Geilenkirchen/Mönchengladbach - Reisebloggerin Anja Beckmann hat das Fernweh zum Beruf gemacht

Reisebloggerin Anja Beckmann hat das Fernweh zum Beruf gemacht

Von: Annika Thee
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Hat ihre Kamera immer griffbereit: Anja Beckmann (44) erkundet als Reisebloggerin die ganze Welt. Foto: Beckmann
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Bevorzugt Hängematte und Sonnenbrille: Anja Beckmann flüchtet im Winter aus dem kalten Deutschland in wärmere Regionen. Foto: Beckmann

Geilenkirchen/Mönchengladbach. Obwohl sich Anja Beckmann in Mönchengladbach zu Hause fühlt, packt sie regelmäßig das Fernweh. In ihrer Wohnung stehen viele Erinnerungsstücke aus fernen Ländern − ein Herz aus Holz aus Mexiko, ein Plüschlama aus Peru und eine Maske aus Bali. Die 44-Jährige reist in Länder auf der ganzen Welt und verdient ihren Lebensunterhalt mit Reiseberichten.

Die Erfahrungen, Fotos und Videos, die sie im Urlaub sammelt, teilt sie im Netz auf ihrem Reiseblog „Travel on Toast“ und in den Sozialen Medien. Seit 2012 betreibt Beckmann ihren Blog − inzwischen zählt er zu den erfolgreichsten in Deutschland. In diesem Jahr war Anja Beckmann bereits in Thailand, Australien, Florida, Griechenland, England und auf Teneriffa.

Aufgewachsen ist die Bloggerin in Geilenkirchen. Ihr Abitur hat sie am Sankt-Ursula-Gymnasium gemacht. Ihre Eltern waren beide Lehrer und haben in Anja Beckmann schon früh die Lust am Reisen geweckt. „In den Schulferien sind wir immer verreist, damit hat eigentlich alles angefangen“, sagt sie. „Allerdings haben sich die Reisen damals auf das europäische Ausland beschränkt.“

Nach dem Studium in Aachen und Köln unternahm Beckmann ihre erste Weltreise. Sie legte eine Homepage an, um mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben und von ihren Erfahrungen zu erzählen. „In einem Jahr habe ich 14 Länder besucht“, erzählt Beckmann. Inzwischen sind es 55 Staaten. „Begonnen hat die Reise in Vietnam. Das war ein krasser Gegensatz zu dem Leben in Deutschland, nicht nur wegen den 30 Grad und der hohen Luftfeuchtigkeit.“

Geld verdiente Beckmann damals mit dem Blog noch nicht, aber die Leserzahl auf ihrer Seite nahm stetig zu. Ihre Tipps zum Reisen, Kofferpacken und Sightseeing kamen gut an. Mit den Lesern wurden auch Firmen auf den Blog aufmerksam und boten ihr Geld für Produktplatzierung und Werbung. „Mit dem Reiseblog Geld verdienen, ist gar nicht so einfach“, sagt Beckmann.

Trotzdem liebt sie ihren ungewöhnlichen Beruf. „Mir sind materielle Dinge wie ein Auto oder eine Eigentumswohnung nicht so wichtig, meine Freiheit aber umso mehr“, sagt die 44-Jährige. Trotzdem hat sich die gebürtige Geilenkirchenerin noch andere Standbeine gesucht. Sie gibt Seminare für andere Blogger und berät  Staaten wie Frankreich und die Region Flandern bezüglich der Zusammenarbeit mit anderen Reisebloggern.

Vier Monate im Jahr auf Reisen

Im Vordergrund steht für sie aber immer das Reisen. Vier Monate im Jahr ist Beckmann unterwegs. Sie hat schon viele Orte gesehen, die sie beeindruckt haben. „In Neuseeland ist die Landschaft wunderschön, und die Menschen sind so freundlich. Aber auch in Lateinamerika bin ich gerne, besonders in Mexiko“, schwärmt Beckmann. Auf einen Lieblingsort kann sich die Reiseexpertin nicht festlegen.

„Ich hopse gerne durch die Gegend und bin für vieles zu begeistern“, sagt sie. Allerdings gibt es auch Orte, die ihr nicht so gut gefallen. „Mit Vietnam wurde ich nie so richtig warm“, sagt sie.

Von schlechten Erfahrungen und Tropenkrankheiten blieb Beckmann bisher verschont. „Ich bin regelmäßig beim Tropenarzt und zum Schutz gegen Moskitos immer von einer dicken Wolke Insektenschutzmittel umgeben“, sagt Beckmann. Nur in Kambodscha habe sie sich mal den Magen verdorben und drei Tage im Bett verbracht.

Und obwohl Beckmann ihren Beruf als „fantastisch“ beschreibt, kann das Reisen auch anstrengend sein. „Für mich sind Langstreckenflüge echt hart“, sagt die Reisebloggerin, die trotz der vielen Flüge noch immer mit Flugangst zu kämpfen hat.

„Auch die Temperaturumstellung von 0 auf 35 Grad ist anstrengend, und der Jetlag macht mir häufig zu schaffen“, gibt sie zu. Auch die Zeit im Ausland sei anstrengend, trotz der schönen Umgebung. „Ich muss Fotos machen, Videos drehen und die verschiedenen Kanäle der Sozialen Medien bedienen. Abends bin ich manchmal so k.o., dass ich um neun Uhr ins Bett falle“, sagt Beckmann.

Alleine reisen

Die Bloggerin reist häufig alleine, obwohl sie früher viele Bekannte davor gewarnt haben. „Ich bin ein eher ängstlicher Mensch“, gibt sie zu. Deshalb hat sie vor ihrer ersten Weltreise einen Selbstverteidigungskurs absolviert. Doch diese Kenntnisse musste sie noch nie anwenden. „Ich möchte mit dem Blog andere Menschen ermutigen, auch alleine zu reisen“, sagt Beckmann.

Dafür gibt sie einige Tipps „Abends besser ein Taxi nehmen und sich nicht alleine im Dunkeln an gefährlichen Orten aufhalten“, rät sie. „Ich meide Kriegsgebiete und schaue mir vorher an, welchen Stellenwert die Frau in der jeweiligen Gesellschaft hat“, sagt Beckmann.

In Indien sei sie deshalb mit einem Guide unterwegs. „Außerdem passe ich immer gut auf meine Wertsachen auf und trage keinen Schmuck“, fügt sie hinzu. Weil es auf langen Reisen manchmal einsam werden kann, versucht Beckmann vor Ort schnell Anschluss zu finden. „Es hilft, entweder in Mehrbettzimmern in Hostels zu schlafen oder Koch- oder Sprachkurse zu belegen. So lernt man andere Menschen kennen“, rät Beckmann.

Ständig hält die Bloggerin Ausschau nach dem nächsten Urlaubsziel. Die Wanderschuhe lässt sie dabei lieber zu Hause, denn sie verbringt den Urlaub lieber mit Sonnenhut am Strand oder erkundet neue Großstädte. „Alles unter 25 Grad ist für mich kalt“, sagt sie.

Das Ziel ihrer nächsten Reise steht noch nicht fest. „Ich würde gerne nach New York, aber das ist im Moment zu teuer und zu kalt“, sagt Beckmann. „Fünf Tage New York kosten das gleiche wie ein Monat Thailand“, erklärt sie.

„Ich bin mir sicher, dass ich bald wieder die Nase voll vom Winter in Deutschland habe und den nächsten Flug nach Südostasien buche“, sagt sie und lacht.

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