morbus Parkinson ist eine der Krankheiten. Hier sei es möglich, den Verlauf des Leidens zu verlangsamen: «Bei Morbius Parkinson gehen die Nerven kaputt, Heilung gibt es nicht, aber Verbesserung».

Das Restless-Leg-Syndrom, das oft mit Schlafstörungen verbunden ist, nennt Wolff. Weiterhin Kopfschmerzen aller Art, auch Migräne, Tinnitus, Fibromyalgie, Chronische Polyarthritis und Multiple Sklerose.

Gibt es Nebenwirkungen?

Auch Angststörungen, Depressionen, Rückenschmerzen sowie die Behandlung von Übergewicht und Sucht können mit der Methode behandelt werden.

In der Diskussion fragen einige Besucher nach Nebenwirkungen. «Keine», sagt Hermann-Rudolf Wolff. «Das Schlimmste, was bei der Implantat-Akupunktur passieren kann, ist, dass sie keine Wirkung zeigt.»



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