Berlin - Von Friedrichshain nach Tempelhof: Berlins spannendste Stadtteile

Von Friedrichshain nach Tempelhof: Berlins spannendste Stadtteile

Von: dapd
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„Berlin, Du bist so wunderbar”: Das am meisten fotografierte Objekt der Umgebung bleibt die Oberbaumbrücke, jenes siebenbogige Steinkonstrukt aus dem späten 19. Jahrhundert, dessen beide Türme in so vielen Filmen vorkommen. Unter anderem auch in „Lola rennt”, wo die Protagonistin gleich mehrmals dabei gezeigt wird, wie sie die Gewölbe des Brückeninneren eilig durchläuft. Foto: dapd

Berlin. „Berlin, Du bist so wunderbar”, textete vor knapp zehn Jahren der Musiker Robert Phillip alias „Kaiserbase”. Das scheinen sich die Touristen auf der Mühlenstraße an diesem sonnigen Sonntagmorgen auch zu denken.

Der Bürgersteig jedenfalls ist kaum passierbar. Alle paar Meter stehen Asiaten oder Nordamerikaner, die sich vor plakativen Malereien der East Side Gallery ablichten lassen. Michail Gorbatschow oder Erich Honecker können sich hier, auf den längsten zusammenhängenden Relikten der Berliner Mauer, immer noch einer gewissen Aufmerksamkeit erfreuen.

Die Lage an der Spree tut zur Popularität des Ortes ihr Übriges dazu. Ein paar Schritte weiter stehen im Stadtteil Friedrichshain die Lagerhäuser des ehemaligen Osthafens, die den typischen Berliner Weg einer Nutzungsänderung hinter sich haben.

Im ehemaligen Eierkühlhaus zum Beispiel residiert seit rund einem Jahrzehnt die Plattenfirma Universal, dahinter erhebt sich das markant verschachtelte Hotel „nhow”, das dem musikalischen Umfeld Tribut zollt: Es beherbergt seinerseits ein Aufnahmestudio und eine musikalische Klientel damit, auf Anfrage Gitarren oder Keyboards aufs Zimmer zu liefern. Auch Soul-Diva Erykah Badu und die Hip-Hop-Formation „Public Enemy” wussten das zu schätzen.

Lolas Brücke

Das am meisten fotografierte Objekt der Umgebung aber bleibt die Oberbaumbrücke, jenes siebenbogige Steinkonstrukt aus dem späten 19. Jahrhundert, dessen beide Türme in so vielen Filmen vorkommen. Unter anderem auch in „Lola rennt”, wo die Protagonistin gleich mehrmals dabei gezeigt wird, wie sie die Gewölbe des Brückeninneren eilig durchläuft.

Auf der anderen Seite der Spree haben sich Touristen bis vor kurzem eher selten blicken lassen. Nicht weit entfernt befindet sich das Kottbusser Tor, jener Platz, den Peter Fox in seinem Berlin-Song „Schwarz zu blau” als „Kotti” verewigt hat. Lange Zeit eines der härtesten Pflaster in einer Stadt, die es auch ihren Bewohnern nicht immer leicht machte.

Doch selbst am Ende einer durchzechten Nacht kommt der Autor um eine versöhnliche Erkenntnis nicht umhin: „Und ich weiß, ob ich will oder nicht, dass ich Dich zum Atmen brauch.” Das Viertel, das sich im Süden an den „Kotti” anschließt, ist seit ein paar Jahren zum Aushängeschild der ungebrochenen Fähigkeit Berlins zur Selbstmodernisierung geworden.

Den Kiez zwischen Maybachufer, Kottbusser Damm und Sonnenallee nennen manche Einheimische Kreuzkölln - um die Nähe Neuköllns zu Kreuzberg hervorzuheben.

Populäre Partymeile

Fast wöchentlich eröffnen hier Kneipen, Bars, Ateliers und Galerien - eine Stadtentwicklung, die stark an das erinnert, was in den 90er Jahren am Prenzlauer Berg passiert ist. Vor allem jungen Touristen aus Südeuropa und Nordamerika ist diese Entwicklung nicht verborgen geblieben: Sie haben das ebenso preiswerte wie hippe Viertel als Partymeile entdeckt. Bei Alteingesessenen hingegen regt sich gegen die neue Popularität auch Widerstand.

Sie beäugen die sogenannte Gentrifizierung skeptisch: Investitionen und städtebauliche Aufwertung treiben die Mieten in die Höhe - anatolischen Friseuren und Gemüsehändlern droht das Aus. Und auch die vielen Kreativen, die sich getreu eines Songs der Band „Kraftklub” immer „irgendwelchen” Projekten hingeben, fühlen sich nicht mehr verstanden. In Kneipen wie „Freies Neukölln” in der Weserstraße wird zuweilen lautstark über diese Entwicklung diskutiert.
Ein paar Hundert Meter weiter scheint der Vorgang der Selbstmodernisierung bereits abgeschlossen. Jenseits des Kottbusser Damms beginnt der beliebteste Teil von Kreuzberg. In der Graefestraße etwa sind viele Altbauten saniert, auf dem Bürgersteig haben Straßencafés wie das „Matilda” ihre Stühle aufgestellt.

Im „Room 77” spielen abends amerikanische Folk-Musiker. Und ein Lakritzfachgeschäft zeugt davon, dass die hiesige Kundschaft auch Spezialinteressen nicht abgeneigt ist. Die rauen Seiten der Großstadt sind längst vertrieben.

Das größte Nichts

Richtig betriebsam wird es dann am Landwehrkanal. Auf den Kaimauern sitzen am Sonntagmittag verliebte Pärchen, der Grünstreifen am Wasser wird von tobenden Kindern bevölkert, dazwischen bahnen sich Jogger ihren Weg. Hier scheinen die Hauptstädter auszuleben, was die heimische Formation „Icke und Er” in einem weiteren Berlin-Song festgehalten hat: „Ich brauch keen Hawaii, denn dat jefällt mir hier. Ick bleib in Berlin, Berlin is mein Revier.”

Das Verlassen der Stadt war am Ende der gedachten Linie von Friedrichshain über Kreuzberg bis nach Tempelhof bis vor kurzem zumindest noch möglich. Seit 2008 aber ist der dortige Flughafen geschlossen und mittlerweile zu dem geworden, was manche als „größtes Nichts Berlins” bezeichnen.

Nachdem lediglich die Zäune entfernt und ein paar Schilder aufgestellt wurden, bevölkern nun Radfahrer, Spaziergänger und Drachenpiloten die ehemalige Start- und Landebahn. Nun heißt die Fläche Tempelhofer Park. Es ist ein über 300 Hektar großes und in dieser Form einzigartiges Brachland - und das soll auch so bleiben, bis hier im Jahr 2017 die Internationale Gartenbauausstellung stattfindet. Und auch das ist wieder wunderbar.
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