St. Gallen - Zeitlose Faszination St. Gallen

Zeitlose Faszination St. Gallen

Von: Cornelia Höhling, dapd
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st. gallen kunstmuseum
Das Kunstmuseum mit Meisterwerken aus mehr als 500 Jahren abendlaendischer Kultur- und Kunstgeschichte, das winzige Spieldosenkabinett Labhart in der Altstadt und - nicht zu vergessen - das Bierflaschenmuseum machen St. Gallen selbst in der dunklen Jahreszeit zu einem lohnenswerten Ziel. Foto: St. Gallen-Bodensee Tourismus/ dapd

St. Gallen. Manchmal kommt Daniel Studer auch ein Glücksumstand zu Hilfe: Für seine Ägypten-Sonderausstellung in St. Gallen durfte der Kurator auf die Mumie Schepenese und einige Werke der ortsansässigen Stiftsbibliothek zurückgreifen.

Besucher des Historischen und Völkerkundemuseums in der Kulturmetropole der Ostschweiz können außerdem der Restaurierung eines Sarkophags beiwohnen und lernen das tragische Schicksal einer anderen Mumie kennen, die 1948 ein christliches Begräbnis bekommen sollte und dazu eingeäschert wurde.

Samichlaus ist auch der Namenspatron einer Biersorte

Kinder finden in dem führenden kulturhistorischen Museum des Dreiländerecks eigens für sie gestaltete Räume mit interaktiven Elementen zum Lernen und Spielen. In der ständigen Kinderausstellung begegnen sie auch Samichlaus, dem Schweizer Nikolaus. Er ist Namensgeber des ersten St. Gallener Marionettentheaters - und einer Biersorte, wovon die Kleinen natürlich nichts erfahren.

Studers Haus ist eines von elf Museen, die Kunst- und Kulturliebhaber in der Kantonshauptstadt finden. Auch das Kunstmuseum mit Meisterwerken aus mehr als 500 Jahren abendländischer Kultur- und Kunstgeschichte, das winzige Spieldosenkabinett Labhart in der Altstadt und - nicht zu vergessen - das Bierflaschenmuseum machen St. Gallen selbst in der dunklen Jahreszeit zu einem lohnenswerten Ziel.

Adventsstimmung und „Seelenapotheke” im Stiftsbezirk

Ab Ende November sorgen die Lichter einer fast 20 Meter hohen Weihnachtstanne im weltberühmten, UNESCO-geschützten Stiftsbezirk für Adventsstimmung. Mit seiner barocken Kathedrale und der prächtigen Rokokobibliothek ist er das Wahrzeichen St. Gallens.

Rund 170.000 Bücher und 2.000 kostbare Original-Handschriften sind im Besitz der Bibliothek, darunter eine der drei vollständigen Handschriften des Nibelungenliedes. „Seelenapotheke” steht in griechischen Lettern über dem Eingangsportal des prachtvollen Saals, in dem jährliche Wechselausstellungen gezeigt werden. Der Bücherschatz, der inhaltlich kleinen Putten mit entsprechenden Attributen zugeordnet ist, wurde von den Erbauern als Balsam für den Geist gesehen.

Das schwerste Buch wiegt über 20 kg und stammt aus dem 9. Jahrhundert - für 1.000 Seiten mussten 250 Schafe ihre Haut lassen, das entspricht fast einer ganzen Herde. Zu den kostbarsten Schätzen gehören das älteste deutschsprachige Buch - ein lateinisch-deutsches Wörterbuch - und ein „Vaterunser” in Deutsch, beide aus dem Jahr 790. Davor wurde offiziell nur in Latein geschrieben. Eine Musikhandschrift aus dem 11. Jahrhundert erinnert daran, dass es damals noch keine Noten gab.

Mit sogenannten Neumen, die stenografischen Zeichen ähneln, wurden möglicherweise die Dirigierbewegungen nachgezeichnet. Das älteste Buch der Stiftsbibliothek stammt aus dem 3. Jahrhundert. Anstelle des Klostergartens finden Besucher heute einen Hightech-Sportplatz - denn seit napoleonischen Zeiten gibt es keine Mönche mehr. Beim Spaziergang gelangt der Gast über die Markt- und die Neugasse in die verwinkelte St. Galler Altstadt.

Es geht vorbei an mittelalterlichen Kaufmannshäusern mit ungewöhnlich geschmückten Fassaden. Aufwendig geschnitzte und verzierte Erker sind als Statussymbole das sichtbare Zeichen eines weltoffenen Bürgertums zu Beginn der Neuzeit. Insgesamt 111 Erker sind erhalten, wobei keiner dem anderen gleicht. Auch das Goldene Halsband des St. Galler Wappen-Bären hat Symbolcharakter: Es steht für die freie Reichsstadt.

Zur Stadtgründung kam es jedoch durch das Kloster. Handwerker aus den Rheingebieten siedelten sich an, um im Schatten des Klosters Arbeit zu finden. Dabei gab es nicht einmal einen Fluss. Lange Zeit musste das Wasser aus dem Appenzeller Land hergeleitet werden.

Beim Stadtrundgang, der in der Vorweihnachtszeit von unzähligen St. Galler Engeln begleitet wird, ist neben anderen Geschichten und Anekdoten auch die Sage vom irischen Wandermönch Gallus zu erfahren. Er fiel hier auf der Flucht vor den Wikingern in einen Dornenbusch.

Der Legende nach wurde er von einem Bären gerettet, was ihn bewog, hier 612 eine Einsiedelei zu errichten. Eine Bronzetafel an der noch immer wilden Mülenenschlucht erinnert an das folgenschwere Ereignis. 100 Jahre später gründeten Mönche an der Stelle eine Abtei.

Erststockbeizen und Confiserien sorgen für Genussmomente

Die Stadt lebt von ihrer Geschichte und den Geschichten, aber auch vom Genuss, weshalb es auch rein kulinarische Stadtführungen gibt. Aber im Prinzip endet jeder Rundgang mindestens bei einem Getränk und süßen Verführungen in einer der traditionsreichen Confiserien und Chocolaterien.

Wer richtig einkehren will, hat die Qual der Wahl: Die berühmten Erststockbeizen wie das Restaurant „Zum Goldenen Schäfli” oder das „Engelis” servieren in den urig getäfelten und manchmal etwas schiefen Stuben der alten Kaufmannshäuser Spezialitäten von deftig bis Haute Cuisine. In St. Gallen gibt es allein elf vom Gastronomieführer Gault Millau ausgezeichnete Restaurants.

Die Gaststuben zum Schlössli, im 16. Jahrhundert am Spisertor in der Zeughausgasse erbaut, sind durch ihre bevorzugte Lage, eine erstklassige Küche und einen gepflegten Weinkeller ein gesellschaftlicher Mittelpunkt. Auch das mittelalterliche Waaghaus mit seinen Ständen ist besonders an kalten Tagen ein Anziehungspunkt. Im Angebot sind Stangenfondue, eine kräftige Gerstensuppe, aber auch St. Galler Nusstorte, heiße Marroni und Glühwein. Eine Spezialität fehlt nie: die berühmte St. Galler Bratwurst.
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