Rückenwind aus der Steckdose: Radurlaub mit E-Bikes im Trend

Von: Andreas Heimann, dpa
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Rückenwind aus der Steckdose: Radurlaub mit E-Bikes im Trend
Fahrradurlaub mit Kind: Auch Familien gehören zu den Zielgruppen für das Radeln mit dem E-Bike. Foto: dpa

Koblenz/Erfurt. Es klingt ein bisschen wie Zauberei: Der Wind kommt von vorn, die Steigung ist kräftig und das Treten trotzdem nicht schweißtreibend. Doch es ist nur Technik, und zwar eine, die immer mehr Verbreitung findet.

Radurlauber zwischen Ostsee und Alpen setzen zunehmend auf die unauffällige Hilfe von Elektromotoren. E-Bikes heißen die Räder, die „Rückenwind aus der Steckdose” versprechen. Verleihstationen gibt es in diesem Sommer in vielen Regionen - praktisch überall dort, wo Radfahren angesagt ist.

Die deutsche Fahrradbranche erhofft sich von den E-Bikes viel, der „E-Bike-Boom” lässt die Umsätze wachsen. 150.000 Räder wurden im Jahr 2009 verkauft. Das war ein Plus von 36 Prozent, auch wenn der Marktanteil noch einstellig ist. Gerade da, wohin es Radler in den Urlaub zieht, sind die E-Bikes besonders oft zu sehen.

Im Allgäu zum Beispiel, wo die nahen Alpen manche Steigung unumgänglich machen, gibt es mittlerweile ein ausgebautes Netz mit Leihfahrrädern: Fast 200 E-Bikes stehen nach Angaben von Bayern Tourismus zwischen Bodensee, Füssen, Oberstdorf und Bad Wörishofen zur Verfügung. Auch in Oberbayern, im Berchtesgadener Land und im Starnberger Fünf-Seen-Land zum Beispiel, sind E-Bikes problemlos im Verleih zu haben. Andere Tourismusregionen wie Franken bauen derzeit ein Netz an Verleihstationen auf.

Die Vorteile der Räder, bei denen sich mit einem Griff an den Lenker der Elektromotor zuschalten lässt, liegen auf der Hand: „Wir haben bei uns einige Mittelgebirgslandschaften. Da machen E-Bikes das Fahren schon einfacher”, sagt zum Beispiel Nathalie Hartenstein von Rheinland-Pfalz Tourismus in Koblenz.

Leihen können sich Urlauber die Räder mit Motor zum Beispiel bei regionalen Tourismusverbänden, Hotels oder auch bei Fahrradhändlern. „Man kann damit deutlich mehr an Weg schaffen”, sagt Hartenstein. Und es ermöglicht auch denjenigen, die gern mit einer Gruppe radeln würden, sich das mit einem klassischen Rad aber nicht zutrauen, in den Sattel zu steigen. Dieses Muster gebe es oft bei Paaren, sagt Hartenstein: Beide würden gerne Radurlaub machen, der eine ist aber nicht sicher, ob das für ihn nicht zu anstrengend wird. Dann kann das E-Bike die Lösung sein.

Besonders einleuchtend ist das dort, wo die Steigungen etwas heftiger sind - in der Eifel zum Beispiel. Sebastian Lindt von der Rursee Touristik in Simmerath hat im Jahr 2009 ein E-Bike-Konzept für die Eifelregion angestoßen. Rund 25 Stationen zum Ausleihen und/oder Akku-Aufladen gibt es inzwischen, rund 150 Räder stehen zur Verfügung. Allesamt sind es „Pedelecs”, wie die Abkürzung für „Pedal Electric Cycle„ lautet. Bei dieser Form von E-Bikes strampelt der Radler selbst und bekommt vom Motor nur Unterstützung - wie viel, kann in drei Stufen eingestellt werden. „Bei flacher Strecke reichen zusätzliche 50 Prozent der eigenen Trittkraft.”

Vor allem ältere Radfans und Familien gehören zur Zielgruppe. Die Räder haben sich im Design aber so verändert, dass auch Jüngere nicht gleich abwinken: „Es gibt auch Touren- und Mountainbikes, bei denen man gar nicht sieht, dass die eine Batterie haben”, sagt Lindt. Oft leihen sich Wanderurlauber die „Pedelecs” für einen Tag - und kommen so nicht selten auf den Geschmack.

Aber es gibt auch Probleme: „Die einzelnen Hersteller haben verschiedene Akkus, die deshalb nicht an allen Stationen aufgeladen werden können”, sagt Hartenstein. „Das ist wie beim Handy, wo auch nicht jedes Ladekabel passt.” Für die Tourenplanung heißt das: Immer erst gucken, wo der eigene Akku tatsächlich Saft bekommt.

Radfahren mit etwas zusätzlichem Anschwung ist auch in Thüringen möglich. Verleihstationen gibt es zum Beispiel am Imradwanderweg, am Geratalradweg und am Saale-Radwanderweg. „Die Region ist ja recht bergig”, erklärt Anja Neumann von Thüringen Tourismus in Erfurt. Mit den „Pedelecs” sei das Radeln sehr viel entspannter. Zwölf Verleihstationen gibt es rund um die Saaletalsperren, an denen auch leere Akku gegen volle getauscht werden können. Hotels sind genauso darunter wie Fahrradgeschäfte oder das Museum Schloss Burgk.

In Norddeutschland sind die Räder mit Hilfsmotor ebenfalls angekommen - von Schleswig-Holstein bis Mecklenburg-Vorpommern. Auf Rügen zum Beispiel gibt es ein flächendeckendes Netz an Verleih- und Akkuwechselstationen der Firma Movelo. Das vor fünf Jahren gegründete Unternehmen in Bad Reichenhall organisiert für Tourismusregionen den Verleih von rund 2500 Elektrofahrrädern. Betrieben werden rund 400 Verleihstationen in Deutschland, Österreich, Italien und Spanien.

Selbst im Flachland sind die Räder mit Hilfsmotor gefragt - im Ammerland zum Beispiel. In der Region in Nordwest-Niedersachsen sind zwar kaum Steigungen zu befürchten. „Aber bei uns weht schon mal eine steife Brise”, erklärt Frank Bullerdiek von Ammerland Touristik. „Die ersten E-Bikes hatten wir im vergangenen Jahr im Verleih, richtig los geht es in diesem Sommer.” Die Leihgebühren liegen zwischen 50 und 72 Euro pro Woche beziehungsweise 12 bis 18 Euro pro Tag.

Auch im Ammerland sind „Pedelecs” im Einsatz, die einen Zusatzantrieb von maximal 250 Watt zuschalten. „Gerade bei der Generation 60+ ist das E-Bike ein Thema”, sagt Bullerdiek. „Die Tour von Westerstede nach Dangast und zurück zum Beispiel ist 70 Kilometer lang. Für manche Ältere ist das schon zu viel.” Doch mit dem E-Bike seien auch größere Touren wieder möglich. Ammerland Tourismus plant, noch in diesem Jahr 20 neue Radrouten auszuschildern - mit Strecken jeweils um 40 Kilometer. Die werden zum größeren Teil erst 2011 fertig sein und sind nicht nur für E-Bike-Fahrer gedacht. Dass deren Zahl steigt, ist für Bullerdiek so gut wie sicher.
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