Weihnachtsmärchen im Auenland: Die sorbische Stadt Spremberg

Von: Ina Brzoska, dpa
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Bitte Kondition mitbringen: Auf der Águila-Abfahrt wedeln Skifahrern über fast sechs Kilometer Piste hinunter nach Pradollano. Foto: dpa

Spremberg. Ein Lichtermeer schmückt die Altstadt von Spremberg: Pastellige Fachwerke, gewachste Kopfsteinpflaster, urige Buden auf dem Weihnachtsmarkt. Mittendrin: Eine stolze Tanne, die mit dem Kran herbeigehievt wurde.

„Wir freuen uns das ganze Jahr auf das Lichterfest”, erzählt Regina Stein vom Heimatverein. Die emsige Dame mit den kurzen Locken eilt geradezu, wenn sie Besuchern ihre Stadt zeigen will. In der Kreuzkirche proben die Chöre, bald schmettern die Bläser vom Rathausturm. Dazu krönt passenderweise Schnee die Haube des Sumpfschlösschens. Spremberg bietet dieser Tage die perfekte Kulisse für ein Weihnachtsmärchen.

Im Jahr 1301 wurde Spremberg erstmals urkundlich erwähnt. Sorben siedelten hier in der südlichen Niederlausitz, sie haben die Region durch ihr Handwerk und ihre Bräuche geprägt. Rund 25.000 Bürger zählt das Einwohnermeldeamt heute. „Immer mehr Familien mit Kindern ziehen her”, sagt Regina Stein. Die Stadt ist hübsch gelegen. Von oben betrachtet sieht Spremberg aus wie eine Insel, umflossen von der Spree, umgeben von sanften Hügeln. Auenland, wie man es aus „Krabat” kennt.

„Wir waren seit jeher eine reiche Stadt”, sagt Stein. Während der industriellen Revolution exportierte Spremberg Tücher und Wollstoffe in alle Welt, fünf Bahnhöfe gab es hier einst. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Braunkohleflöze entdeckt. Die gigantischen Krater, die Abraumbagger in der Umgebung in die Erde rissen, wurden später geflutet. Im Sommer wird dort gebadet, im Winter schlittert man über zugefrorene Seen. In renaturierten Gebieten haben sich sogar wieder Wölfe angesiedelt.

Seit der Wende wurde die Stadt mit Fördermitteln renoviert. Radtouristen fahren inzwischen auf vier Routen durch die Stadt. Durch die Auenlandschaften führt ein Netz aus Wanderwegen. Im Sommer wechselt man gern vom Rad ins Kajak oder ins Drachenboot.

Zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten zählt das mittelalterliche Schloss, das sich eierschalfarben an einem kleinen Park mit Schwanenteich erhebt. In der Sumpfburg residierte Anfang des 18. Jahrhunderts Heinrich von Sachsen-Merseburg, heute ist dort das Niederlausitzer Heidemuseum untergebracht. Museumsleiter Eckbert Kwast führt dort durch die Ausstellungsräume. Seit zwei Wochen gibt es eine neue Dauerausstellung über den berühmtesten Sohn der Stadt, den Schriftsteller Erwin Strittmatter.

„Die Bücher haben sie früher nur unter dem Ladentisch bekommen”, erzählt Kwast. In der DDR zählte Strittmatter wegen seiner Nazi-Vergangenheit zu den umstrittensten Autoren. Strittmatter wurde in Spremberg geboren und wuchs dort auf, seine Mutter war Sorbin. Seine Trilogie „Der Laden” widmete er der Region. Unter anderem thematisierte er in diesem autobiografischen Werk die Diskriminierung der sorbischen Minderheit.

„Manch ein Einheimischer hat sich in der Geschichte wiedererkannt und auch ein bisschen geärgert”, erzählt Regina Stein. Offiziell ist Spremberg heute zweisprachig, an einigen Schulen wird noch sorbisch gelehrt. Vereine wahren die Tradition, zeigen sorbische Trachten, ihre Bräuche und ihr Handwerk. Und auch die Lust der Spremberger an großen Festen kommt wohl von den sorbischen Siedlern.

Informationen: Fremdenverkehrsverein „Region Spremberg”, Am Markt 2, 03130 Spremberg (Tel.: 03563/45 30). Strittmatter-Dauerausstellung im Niederlausitzer Heidemuseum, Schlossbezirk 3, 03130 Spremberg (Tel.: 03563/60 23 50).
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