Seit 30 Jahren lockt Monets Garten das Publikum

Von: Sabine Glaubitz, dpa
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Der Seerosenteich auf dem Anwesen des französischen Malers und führenden Impressionisten Claude Monet in Giverny im Department Eure: Monet lebte und arbeitete dort von 1883 bis zu seinem Tod im Jahr 1926. Foto: dpa

Giverny. Schon zu Lebzeiten Claude Monets (1840-1926) waren der Seerosenteich und der prächtige Garten des Impressionisten in Giverny ein begehrtes Ausflugsziel an der Seine.

Sein Malerfreund Gustave Caillebotte kam von dem 30 Kilometer entfernten Gennevilliers mit dem Boot und Frankreichs Staatsmann Georges Clemenceau von Paris mit dem Auto. Heute, 30 Jahre nach der Eröffnung am 1. Juni 1980, kommen Monet-Fans und Gartenfreude aus aller Welt. Mit fast 500.000 Besuchern jedes Jahr (von April bis Ende Oktober) ist der Garten, der Monet zu einigen seiner berühmtesten Werke inspiriert hat, nach dem Mont Saint Michel die meistbesuchte Sehenswürdigkeit Nordfrankreichs.

„Ein schöneres Geschenk kann man sich nicht wünschen”, sagte Hugues R. Gall, Direktor der Stiftung Claude Monet. Als der „Vater des Impressionismus” in dem Haus am 5. Dezember 1926 starb, verfiel das Anwesen langsam und der Garten wuchs zu. „Die Gebäude waren einsturzgefährdet, der Großteil der Holztäfelungen und des Parketts waren verfault”, schrieb Gérald van der Kemp. Er hat Monets Lebenswerk gerettet. Denn Monets jüngster Sohn Michel, der 1966 im Alter von 88 Jahren bei einem Autounfall tödlich verunglückte, vermachte das Grundstück mit Garten, Haus und den restlichen Bildern seines Vaters der renommierten Akademie der Schönen Künste, deren Mitglied van der Kemp war.

Davon, dass der Garten von Brombeersträuchern und Unkraut überwachsen, die japanische Brücke des Seerosenteichs im Wasser verfault war und es von Ratten wimmelte, ist heute nicht mehr viel zu sehen. Van der Kemp suchte Mäzene und fand sie in Amerika. Nach drei Jahren harter Arbeit konnte van der Kemp, der in der Zwischenzeit schnell eine Ausbildung zum Gärtner absolvierte, am 1. Juni 1980 die Türen des Anwesens dem breiten Publikum öffnen.

Heute kümmert sich Gilbert Vahé um den Seerosenteich und den Clos Normand, wie der vordere Teil des Gartens heißt, in dem Monet seine farbenprächtigen Blumengemälde schuf. Vahé hatte als junger Gärtner unter der Leitung van der Kemps gearbeitet, der 2001 in Giverny starb. Vahé hat die Wiedergeburt des Gartens miterlebt: „Wir haben uns bei der Wiederbepflanzung des Gartens, der Anordnung der Blumenbeeten nach den Gemälden gerichtet. Außerdem hatten wir noch die Rechnungen für die bestellten Blumen und Pflanzen.”

Monet hat sich in Giverny zu einem leidenschaftlichen Botaniker entwickelt, der sogar Blumen züchtete und kreuzte. Zu seinen Lieblingsblumen gehörten die farbenfrohen Dahlien mit ihren körbchenförmigen Blüten, die herrlich blaue Iris und die gelbe Kletterrose „Mermaid”, die heute wieder üppig die Wand seines Wohnhauses bedeckt. Die zwei Eiben, die heute noch in der Nähe des Hauseingangs stehen, hatte Monet noch selber gepflanzt.

Zu Zeiten Monets kümmerten sich sieben Gärtner rund um die Uhr um die Tausenden von Tulpen, Vergissmeinnicht, Stiefmütterchen, Klatschnelken, Anemonen und Frühlingssterne. Heute sind es zehn Mitarbeiter, die jeden Winter 38.000 Blumenzwiebeln pflanzen, rund 180 000 Pflanzen in den dortigen Treibhäusern aufgezogen haben und darauf achten, dass das Wasser, in dem die über 240 Seerosen wachsen, nicht wärmer wird als 16 Grad.

Wie viel der Unterhalt dieser blühenden Oase kostet, weiß Vahé nicht. „Vor rund 15 Jahren hatten wir Rechnungen zwischen zwei und drei Millionen Francs”, sagt er. Umgerechnet seien das zwischen 300.000 und 450.000 Euro, eine Summe, die heute bei weitem überschritten werde.

Anlässlich des 30. Geburtstags der Wiedereröffnung des Gartens hat sich die Stiftung Monet für Besucher etwas Besonderes einfallen lassen. Sie öffnet ihre Türen an bestimmten Tagen erstmals bis 19.30 Uhr und schlägt einen Abendspaziergang durch Monets blühende Inspirationsquelle vor mit anschließendem Diner im Restaurant „Les Nymphéas”. Auf der Speisekarte: Gerichte, die alle aus Monets Rezeptbuch stammen.
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