Wenn der Drahtesel zum Lastesel wird: Mit dem Fahrrad auf Urlaubstour

Von: Felix Rehwald, dpa
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Fahrrad auf Urlaubstour
Mit Sack und Pack auf Tour: Radurlaubern bleiben nicht viele Möglichkeiten, ihre sieben Sachen zu verstauen. Foto: dpa

Bremen. Ein Fahrradurlaub hat für viele Menschen einen besonderen Reiz. Sie sind die meiste Zeit an der frischen Luft, tun etwas für ihre Gesundheit und erleben die Landschaft, durch die sie auf ihrem Drahtesel strampeln, hautnah.

Allerdings erfordert eine Urlaubstour mit dem Fahrrad einige Vorbereitungen. Das gilt nicht nur für das Planen der Route samt Zwischenstopps und Übernachtungen, sondern auch im Hinblick auf die Ausrüstung. Schließlich muss das ganze Urlaubsgepäck auf dem Rad ja irgendwie mit.

„Weniger ist mehr”, rät Bettina Cibulski vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Bremen. „Brauche ich wirklich alles?”, sollten sich Radurlauber beim Heraussuchen ihrer sieben Sachen fragen. Jedes zusätzliche Kleidungsstück bringt ein paar Gramm Gewicht mehr, das der Radler später mit seiner Muskelkraft in Bewegung bringen muss.

Zum Verstauen eignen sich der ADFC-Sprecherin zufolge am besten Packtaschen für das Hinterrad, die es in wasserdichten Ausführungen gibt. Sie werden links und rechts am Gepäckträger befestigt. Praktisch sind Modelle, die sich per Clip-Verschluss unkompliziert am Gepäckträger-Gestänge einhaken und mit einem Handgriff wieder lösen lassen. Sie haben meist eine stabile Rückwand und können im Gegensatz zu reinen Stofftaschen unterwegs nicht verrutschen. Wichtig sei, beim Packen das Gewicht gleichmäßig auf die Taschen zu verteilen. „Damit kommt man fahrtechnisch am besten voran und bekommt keine Gleichgewichtsprobleme”, erklärt Cibulski.

Voraussetzung für das Verwenden von Hinterradtaschen sei aber ein guter Gepäckträger, ergänzt Sven Rademacher vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Bonn. Er sollte stabil genug sein, um die Belastung durch die mehrere Kilo schweren Taschen zu verkraften. Radurlauber sollten sich das passende Transportzubehör anschaffen und im Zweifelsfall im Fachhandel beraten lassen.

Weiteres Gepäck lässt sich Bettina Cibulski zufolge in sogenannten Lowrider-Taschen verstauen. Sie sind kleiner als Hinterradtaschen und werden seitlich auf Höhe der Achse ans Vorderrad gehängt. „Dabei muss man aber schon ganz gute Fahrkünste mitbringen”, schränkt Cibulski ein. Denn wenn links und rechts am Vorderrad zusätzliches Gewicht hängt, lässt sich nicht mehr so leicht lenken.

Vor der Tour empfiehlt es sich daher, mit dem voll beladenen Rad eine kleine Probefahrt zu machen, um auszutesten, wie sich die Fuhre fährt und wie sie zum Beispiel in Kurven reagiert. Immerhin müssten Radurlauber auf einem solchen voll beladen Lastesel mit 20 bis 30 Kilogramm zusätzlichem Gewicht rechnen, sagt die ADFC-Sprecherin.

Generell ist daher laut Sven Rademacher eine vorsichtige Fahrweise angebracht. „Die Fahreigenschaften verändern sich. Das sollte man berücksichtigen.” Vorsicht sei insbesondere beim abrupten Bremsen geboten: „Man muss darauf achten, dass das Rad schnell ins Ungleichgewicht geraten kann.” Wichtig ist auch, dass von den Taschen keine Gurte herunterhängen: Sie können unterwegs in die Speichen geraten und zu Stürzen führen.

Als weitere Staumöglichkeit können Radfahrer auf dem Gepäckträger ein Topcase montieren. „Das ist eine Variante für diejenigen, die vorne kein Gepäck haben und ihr Rad nur hinten beladen wollen”, sagt Cibulski. Für Kleinkram, den sie unterwegs benötigen - zum Beispiel Handy, Karten oder Snacks - gibt es Lenkertaschen. Ihr Vorteil ist, dass man gut an sie herankommt. Für längere Touren nicht zu empfehlen sind Rucksäcke: „Sie sind wegen der zusätzlichen Körperbelastung von Nachteil”, erklärt Cibulski. „Außerdem schwitzt man darunter und ist in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt.”

Unverzichtbar ist vor der Urlaubstour ein kleiner Technik-Check, rät der ADAC in München. Nicht zuletzt wegen der schwereren Beladung durch vollgestopfte Packtaschen müssen zum Beispiel die Bremsen am Rad in einwandfreiem Zustand sein und gut zupacken. Wichtig sind auch eine funktionierende Beleuchtung und Reflektoren. Das Thema Sichtbarkeit können Radfahrer gleich beim Kauf von Hinterradtaschen miterledigen: Es gibt Modelle mit Reflexstreifen an der Rückseite.

Fahrradurlaub in Deutschland

Radurlaub ist im Trend: Der ADFC-Radreisenanalyse 2009 zufolge machten im Jahr 2007 in Deutschland 5,6 Millionen Menschen Urlaub mit dem Drahtesel. Dazu kamen 35 Millionen Ausflügler. 65 Prozent aller Deutschen haben schon einmal einen mindestens zweistündigen Radausflug gemacht. 21 Prozent waren bereits mit dem Drahtesel auf Urlaubstour mit mindestens einer Übernachtung. Der Studie zufolge können sich außerdem 47 Prozent aller Deutschen vorstellen, in Zukunft einen Radurlaub mit mindestens einer Übernachtung zu machen.
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