Sanfter Allgäu-Winter: Wohlbefinden abseits der Skipisten

Von: Cornelia Höhling, ddp
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Altstadtdächer von Füssen im Schnee: Seenlandschaft und Bergwelt treffen im Ostallgäuer Voralpenland in außergewöhnlicher Weise aufeinander. Ob Füssen deshalb oder wegen König Ludwigs II. Märchenschloss Neuschwanstein vor den Toren der Stadt als „romantische Seele Bayerns” vermarktet wird, bleibt offen. Foto: ddp

Füssen. Winterurlaub sei erholsamer als Sommerurlaub, behauptet Renate Zöpf. Bei der geführten Winterwanderung im Allgäu sensibilisiert die Entspannungspädagogin unsere Sinne.

Die Luft ist klar, eiskalt der frische Schnee in der Hand wie in längst vergangenen Kindertagen bei der Schneeballschlacht. Wie schön, dass sich auch die Sonne zeigt. Sie lässt die Schneekristalle glitzern. Auf dem zugefrorenen Hopfensee vergnügen sich Einheimische und Urlauber beim Eisstockschießen - Bayerns Volkssport Nummer eins.

Seenlandschaft und Bergwelt treffen im Ostallgäuer Voralpenland in außergewöhnlicher Weise aufeinander. „Gäste genießen es, den Bergen nah zu sein, aber nicht von ihnen erdrückt zu werden”, schwärmt Zöpf. Ob Füssen deshalb oder wegen König Ludwigs II. Märchenschloss Neuschwanstein vor den Toren der Stadt als „romantische Seele Bayerns” vermarktet wird, bleibt offen.

Zum Ski Alpin haben wir die Reise in den Allgäuer Königswinkel nicht angetreten - auch wenn Füssen mit rund 800 Metern ü. d. M. als Bayerns höchst gelegene Stadt gilt. Schneesicherheit gibt es in Deutschland erst ab 1500 Metern. Alternativen jenseits der Skipisten sind gefragt. Und die finden sich hier reichlich. Schmücken sich doch Füssens Ortsteile mit vielversprechenden Attributen: Mineral- und Moorheilbad, Kneipp- und Luftkurort. Zudem sorgen große Wellness- und Spa-Bereiche in den Hotels fürs Aufwärmen. Ob Relaxen in der Saunalandschaft, Aromabad, Gesichtsmassage, Maniküre oder Pediküre - das sind Streicheleinheiten für Winterhaut und Seele.

Wer dennoch die winterweiße Landschaft genießen möchte, kann ohne Bretter und Hüftschwung den Kreislauf auf Touren bringen. Zunächst stapfen wir mit Schneeschuhen durch das Gelände. Eine besondere Technik ist nicht gefordert, denn Laufen kann jeder. Unter der kundigen Führung von Andre Jansen geht es querfeldein durch den Tiefschnee. Kleine Hindernisse inklusive, denn hin und wieder ist ein Bach zu überqueren. Dann laufen wir durch den Hopfer Wald - ein märchenhafter Anblick.

Die Last des Schnees drückt die Zweige der Bäume nieder. In der Dämmerung bekommen sie zum Teil ein gespenstisches Aussehen. Bis zur Einkehr in der Hütte am Faulensee sind wir ziemlich gefordert und kommen regelrecht ins Schwitzen. Andre scheint die Schneeschuhwanderung hingegen nichts auszumachen. Er ist immer zur Stelle, wenn es irgendwo klemmt oder sich ein Schneeschuh löst. Als Outdoor-Experte bietet er auch Langlauf- und Alpinskikurse sowie geführte Skitouren an.

Wir jedoch legen zum Ausruhen einen Museumstag ein. Überraschend, welche Schätze sich bei einer Führung durch die 700-jährige mittelalterliche Stadt am Lech entdecken lassen. Das Hohe Schloss aus dem 13. Jahrhundert präsentiert Gemälde aus Spätgotik und Renaissance. Es sei das einzige, das so alt ist, wie es aussieht, hatte Andre gewitzelt - dabei hatte er wohl die Königsschlösser der Wittelsbacher vor Augen. Der Bau von Hohenschwangau und Neuschwanstein war übrigens die Geburtsstunde des Tourismus in der Region.

Am Fuß des Füssener Schlossfelsens liegt die barocke Klosteranlage St. Mang mit dem Heimatmuseum, das in diesem Jahr neben Augsburg die Bayerische Landesausstellung „Bayern - Italien” beherbergen wird. Für Jahrhunderte war Füssen wichtiger Marktflecken an der römischen Via Claudia Augusta, sozusagen die „nördlichste Stadt Italiens”. In der barocken Pracht von Fürstensaal, Klosterbibliothek, Colloquium oder Kapitelsaal lässt sich nicht nur die kalte Winterluft abschütteln, sondern gleichzeitig etwas lernen. Füssen ist die Wiege des gewerblichen Lautenbaus. 1562 wurde hier die erste Lautenmacherzunft Europas gegründet.

Dann zieht es uns doch wieder in die romantische Winterlandschaft. Gut eingepackt genießen wir vom Pferdeschlitten aus die zauberhafte Natur mit ihren raureifbedeckten Bäumen. Selbst in den Pferdemähnen haben sich die glitzernden Kristalle festgesetzt, so dass sie grau wirken. Es geht zur Wildfütterung am Bannwaldsee, bei der sich über 100 freilebende Hirsche aus den Bergen in nächster Nähe versammeln.

Am Abend bringt uns der Doppel-Sessellift auf die Buchenbergalm (1140 m). Auch ohne körperliche Anstrengung werden wir mit einem herrlichen Sonnenuntergang und einem weiten Blick über das Alpenvorland bis ins Hochgebirge belohnt. Der deftigen Brotzeit in der urigen Berghütte mit Musik und einem „Hirsch-Kuss” im Glas folgt eine zünftige Nachtrodelpartie auf der beleuchteten, 2,5 Kilometer langen Winterrodelbahn zurück ins Tal.

Bleibt die Frage, warum Urlaub im Winter erholsamer ist als im Sommer. Der Wechsel von kalt und warm habe für den Körper einen Sauna-Effekt, erklärt Renate Zöpf beim Mittagessen am nächsten Tag. Das führe nicht nur zur Stärkung des Immunsystems, sondern trage auch zu Entspannung und Wohlbefinden bei. Warum nicht als Dessert einen Besuch im Märchenschloss Neuschwanstein?
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