Tiere und süße Köstlichkeiten am Ende von Amerika: Die Florida Keys

Von: dpa
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Tiere und süße Köstlichkeiten am Ende von Amerika
Der Key Lime Pie ist eine Spezialität der Florida Keys. Er wird unter anderem mit Kondensmilch und besonderen Limetten hergestellt. Foto: dpa

Big Pine Key/Islamorada. Es ist ein Dschungel da draußen: Die Mangroven wachsen so niedrig über dem Wasser, dass man den Kopf fast ins Kajak stecken muss, um keine Beulen zu bekommen.

Überall sind sie, rechts und links, unter dem Meer und knapp über dem Boot. „Wir machen jetzt Kajak-Yoga”, ruft Greg Lepock, der die Tour vom Big Pine Key zum No Name Key anführt. Im Klartext: Das Paddel ins Boot, die Füße ausstrecken, den Kopf einziehen - und dann Hangeln von Mangrovenast zu Mangrovenast.

Das Boot stellt sich dabei gern so, dass sich auch geübte Wassersportler in den Ästen und Wurzeln verfangen - gute Armmuskeln sind gefragt, wenn sich das Kajak auf die Seite legt. „Es dauert nicht lange, dann hat man raus, wie das geht”, ruft John aus den Mangroven weiter vorne. Er hat das Schlimmste schon hinter sich. Nach ein paar Kurven wird die Strömung weniger, das Paddel passt wieder zwischen die Mangroven.

Nach einer knappen Stunde werden die Kajakfahrer mit einmaliger Natur belohnt: Reiher, Pelikane, Kormorane und Ibisse leben hier in einer nahezu unberührten Umwelt. Im flachen Wasser schwimmen tropische Fische, an den Mangroven haben Muscheln angedockt. Und dann gibt es auf dem No Name Key, dem Inselchen ohne Namen, noch etwas ganz Besonderes: den Key Deer. Diese vom Aussterben bedrohte Hirschart lebt nur im tiefsten Süden Floridas - wer Glück hat, kann die Tiere vom Wasser aus sehen.

Der No Name Key ist zwar bewohnt, doch die Menschen kommen ohne Strom und Wasseranschluss aus. „Es gibt so etwa drei Dutzend Häuser”, sagt Greg. „Und jeder lebt ganz einfach.” Anders auf dem Big Pine Key gleich gegenüber: Da ist alles wie überall in den USA. Ausgebaute Straßen, Dutzende Verkehrsschilder, Shopping, Marinas - und der „No Name Pub”. Eine düstere Einrichtung mit wechselvoller Vergangenheit. „Der No Name Pub hat 1936 seine Pforten geöffnet”, sagt Kevin Chicoski, der Manager.

Ursprünglich gab es hier alles, was die Fischer brauchten. Zwischendurch war das Haus ein Bordell - das schloss allerdings bald wieder. Heute sind die Wände und Decken über und über mit Dollarnoten und anderem Geld gespickt. „Das kommt aus der Zeit, als die Fischer noch bar für ihren Fang bezahlt wurden”, sagt Kevin. Sie pinnten am Zahltag einige Dollarnoten an die Wand, damit ihnen nie das Geld für ihr Bier ausging. Doch nicht nur für die wertvollen Wände und Decken ist der Pub bekannt - auch die Pizza wird in regelmäßigen Abständen ausgezeichnet.

Ausgezeichnet ist auch ein Dessert, das auf den Inseln erfunden wurde: der Key Lime Pie. „Ein Boden aus Keks-Bröseln, eine Füllung aus Eiern, Kondensmilch und dem Saft der Key Limes, darauf streiche ich geschlagenes Eiweiß”, erläutert Barbara Cockerham. Den besonderen Geschmack bringen die Limetten, die kleiner sind und saftiger als die, die in europäischen Supermärkten verkauft werden. Und warum Kondensmilch? „Das ist überliefert aus der Zeit, als es kaum frische Milch auf den Keys gab, weil man hier keine Kühe halten konnte”, sagt die Besitzerin von Mas Fish Camp auf der Islamorada.

Wer dauernd Leckereien auf den Inseln verputzt und auch sonst in Urlaubsstimmung ist, hält sich mit Sport fit. Beliebt sind alle Arten von Wassersport, vom Hochseeangeln bis zum Schnorcheln und Tauchen im Korallenriff, das der gesamten Ostseite der Keys, von Key Largo bis Key West, vorgelagert ist. Ein außergewöhnliches Erlebnis ist eine Bootsfahrt im John-Pennekamp-Nationalpark.

Wer Tiere lieber im Trockenen anschaut und auch noch etwas lernen will über die Keys, hat die freie Auswahl auf den Inseln: In Marathon erläutern Biologen im Turtle Hospital, welche Seeschildkröten vor der Küste Floridas leben und mit welchen Gefahren sie zu kämpfen haben. Im Dolphin Research Center geht es um das Wohlergehen der Delfine.

Und auf der Islamorada leben im „Theater of the Sea” zahlreiche Tierarten, viele von ihnen krank oder verwundet: Delfine, Seelöwen, Papageien, Leguane und Seeschildkröten. Eine Meeresschildkröte ist mit einer seltenen Krankheit auf die Welt gekommen. „Der Panzer verformt sich und schließt Luft ein”, erklärt Maureen LaMarra. In freier Wildbahn könnte die Schildkröte nicht überleben, sie würde beim Schwimmen umkippen. Im „Theater of the Sea” allerdings hatte einer der Pfleger eine Idee: Eine Blei-Schwimmweste musste her. „Seitdem ist sie glücklich und dreht zufrieden ihre Runden durch den Teich”, sagt LaMarra.

Anreise: Vom Flughafen in Miami geht es mit dem Mietwagen auf die Keys - oder mit einem der silbernen Überlandbusse. Die Keys sind touristisch erschlossen, man kann überall einkaufen und tanken. Von Miami bis nach Key Largo, der ersten größeren Insel, ist man etwa eine Stunde unterwegs - von Key Largo bis an den Mile Marker 0 braucht man noch einmal etwa zwei Stunden.

Reisezeit: Das Klima ist tropisch, oft regnet es kurze Zeit am Nachmittag. Die Durchschnittstemperatur liegt bei 28 Grad, auch das Wasser ist meist gemütlich warm. Im Winter, von November bis Mai, ist es weniger schwül. Im Sommer ist die Luftfeuchtigkeit hoch.

Unterkunft: Zwar sind die großen Hotelketten auf den Keys zu finden - doch auf den Inseln überwiegen kleinere, private Hotels, Motels und Pensionen, oft mit angeschlossener Bar oder Restaurant. Kreditkarten werden überall akzeptiert. Manchmal ist sogar ein Leihboot in der Zimmerpauschale enthalten.

Informationen: The Florida Keys & Key West, c/o Get It Across Marketing, Neumarkt 33, 50667 Köln, (Tel.: 0221/233 64 51, www.fla-keys.de).

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