Vom Tafelberg zu den Pinguinen: WM-Ziel Kapstadt

Von: Bernhard Krieger, dpa
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Vom Tafelberg-Plateau aus reicht der Blick weit über die Häuser von Kapstadt. Foto: Cape Town Tourism

Kapstadt. Imposante Berge, einsame Buchten, lange Strände, weltberühmte Weinbaugebiete und eine pulsierende Metropole - keine Frage, Kapstadt kann als attraktivster Austragungsort der Fußball-WM in Südafrika durchgehen.

Obwohl zu dieser Jahreszeit Winter ist und das Wetter ungemütlich werden kann, dürfte die Stadt Fußballfans und andere Touristen aus aller Welt anziehen, als sei ihr Wahrzeichen ein gigantischer Magnet. Und so beginnt denn auch fast jeder seinen Besuch in Kapstadt mit einer Tour auf den Tafelberg.

Exakt 1087 Meter erhebt sich der Koloss über dem Atlantik. Wer ihn zu Fuß bezwingen will, sollte den Tafelberg nicht unterschätzen. Mit gutem Schuhwerk, wetterfester Kleidung und begleitet von einem Führer dauert der streckenweise steile Aufstieg immerhin knapp drei Stunden. Die Seilbahn braucht nur wenige Minuten zum Gipfel. Von dort schweift der Blick über das Häusermeer und hinüber nach Robben Island, der früheren Gefängnisinsel, auf der einst auch Nelson Mandela inhaftiert war. Heute wird sie von früheren Häftlingen als Museum geführt.

Eine ganz andere Welt öffnet sich Reisenden am Fuß des Tafelbergs im „Mount Nelson”-Hotel. Zum „Afternoon Tea” biegt sich dort die von einem Segelschiff stammende alte Windsor-Tafel vor Leckereien. „Viele Kapstädter kommen nach einer Auslandsreise erstmal hierher zur Teatime, um sich wieder richtig zu Hause zu fühlen”, erzählt Chefkoch Rudi Liebenberg. Sein Kolonialstil-Restaurant liegt gleich neben der „Planet Bar”. In dem Szenetreff lassen sich regelmäßig auch Top-Models und Hollywoodstars blicken.

Champagner und Gourmetmenüs verschönern allerdings nur das Leben der reichen Minderheit in Kapstadt. Weit mehr als die Hälfte der drei Millionen Einwohner sind arm und leben in einfachen Häusern oder den Wellblechhütten der Townships. „Kapstadt ist zwar die Vorzeigemetropole Südafrikas. Morde, Überfälle und Gewalttaten sind aber auch hier trauriger Alltag”, räumt der deutsche Auswanderer Gerd ein, der seit vielen Jahren am Kap lebt. Nach Einbruch der Dämmerung sei Vorsicht geboten, selbst rund um das sonst sichere Vergnügungs- und Einkaufsviertel „Victoria & Alfred Waterfront” am Fischerei- und Jachthafen. Auch von Ausflügen mit dem Auto sollte man vor Einbruch der Dunkelheit zurückgekehrt sein - nur gut, dass alles so nah liegt.

Zum Kap der Guten Hoffnung ist es zum Beispiel nur gut eine Stunde, wenn man sich nicht von den „Baboons”, den dreisten Pavianen, aufhalten lässt. Friedlicher sind die Pinguine an der False Bay bei Simons Town, die von den Kap-Ausflüglers meist auf dem Rückweg in die Stadt besucht werden. Vorbei am ältesten Weingut Südafrikas, dem 1685 vom späteren Gouverneur Simon van der Stel gegründeten „Groot Constantia”, geht es dann durch das Weinbautal Constantia zurück.

Die tiefstehende Sonne, die viele Maler und Fotografen fasziniert, taucht das Villenviertel und die viktorianischen Häuschen an der von Restaurants und Bars gesäumten Uferpromenade von Camps Bay in weiches Licht. Im Hintergrund ragen die „Zwölf Apostel” empor, zwölf kühne Bergkegel, die sich südlich an den Tafelberg anschließen.

Über Kapstadts Hausberg „praktiziert” derweil mal wieder der „Cape Doctor”. Das ist kein Voodoo-Zauberer, sondern ein kräftiger Südostwind, der den Smog aus der Stadt fegt, für gesunde Luft und die legendäre Wolken-„Tischdecke” auf dem Tafelberg sorgt. Meteorologen erklären das Phänomen ganz sachlich. Die Kapstädter aber hören liebe ihre Sage, wonach ein Pirat einst auf dem Tafelberg den Teufel traf. Um seine Seele zu retten, schlug er ihm eine Wette vor, wer länger rauchen könne. Und so rauchen sie bis heute um die Wette, weshalb sich so oft der Wolkenschleier über den Berg legt und die wuchtige Bergstation der Seilbahn wie ein Spukschloss erscheinen lässt.

Von der Bar des neuen „One & Only-Hotels” an der Waterfront lasse sich das imposante Schauspiel am besten verfolgen, erzählt Gerd. Zum WM-Stadion im Stadtteil Green Point sind es von dort aus nur wenige Minuten. Das Stadion hat das deutsche Architektenbüro von Gerkan, Marg & Partner entworfen. „Ein fantastisches Stadion, das mittlerweile schon selbst zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt gehört”, meint Fußballfan Gerd - so wie das weiße Parlamentsgebäude und viele anderen Kolonialstilbauten in der Nähe der Long Street, der Ausgehmeile im Herzen der Stadt. Und selbstverständlich ist das im Abendlicht rötlich funkelnde Oval auch vom Tafelberg aus zu sehen.


Anreise Flüge von Deutschland nach Kapstadt gibt es von Mai bis September nur mit Umsteigen. Die Verbindungen führen zum Beispiel mit Lufthansa und South African Airways über Johannesburg oder mit Emirates über Dubai. Zur Einreise reicht Deutschen ein gültiger Pass.

Klima: Die Jahreszeiten auf der Südhalbkugel sind denen in Europa entgegengesetzt. Angenehm ist die Zeit des Süd-Frühjahrs bis zum Herbst, also die Monate von Oktober bis Mai.

Währung Für einen Euro gibt es rund 9,90 südafrikanische Rand (Stand: April 2010).

INFORMATIONEN: South African Tourism, Friedensstraße 6-10, 60311 Frankfurt (Kostenloses Tel: 0800/118 91 18, info.de@southafrica.net).
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