Trutzbau der Päpste: Um die Engelsburg in Rom ranken sich Legenden

Von: Horst Heinz Grimm, dpa
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Engelsburg Rom
Die Engelsburg wurde im zweiten Jahrhundert nach Christus als Mausoleum für Kaiser Hadrian gebaut. Foto: dpa

Rom. Drohend und unnahbar erhebt sich in Rom am rechten Ufer des Tibers die einstige Trutzburg der Päpste: das Castel SantAngelo. „Es gehört zu unseren Top-Sehenswürdigkeiten, und einen Besuch im Inneren sollten Sie sich auf keinen Fall entgehen lassen”, sagt die Kunststudentin Beatrice Bulzoni, die mit privaten Führungen ihr Taschengeld aufbessert.

Der römische Kaiser Hadrian - er regierte von 117 bis 138 nach Christus - ließ den Bau als Mausoleum für sich errichten. „Insgesamt wurden sieben Kaiser hier beigesetzt”, erzählt der Reiseführer Toni einer Touristengruppe.

„Als Papst Gregor I. Ende des sechsten Jahrhunderts in einer Bittprozession gegen die Pestepidemie an dem Bauwerk vorbeizog, erschien ihm der Erzengel Michael und prophezeite ihm das Ende der Seuche. So kam die Burg zu ihrem Namen SantAngelo.”

Die Legende hält sich bis heute. Sie blieb nicht die einzige. Der Schriftsteller Dan Brown macht die Engelsburg in seinem Thriller „Illuminati” zu einem der Schauplätze. „Touristen suchen hier noch heute allen Ernstes nach der fiktiven Geheimgesellschaft”, erzählt der Wächter Nicolo.

„Gegen Ende des 14. Jahrhunderts setzten sich die Päpste endgültig in dieser Zitadelle fest”, sagt Bulzoni. Als deutsche Landsknechte und spanische Söldner in Dienst von Kaiser Karl V. die Stadt 1527 im berüchtigten „Sacco di Roma” plünderten und ein Massaker veranstalteten, saßen der Medici-Papst Clemens VII. und 13 seiner Kardinäle sicher hinter den dicken Mauern. Hierher flüchtete sich die Kurie auch immer, wenn ihr im knapp einen Kilometer entfernten Vatikan Unheil drohte.

Reiseleiter Toni erklärt Details zur Architektur: „Die Mauern mit ihren vier Bastionen haben eine Seitenlänge von etwas mehr als 86 Metern, im Inneren befindet sich ein Rundbau. Wir nennen ihn Zylinder. Die oberste Terrasse liegt in 48 Metern Höhe - und dort steht auch die riesige Bronzefigur des Erzengels Michael.” Man erreicht das Dach über eine spiralförmige Rampe im Inneren. Im Sommer finden hier Veranstaltungen statt.

Von oben bietet sich ein herrlicher Blick auf den Vatikan und den Petersdom. Die Mauer von der Festung dorthin ist deutlich erkennbar. Sie war der Fluchtweg. Außerdem soll es einen unterirdischen Geheimgang gegeben haben. Jenseits des Tibers, verbunden mit der autofreien Engelsbrücke, erstreckt sich das historische Rom mit Colosseum, Forum Romanum und Trevi-Brunnen.

Ein Museum in den Sälen der Burg erinnert an die Geschichte, die viele dunkle Flecken aufweist. Hier tagten die päpstlichen Inquisitionsgerichte, die „Ketzer” wie den Philosophen Giordano Bruno auf den Scheiterhaufen schickten. Galileo Galilei musste an diesem Ort seiner inzwischen vom Vatikan anerkannten These abschwören, die Sonne stehe im Mittelpunkt unseres Planetensystems. Und Giacomo Puccini ließ im letzten Akt seiner Oper „Tosca” den Freiheitssympathisanten Mario Cavaradossi unter dem Erzengel durch Kugeln eines Hinrichtungskommandos sterben.

ÖFFNUNGSZEITEN: Außer an Montagen ist die Engelsburg täglich von 9.00 bis 19.00 Uhr geöffnet.

INFORMATIONEN: Italienische Zentrale für Tourismus, Neue Mainzer Straße 26, 60311 Frankfurt (Tel.: 069/23 74 34).

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