Tunesien: Künstlertraum an Karthagos Küste

Von: Cornelia Höhling, ddp
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Traumhaftes Tunesien: Touristen besuchen das Künstlerdorf Sidi Bou Said rund 20 Kilometer nordöstlich von Tunis. Foto: ddp

Tunis. Wer Blau mit azurfarbenem Himmel und Meer assoziiert und bei Weiß an endlose Sandstrände denkt, wird in Tunesien fündig. Aber Blau-Weiß steht in dem nordafrikanischen Land, das mit 1300 Kilometern Mittelmeerküste und über 300 Sonnentagen im Jahr wirbt, für weit mehr.

Denn Tunesien als Ganzjahresdestination setze auf Kulturtourismus, ließ Tourismusminister Slim Tlatli verlauten. Schließlich könne man auf ein 3000-jähriges Kulturerbe verweisen.

Der Harmonie blau-weiß gehaltener andalusischer Architektur begegnet der Besucher bereits in den kleinen Küstenvororten der Hauptstadt, die einst die Gärten Karthagos gewesen sein müssen. Besonders das auf einem Felsvorsprung 130 Meter über dem Golf von Tunis gelegene Sidi Bou Said wurde zu einer Art Künstlerkolonie und zu einem der beliebtesten Ausflugsziele der Hauptstädtern und Feriengäste.

Von dem malerischen Ort fällt der Blick auf die weißen Segel des Yachthafens über das blaue Meer bis zum Berg mit dem lustigen Namen „Vater der zwei Hörner”. Das Weiß der Häuser an den verschlungenen engen Gassen, wird der Besucher aufgeklärt, soll die Hitze abhalten, das Blau der eisenverzierten Türen und Fensterläden die Insekten.

Kein Besucher versäumt es, die Stufen zu dem durch August Mackes Bild weltberühmt gewordenen „Café des Nattes” vor der Moschee mit dem hoch aufragenden Minarett zu erklimmen. Vielleicht genießt er, in orientalischer Manier auf dem Boden sitzend oder an eine der in den Berberfarben Grün und Rot gehaltenen Säulen gelehnt, einen Tee mit Pinienkernen. Vielleicht fühlt er sich dabei für einen Moment wie der expressionistische Maler, der, angezogen vom Lichtspiel der Farben, hier 1914 mit seinem Freund Paul Klee Inspiration suchte und fand.

Die Farbkombination Blau-Weiß scheint zur Nationalfarbe des Landes geworden zu sein. Denn neuerdings fallen in Tunesien allerorts weiße Wüstenfüchse in blauem Anzug auf Plakaten oder als Skulptur ins Auge. Unser Symbol für Nachhaltigkeit, erklärt der Tourismusminister. Tunesien sei das afrikanische und arabische Land mit den höchsten finanziellen Aufwendungen für Nachhaltigkeit.

Westlich von Tunis findet sich mit 440 Hektar eine der größten Olivenplantagen des Landes mit einer konsequent biologischen Bewirtschaftung. Das Landgut und Ökohotel „Ksar Ezzit” lockt mit zertifizierten Bio-Produkten - ob Hühner, Hasen oder Honig. Selbst der Schwimmteich im „Ölschlösschen” verzichtet auf Chemikalien und enthält wasserreinigende Pflanzen. Neben der Teilnahme am Leben auf dem Bauernhof - das Füttern der Tiere ist besonders für Kinder ein Erlebnis - stehen den Gästen Reitpferde, Esel, Kutschen und Fahrräder zur Verfügung.

Weiter unterwegs nach Westen dominiert längst die Farbe Grün die Landschaft. Es geht vorbei an Testour, einer Stadt mit maurischem Charme. Olivenbäume, einst von den Phöniziern eingeführt, säumen die Straßen. Die liebliche, leicht hügelige Landschaft ist fruchtbar. Nicht von ungefähr galt die Region als „Kornkammer Roms”.

Nach rund 100 Kilometern ist Dougga erreicht, eine der größten archäologischen Sehenswürdigkeiten Nordafrikas. Dougga gehört zu den sieben Unesco-Weltkulturerbestätten Tunesiens, die Minister Tlatli mehr vermarkten möchte. Während antike Ruinenstädte gewöhnlich von Sand und karger Landschaft umgeben sind, stehen die alten Mauern hier im direkten Kontrast zum Grün der Natur: Orangenbäume, Felder, Kaktusfeigen. Schwarz-bunte Kühe, die man hier die „Gestreiften” nennt, grasen auf der Weide. Schaf- und Ziegenherden kommen bis an das 70 Hektar große Ruinenfeld heran, von dem etwa ein Drittel freigelegt ist.

Das antike Thugga, in punischer Sprache „steiler Fels”, entstand als punisch-numidische Stadt im Herrschaftsbereich Karthagos. Der numidische König Massinissa, der sein Reich mit Hilfe Roms bis nach Libyen ausdehnte, verlor sie später an die Römer. Sie gilt als die besterhaltene und schönste Römerstadt Tunesiens.

Im Theater mit 2500 Plätzen steht er plötzlich auf der Bühne und rezitiert aus Goethes „König in Thule” - auf Deutsch. Hedi bel-Arbi, stellt sich der Mann den überraschten Gästen vor, die er meist in ihrer Landessprache begrüßt. In Tunesien wird seit 60 Jahren Deutsch gesprochen. Hotels, Restaurants und touristische Anbieter haben sich auf die Gäste eingestellt. Hedi erzählt, er habe schon als Kind die Sprachen durch die Theater-Aufführungen gelernt, ohne zu verstehen, was er hörte. Jetzt sei er 72 und in Pension. Seine Großeltern hätten direkt über dem Theater gewohnt. Als die archäologischen Grabungen begannen, wurde ihnen ein Haus 100 Meter entfernt errichtet.

Hedi arbeitet seit 38 Jahren als Reisebegleiter und ist der wohl bekannteste Gästeführer Douggas. Sein Foto ziere viele deutsche Publikationen, sagt er und ermuntert zum Rundgang durch die antike Stadt. Auf ihren Straßen sind die Spuren von Wagenrädern zu sehen. Tempel über Tempel, Markt, Foren, Stadttore und Freudenhäuser neben Thermen mit geheimen Verbindungsgängen, der Windrosenplatz am Capitol, prächtige Villen mit Mosaikfußböden.

Dies seien die Teppiche der römischen Zeit gewesen, sagt Hedi. Sie zeigen den Reichtum ihrer Besitzer, so sie nicht bereits ins Bardo-Museum nach Tunis geschafft wurden. Das Museum, in der einstigen Residenz des Bey eingerichtet, zeigt die mit 4000 Quadratmetern weltweit größte Sammlung antiker römischer Mosaike.

Hedi übersetzt „Thugga” mit „Grün”. Es sei altlibysch, das durch eine Tafel am punischen Grabmausoleum des Prinzen Ateban entziffert werden konnte.

Weitere Informationen:

Anreise: erreichbar in rund 2,5 Flugstunden von über 20 Flughäfen
Deutschlands mit Linien- und Charterflügen. Neben Tunis/Carthage hat
Tunesien weitere internationale Flughäfen wie Tabarka,
Monastir/Skanés, Sfax, Gafsa, Djerba-Zarzis, Tozeur/Nefta.

Lage: Mit einer Fläche von 164 150 qkm und rund 10 Millionen
Einwohnern ist Tunesien der kleinste der Maghrebstaaten.

Klima: Mittelmeerklima im Norden und an der Küste, halbtrockenes
Klima im Landesinneren und im Süden, über 300 Sonnentage im Jahr.

Acht Unesco-Welterbestätten: Karthago, die Altstädte von Tunis,
Kairouan und Sousse, das Kolosseum von El-Djem, die punischen Stadt
Kerkouan und Dougga (Kultur) sowie Nationalpark von Ichkeul (Natur).

Reisezeit: Ganzjahresdestination.

Währung: Tunesischer Dinar (1 Dinar = 1000 Millimes), 1 Dinar
entspricht ca. 0,53 Euro (Stand Februar 2010).

Feiertage: Die islamischen Feiertage richten sich nach dem
Mondkalender, bei dem das Jahr 354 bzw. 355 Tage hat. Tunesien hat
den Arbeits- und Geschäftsrhythmus Europas übernommen und den Sonntag
zum offiziellen Ruhetag erklärt. Am Freitag, dem islamischen
Wochenfeiertag, haben, wenngleich mit eingeschränkten Zeiten, die
meisten Geschäfte und Banken geöffnet.

Weitere Informationen: Fremdenverkehrsamt Tunesien, Bockenheimer
Anlage 2, 60322 Frankfurt/M., Telefon: 069-1338350, Fax: -22, Internet: www.tunesien.info, E-Mail: info@tunesien.info.
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