Schneeschuhwandern in den Ammergauer Alpen

Von: Deike Uhtenwoldt, dpa
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Die Entdeckung der Einsamkeit: In den Ammergauer Alpen gibt es Wintervergnügen auch abseits trubeliger Pisten. Foto: dpa

Oberammergau. Ist das eine Rehspur im Schnee? Oder hat ein Wildschwein diesen steilen Weg durch den Wald unweit von Oberammergau vor den Wanderern genommen? „Nein, bei Schalenwild müsste die Spur tiefer sein”, sagt Kai Zimmer kopfschüttelnd.

Der Tourenführer öffnet seinen Rucksack, holt einen Zettel mit Tierspuren hervor und lässt die Wanderer vergleichen: Vielleicht ein Hase, mutmaßt die Gruppe. Aber es dürfte schon einige Stunden her sein, dass der hier vorbeihoppelte, denn die Spur ist nicht mehr genau zu erkennen.

Eine eigene Spur im Schnee zu ziehen und diese Wind und Wetter zu überlassen, das ist für den diplomierten Sportlehrer Kai Zimmer das Besondere am Schneeschuhwandern. Vor gut drei Jahren ist der Stuttgarter nach Oberammergau in die bayerischen Alpen gezogen, um in der dortigen Klinik Rheumapatienten zu therapieren. Nebenbei gibt er Sportkurse und führt im Winter in zwei- bis fünfstündigen Touren dorthin, wo sich Hase und Igel gute Nacht sagen und weder Tourenskigeher, noch Langläufer hinfinden - in die tief verschneiten Ammergauer Alpen.

Dass sich die Wanderer durch steiles Gelände im Tiefschnee bewegen können, verdanken sie länglichen Plastiktellern, die unter die Wanderschuhe geschnallt werden. Das vergrößert die Auflagefläche und hält selbst schwere Menschen auf der Schneedecke. Die ersten Schritte mit den Untersätzen sind zwar etwas ungewohnt, aber bald vergessen die Teilnehmer ihre Vorsicht. „Nicht nachdenken, einfach loslaufen”, rät Zimmer. Für das Schneeschuhgehen brauche man keine sportlichen Vorkenntnisse, wohl aber Orts- und Wetterkenntnisse. „In steilem Gelände oder dichtem Nebel sind auch schon Wanderer verunglückt”, warnt der Guide.

Das eigene, oft unterschätzte Sicherheitsrisiko ist das eine. Aber auch Naturschützer und Forstleute verärgert die neue Querfeldeinbewegung. „Wir empfehlen bestimmte Touren und weisen ausgewählte Gebiete als Schutzgebiete aus”, erklärt Nicole Richter, Sprecherin der Ammergauer Alpen GmbH in Oberammergau. Ausgewiesene Schneehuhnschutzgebiete dürften nicht betreten werden - auch nicht mit Schneeschuhen.

Die Marketinggesellschaft der Ammergauer Alpen vertritt sechs Gemeinden, die unterschiedliche touristische Schwerpunkte bieten. Den Anfang macht das Langlaufgebiet zwischen Ettaler Kloster und Schloss Linderhof im Graswangtal. „Das ist ein richtiges Schneeloch.” Das bedeute allerdings auch, dass zwischen den hohen Bergen wenig Sonne hereinkommt und jährlich am ersten Februarwochenende bis zu 3500 Langläufer auf die Spur des Märchenkönigs gelockt werden: „Der König-Ludwig-Lauf ist Deutschlands größter Volkslanglauf”, sagt Richter.

Anders dagegen die Ausrichtung Unterammergaus weiter nördlich: Die Gemeinde hat sich auf Familien spezialisiert und als „Kinderlandort” klassifiziert. Dazu gehören Angebote für die ganz Kleinen wie Nachtrodeln oder ein kleines Übungsgelände für Abfahrtski. Für die Erwachsenen gibt es Wildromantik und Dorfgeschichte in einem: Die Wetzsteinmacherei in der Schleifmühlklamm hat Unterammergau einst reich gemacht. Heute sind nur noch Reste der Schleifmühlen erhalten, dafür ist der Wanderweg durch die Felsenschlucht erschlossen und auch im Winter entlang der gefrorenen Wasserfälle begehbar - gutes Schuhwerk vorausgesetzt.

Am Ende der Ammergauer Alpenkette haben sich schließlich die Kurmoorbäder Kohlgrub und Bayersoien auf Wellnessurlauber ausgerichtet. Was den Wintersport keinesfalls ausschließt: „Bad Kohlgrub ist Treffpunkt der Tourenskigeher”, sagt die Gästebetreuerin Evi Huber. Es sei der liebste Wintersport der Einheimischen, nach Büroschluss mit Skiern und Stirnlampe ausgerüstet zum Hinteren Hörnle hinaufzustapfen und entspannt ins Tal hinabzusausen. Wer es nicht ganz so sportlich möchte, nimmt den historischen Sessellift und bucht die Schlitten beim Bergbahnführer gleich mit: „Viereinhalb Kilometer ist die Rodelbahn lang und ein Spaß für die ganze Familie”, erzählt Huber.

Aber Herzstück der Tourismusregion ist Oberammergau: „Die Passionsspiele waren der Auslöser für den Tourismus”, erklärt Nicole Richter. Transport, Übernachtung und Eintrittskarte in einem Paket - Anbieter wie Thomas Cook haben die Region schon früh für den angelsächsischen Markt erschlossen. „Das ist heute noch unser stärkster Auslandsmarkt.”

Längst gibt es auch für den Winterurlaub Pauschalangebote - ganz ohne Festspiele. Die Region bietet vor allem kleine Familienskigebiete mit günstigen Liftpreisen, Schneeschuhe, die kostenlos verliehen werden und „Deutschlands steilste Freeride-Abfahrt”: Die Piste am Laberjoch ist so steil, dass es dort keine Raupe, sondern nur eine nostalgische Bergbahn hoch schafft.

Informationen: Ammergauer Alpen, Eugen-Papst-Straße 9a, 82487 Oberammergau (Tel.: 08822/92 27 40, E-Mail: info@ammergauer-alpen.de).
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