Roms Kolosseum im Rampenlicht: Neue Attraktionen

Von: Hanns-Jochen Kaffsack, dpa
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Gruppenbild vor dem Kolloseum: Die Tour nach Rom bot die Gelegenheit, weitere touristische Attraktionen zu sehen - und bei Einbruch der Dämmerung ein verwandeltes Rom zu erleben. Foto: Jan Mönch

Rom. Eines der meistbesuchten Monumente der Welt steht in diesen Tagen im Rampenlicht - das Kolosseum in Rom wartet mit neuen Attraktionen auf. Der jahrzehntelang verschlossene Verbindungsgang zum dritten Stock des riesigen Amphitheaters und diese Ebene selbst können nach Jahrzehnten wieder besichtigt werden.

Außerdem werden die Gänge im Untergrund, einst „Betriebsräume” für die Gladiatoren und wilden Tiere, zum Teil für neugierige Touristen freigegeben. Ziel dieser Operation: Sie soll noch mehr Geld in die Kassen spülen. Dies aber in einer Zeit, in der der Zustand des Bauwerks Sorgen macht.

Italiens Kulturminister Sandro Bondi gab am Donnerstag das Startzeichen für all jene, die das weltweit bekannte Wahrzeichen der Tiber-Metropole nun noch gründlicher unter die Lupe nehmen wollen: Vom nächsten Dienstag an können diese fragilen Teile antiker Kultur bewundert werden - aus Sicherheitsgründen müssen die Besucher allerdings zunächst reservieren, bevor sie dorthin geschleust werden.

An die sechs Millionen Touristen zieht der Besuchermagnet im Jahr bereits jetzt an. Ein Fest für die Römer rund um ihr Amphitheater lenkt jetzt zusätzlich die Aufmerksamkeit auf „Il Colosseo”: An diesem Samstag können sie es gratis besichtigen. Und das mit einem außergewöhnlichen Führer, denn Bürgermeister Gianni Alemanno erklärt dann, was man so wissen will.

Mit blutigen Spielen weihte Kaiser Titus im Jahr 80 nach Christus das Monumentalwerk für weit mehr als 50.000 Zuschauer ein. 100.000 Kubikmeter des Kalksteins Travertin hatten die Baumeister heranschaffen lassen, um das 50 Meter hohe Kolosseum zu errichten. Das größte Amphitheater der römischen Welt blieb jahrhundertelang der Schauplatz grausamster Gladiatorenkämpfe und auch inszenierter Seeschlachten. Später dann in Vergessenheit geraten und wie ein Steinbruch ausgeschlachtet, auch für den Bau des Petersdoms, verwandelte sich der Prachtbau in eine von Unkraut überwachsene Ruine. Bis die Antike wieder etwas galt und nicht nur am Kolosseum instand gesetzt wurde, was noch zu retten war.

Was aber ist jetzt neu? Besonders faszinierend ist es, in den unter der Arena gelegenen „Betriebsräumen” der antiken Kampfstätte spazieren zu gehen. Hier waren die Kerker und die Käfige, die Rampen und Flaschenzüge für Gladiatoren und die wilden Tiere. Hergerichtet mit Millionenaufwand, lädt die „Unterwelt” mit atmosphärischem Flair zu einer Zeitreise in die Antike ein.

Erstmals seit den 1930er Jahren kann man den dritten Stock (oder „Ring”) wieder ausgiebig genießen: Er gibt den Blick frei über den Innenteil, vor allem aber über die antike Umgebung mit dem Forum Romanum - das Kolosseum ist Bindeglied eines riesigen antiken Komplexes, der bis zum Circus Maximus reicht. Und auch die östliche Porta Libitinaria des Bauwerks, durch die einst die Toten nach den Gemetzeln abtransportiert wurden, ist jetzt offen.

Auch wenn Rom sich und sein Kolosseum feiert, es bleiben die großen Sorgen. Denn Umweltverschmutzung, Vibrationen (nicht zuletzt durch die nahe Metro) und die starken Witterungsschwankungen machen das Prachtwerk mürbe. So krachten im Mai einige Putzplatten herunter und legten chemische Veränderungen frei, von Archäologen auch „Gesteins-Krebs” genannt. „Wir brauchen 23 Millionen Euro, um das Bauwerk völlig zu säubern, die Anlagen- und Überwachungstechnik zu modernisieren, die Einfriedung zu erneuern und die Wandelgänge im ersten und zweiten Stock zu restaurieren”: So listete die Direktorin des Kulturdenkmals, Rossella Rea, unlängst alles auf, was so gemacht werden muss. Das Geld sollen nun vor allem Sponsoren springen lassen.
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