Wirtschaftskrise und Imageprobleme: Gäste kehren Prag den Rücken

Von: Eva-Maria Simon, dpa
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Prag. Die Karlsbrücke, die Burg, die Altstadt mit ihren Kneipen: Prag ist für viele Touristen ein Stein gewordener Traum. Doch es wird leerer an der Moldau. Im ersten Halbjahr 2009 haben knapp fünf Millionen Besucher in den Hotels und Hostels übernachtet, zählte das Tourismusbüro der Stadt.

Das sind rund elf Prozent weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum. Auch bei den deutschen Gästen, traditionell die größte Gruppe, sei die Zahl um drei Prozent auf rund 590.000 gesunken. Hinter den Fassaden in der Altstadt stehen die Hotelzimmer oft leer. Die Wirtschaftskrise und der Ruf als Touristenfalle schaden Tschechiens Hauptstadt. Doch der Besuch lohnt sich auch jetzt noch - wenn man sich nicht übers Ohr hauen lässt.

„Seit der zweiten Hälfte 2008 schadet die Wirtschaftskrise dem Fremdenverkehr”, erklärt Vit Barta von Tschechiens Nationalbank. Das trifft die Hauptstadt besonders hart. Die Stadtverwaltung reagiert mit einer Werbekampagne in Flugzeugmagazinen und Fernsehsendern. Außerdem sind die Zimmer im Schnitt um zwölf Prozent günstiger geworden, erklärt der Tschechische Verband der Hotels und Restaurants.

Was die Besucher freut, ist für billige Unterkünfte allerdings ein Problem: „Die Drei- und Vier-Sterne-Hotels haben ihre Preise so stark gesenkt, dass sie uns Konkurrenz machen”, sagt Mathias Schwender, der in Prag zwei Hostels und ein Hotel besitzt.

In Schwenders Design-Hostel „Czech Inn” in der Innenstadt sieht es zwar noch nicht nach Krise aus: Die Bar ist voll, unter der stuckverzierten Decke sitzen junge Leute mit ihren Laptops beim späten Frühstück.

Doch auch Schwender hat seine Preise senken müssen. Die Wirtschaftskrise sei aber nicht das einzige Problem, sagt er: „Es gibt hier eine gewisse Abzockmentalität.”

In den vergangenen Jahren habe sich zwar einiges verbessert, sagt der 36-jährige Badener. Aber manche Probleme bekomme die Stadt einfach nicht in den Griff.

Zum Beispiel die berüchtigten Taxifahrer, die oft ohne sichtbares Taxameter unterwegs sind. Mathias Schwender führt eine Rekordliste. Auf Platz eins steht eine fünfminütige Fahrt vom Bahnhof zum Hotel: Die Gäste haben dafür umgerechnet rund 200 Euro bezahlt - „diese Leute kommen nie wieder”. Die Stadt kennt das Problem: Bürgermeister Pavel Bem hatte sich vor vier Jahren als Tourist ausgegeben, war Taxi gefahren - und zahlte stets ein Mehrfaches des üblichen Preises.

Wer nicht seine gesamte Urlaubskasse im Taxi lassen will, sollte sich an die Empfehlungen der Stadt halten: Unter der Nummer 14014 sind die gelben Fahrzeuge mit dem Aufdruck AAA zu erreichen, die regelmäßig von der Stadt überprüft werden. Niemals sollte man einfach ein Taxi heranwinken. Wer sich das Nummernschild merkt, den Preis vorher aushandelt und mit kleinen Scheinen zahlt, fährt sicherer.

Allerdings ist Taxi fahren in Prag meist nicht nötig, dank des guten Nahverkehrssystems. Doch auch hier macht man es Touristen schwer: Fahrkarten gibt es nicht an allen Straßenbahnhaltestellen, sondern manchmal nur in Tabakläden oder in der U-Bahn.

Das Preisschema ist interessant: Ein Tagesticket kostet für Alleinreisende 100 Kronen (3,90 Euro), ein Dreitagesticket 330 (12,90 Euro). Tageskarten sind also billiger. Zumal es sich um 24- und 72-Stunden-Karten handelt - wer nicht Tag und Nacht unterwegs ist, dem reicht oft ein Tagesticket oder ein Einzelfahrschein.

Eine Rabattkarte für Nahverkehr und Sehenswürdigkeiten, wie sie im Internet angeboten wird, lohnt sich nur für Leute, die sehr viel besichtigen wollen.

Wobei allein die Burg möglicherweise einen Tag in Anspruch nimmt, die Tickets aber nur wenige Tage lang gelten. Die Besichtigung von Burggelände und Veitsdom ist zudem kostenlos. Dafür muss man aber für die anderen Gebäude und das „Goldene Gässchen” mit dem ehemaligen Wohnhaus von Franz Kafka bezahlen. Dass eine Straße Eintritt kostet, finden auch viele Tschechen nicht normal.

Ein weiteres Problem für Touristen: die Wechselstuben und Banken. Laut einem Test des Internetportals „Tschechien online” im Jahr 2008 behalten manche mehr als ein Fünftel des Betrags als „Gebühren” ein.

Das Portal empfiehlt den Vergleich mit dem offiziellen Kurs der Tschechischen Nationalbank. Außerdem sollte man sich immer aufschreiben lassen, wie viele Kronen man für den gewünschten Betrag bekäme. Die groß angeschlagenen Zahlen geben meist nur den Kurs für den Ankauf von Kronen an und sagen nichts über Gebühren aus.

Genau hinschauen ist auch in Restaurants wichtig. Immer wieder kommt es vor, dass sich Kellner selbst ein großzügiges Trinkgeld genehmigen.

So ging es zum Beispiel der 31-jährigen Anne Marx gleich nach der Ankunft in einem Café in der Innenstadt: „Er hat dann auch schwungvoll sofort die Rechnung entsorgt”, erzählt die Touristin. „Das fand ich ziemlich dreist.”

Auch selbsternannte Fünf-Sterne-Hotels ärgern ehrliche Hoteliers und Besucher. Auf der Website www.hotelstars.cz des Tschechischen Verbands der Hotels und Restaurants erfahren Interessenten, wer die Kriterien für die Sterne tatsächlich erfüllt.

Der Verband strebt an, das vom Jahr 2010 an gültige deutsch-österreichische Sternesystem zu übernehmen, um damit Transparenz zu garantieren.

Prags Besucherschwund beschäftigt mittlerweile auch Tschechiens Regierung. Sie strebe einen niedrigeren Mehrwertsteuersatz für Restaurants an, sagt der zuständige Minister für regionale Entwicklung, Rostislav Vondruska.

Dies werde aber „wahrscheinlich erst nach den Neuwahlen geschehen” - frühestens also in der kommenden Saison. Bis dahin kämpfen die Hoteliers weitgehend alleine.
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