Salz im Getriebe: Den Hotels am Toten Meer droht der Untergang

Von: Patrizia Schlosser, dpa
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Salz im Getriebe: Den Hotels am Toten Meer droht der Untergang
Schöner Zankapfel: Am Toten Meer treffen die Interessen von Kaliumproduzenten, Touristen und Umweltschützern aufeinander. Foto: dpa

Ein Bokek. Badende schweben rücklings auf türkisen Wellen, halten Zeitungen in beiden Händen und lachen in die Kamera. Unter ihnen, am Boden des Sees, formiert sich indessen der Untergang des Urlaubsidylls. Salzablagerungen im Toten Meer lassen den Wasserspiegel steigen. Der salzigste See der Welt könnte schon bald die Lobbys aller vierzehn Hotels fluten.

Das Tote Meer liegt am tiefsten Punkt der Erde. Seine rund 700 Quadratkilometer große Wasserfläche ist in zwei voneinander unabhängige Seen geteilt. Während der Wasserspiegel im nördlichen, natürlichen Becken jedes Jahr um einen Meter sinkt, steigt er im künstlich angelegten Pool an der Südseite. Dort stehen die meisten Hotels.

„In wenigen Jahren wird der See die Hotels erreicht haben”, sagt Nehemia Ben-Porat, Hotelier und Vorsitzender des Toten Meer Hotel-Verbands. Betroffen sind die Häuser bei Ein Bokek und Neve Zohar mit insgesamt mehr als 1000 Hotelzimmern.

Das Problem ist nicht neu. Das Unternehmen Dead Sea Works, nach eigenen Angaben einer der weltweit größten Kaliumproduzenten, baut seit Jahrzehnten Mineralstoffe aus dem Toten Meer ab, um daraus Düngemittel herzustellen. „Bei dem Prozess sinkt Salz auf den Seeboden, lagert sich dort ab und lässt so den Wasserspiegel kontinuierlich steigen”, erklärt Gidon Bromberg von der Umweltorganisation Friends of the Earth Middle East in Tel Aviv.

Eine Tatsache, die lange ignoriert wurde. „Und zwar von allen Seiten. Keiner wollte und will Verantwortung für den Schutz des Ökosystems übernehmen”, sagt Karin Kloosterman, Mitbegründerin des Umweltblogs Green Prophet.

Dead Sea Works sieht sich für die Hotel-Misere nicht zuständig. „Gäbe es uns nicht, gäbe es hier auch keine Hotels. Wir haben den Pool angelegt. Die Hotels kamen später”, sagt Noam Goldstein, Infrastrukturmanager von Dead Sea Works. Im südlichen, künstlich angelegten Becken gebe es nur Wasser, weil es eben aus dem nördlichen Toten Meer gepumpt werde.

Die Hoteliers weisen ebenfalls jede Schuld zurück. „Als wir die Hotels gebaut haben, war das Unternehmen noch staatlich. Wir dachten, die Regierung würde dafür Sorge tragen, dass so etwas wie jetzt nicht passiert”, sagt Ben-Porat.

Doch die Regierung wurde erst in den letzten Jahren aktiv, und das auch nur auf Druck des Obersten Gerichts. Entsprechend eines Vorschlags der Staatlichen Gesellschaft zum Erhalt des Toten Meeres sollten die Hotels abgerissen und weiter weg vom Ufer wieder aufgebaut werden.

Eine andere Idee: ein Schutzwall vor den Hotels. Doch dagegen wehren sich die Hoteliers. „Kein Tourist wird mehr hierher fahren, wenn ein Hügel aus Dreck die Landschaft verschandelt oder Krähne herumstehen”, sagt Ben-Porat.

Jetzt sollen die Salzablagerungen ausgebaggert werden. Das haben das Tourismus- und das Umweltministerium angekündigt. „Auch uns erscheint das als die beste Lösung”, sagt Umweltaktivist Bromberg.

Noch ist unklar, wann die Arbeiten beginnen. Denn es bleibt die Frage, wer bezahlt. Dead Sea Works will laut der israelischen Tageszeitung „Jediot Achronot” nur zahlen, wenn die Regierung im Gegenzug erlaubt, die Pumpanlage an der Nordseite des Toten Meeres um zwei Kilometer zu verlegen.

„Ansonsten sitzt unsere Pumpe wegen des sinkenden Wasserspiegels bald auf dem Trockenen”, sagt Unternehmensmanager Goldstein. Auch der Tourismus an der Südseite sei auf die Pumpe angewiesen. „Ohne sie hat der südliche Pool nicht genügend Wasser und würde ebenfalls austrocknen”, so Goldstein.

Doch statt die Pumpe zu verlegen und damit den Teufelskreis aus sinkendem und steigendem Wasserspiegel weiter zu befeuern, fordern Umweltorganisationen einen endgültigen Stopp der Industrie am Toten Meer. „Wenn Dead Sea Works nicht endlich Einhalt geboten wird, wird das Ökosystem zusammenbrechen”, sagt Umweltaktivistin Kloosterman.
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