Von der Pfalz bis nach Lothringen: Mit dem Rad von Mühle zu Mühle

Von: Bernd F. Meier, dpa
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Fahrradtour
Unterwegs im vergessenen Osten des Saarlandes - die Landschaft entlang des Europäischen Mühlenradweges ist eine Idylle. Foto: dpa

Blieskastel. Zwischen Peppenkum und Altheim zieht die Bickenalb kleine Schleifen durch den sattgrünen Talgrund. Kühe grasen auf den saftigen Wiesen links und rechts des Wasserlaufes, Birken und Weiden prägen die Talaue: Die Landschaft entlang des Europäischen Mühlenradweges ist eine einzige Idylle, auch im Herbst noch.

„Wir sind der vergessene Osten des Saarlandes”, sagt Wolfgang Henn aus Blieskastel. Der Leiter des Saarpfalz-Touristikbüros beschreibt mit diesem treffenden Satz den unentdeckten Landstrich im Dreieck zwischen dem saarländischen Blieskastel, Zweibrücken in Rheinland-Pfalz und dem lothringischen Kleinstädtchen Bitche.

Fahrradausflügler entdecken das sanfte Hügelland auf dem im Jahr 2000 eröffneten Europäischen Mühlenradweg, der mit einer Länge von 45 Kilometern durch die Talmulden an 14 Wassermühlen vorüberleitet. Zwar klappern heute viele der Mühlen nicht mehr am rauschenden Bach, wie es in dem bekannten Volkslied heißt, jedoch wurde zum Beispiel aus der Moulin dEschviller in der Nähe des französischen Dörfchens Volmunster ein sehenswertes Mühlenmuseum.

In dem wuchtigen Bauwerk aus dem 18. Jahrhundert werden Geschichte und Arbeitsweise der Wassermühlen in der Region an den Flussläufen von Bickenalb und Schwalb anschaulich dargestellt. „Noch bis in die 1930er Jahre war die Moulin dEschviller in Betrieb, dann zerstörte ein Großfeuer das Gebäude, und die heftigen Kämpfe des Zweiten Weltkriegs gaben der Mühle den Rest”, berichtet Museumsguide Loïc Hergott bei einem Rundgang. 1987 wurde die Eschweiler-Mühle als Museum eröffnet. Heute zählen zu dem Mühlenmuseum auch ein historisches Sägewerk und wenige hundert Meter weiter ein jüngst erbautes Bienenhaus, in dem Besucher allerlei über die Imkerei erfahren können. Das Gasthaus „Auberge Du Vieux Moulin” lädt Radler zur Rast ein.

Nur ein paar Kilometer weiter klappert tatsächlich noch die letzte Mühle am rauschenden Bach: In der Moulin de Volmunster mahlt André Arnet wie zu alten Zeiten auch heute das Korn. Im kleinen Mühlenladen werden Mehl, Nudeln und Getreideprodukte verkauft.

Ausgangspunkte der Fahrradtouren auf dem Europäischen Mühlenradweg sind Blieskastel-Altheim im Saarland oder das pfälzische Hornbach. Das Dorf punktet mit einem feudalen Hotel in den restaurierten Gebäuden der ehemaligen Benediktinerabtei. Zwischen den Jahren 742 und 1558 wirkten hier die Benediktinermönche in dem vom Heiligen Pirminius gegründeten Kloster. Hornbach galt in dieser langen Periode als geistiges und kulturelles Zentrum der gesamten Region. Später verfiel die Klosteranlage, ab 1996 wurde der Komplex mit der Pirminius-Grabkapelle dann behutsam neu gestaltet.

Das Streckennetz des Europäischen Mühlenradweges ist mit dem weiß-blauen Mühlrad ausgeschildert. Die nahezu ebene Hauptroute verläuft zwischen Wiesen und Äckern auf asphaltierten Wirtschaftswegen, über ehemalige Eisenbahntrassen und wenig befahrene Landstraßen. Neben der Hauptroute gibt es ab Hornbach vorbei an Dietrichingen und der Großsteinhauser Mühle noch eine zwölf Kilometer lange Schleife für sportliche Radler mit einigen Bergpassagen.

Im französischen Rolbing haut es allerdings auch viele trainierte Pedaleure aus dem Sattel. Hier ist Schieben bis auf die kahle Hochfläche angesagt. Proviant und Wasservorrat sollten die Radtouristen immer dabei haben, weil es unterwegs nur wenige Einkehrmöglichkeiten gibt.

Hinüber und herüber zwischen Deutschland und Frankreich wechseln die Mühlenradler über Grenzen, die heute kaum mehr wahrnehmbar sind. Nur zwischen Guiderkirch und Peppenkum taucht der Flecken Zollsiedlung auf. Er ist ein Hinweis darauf, dass es vor dem Zusammenwachsen Europas auch in diesem einsamen Landstrich mitunter strenge Grenzkontrollen gab.

Informationen:
Saarpfalz-Touristik, Paradeplatz 4, 66440 Blieskastel (Tel.: 06841/104 71 74, E-Mail: touristik@saarpfalz-kreis.de)

Tourismus Zentrale Saarland Franz-Röder-Straße 17, 66119 Saarbrücken (Tel.: 0681/92 72 00, E-Mail: info@tz-s.de).

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