Riesenwelle trifft Kreuzfahrt-Schiff: „Regelrecht erschlagen”

Von: Ines Bellinger, dpa
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Hamburg. Das Unglück auf dem zyprischen Kreuzfahrtschiff „Louis Majesty”, bei dem zwei Menschen gestorben sind, hat die Hamburger Inneneinrichterin Renée Melms miterlebt.

Die 63-Jährige erzählt im Interview von den dramatischen Ereignissen an Bord, als die Riesenwelle im Mittelmeer das Schiff traf.

Wie haben Sie das Unglück erlebt?

Melms: „Wir waren auf dem Weg von Barcelona nach Genua. In Barcelona konnten wir nicht einlaufen, weil dort schon sehr unruhige See war. Uns wurde gesagt, dass wir weiterfahren nach Genua. Dann haben sich die Wellen ganz schön aufgebaut. Es war auch starker Wind. Ich hatte meine Kabine auf Deck 3, gefühlt sechs bis acht Meter über dem Wasserspiegel. Von dort aus konnte ich das gut beobachten, und am Anfang war es berauschend im wahrsten Sinne des Wortes, ein tolles Schauspiel.”

Hatten Sie Angst?

Melms: „Ich bin früher gesegelt, insofern hatte ich keine große Furcht vor diesen wirklich hohen Wellen. Die schlugen dann immer heftiger gegen die Bordwand. Immer wenn das Schiff aus einem Wellental hochkam, knallte so eine Riesenwelle vor den Bug. Ich als kleiner Segelboot-Kapitän habe nur gedacht: Mensch, der müsste doch vielleicht ein bisschen beidrehen, damit er die Wellen nicht genau vor die Nase kriegt. Aber das ist ja ein erfahrener Kapitän.”

Wo waren Sie, als die Welle das Schiff traf?

Melms: „Ich wollte mir noch einen Koffer kaufen im Duty-Free-Shop und war auf dem Weg dorthin, als plötzlich ein großer Aufruhr auf dem Schiff war. Kinder kamen mir auf dem fünften Deck entgegen und schrien ganz furchtbar. Eine Riesenwelle hatte erst eins und dann weitere vier, fünf Fenster auf Deck fünf eingeschlagen. Eine Riesenmenge Wasser kam rein und schlug das Mobiliar um. Eine Frau ist regelrecht erschlagen worden, ein Mann ist mit seinem Sessel nach hinten gekippt. Er soll, das habe ich aber nur gehört, an einem Herzinfarkt gestorben sein. Es sind auch etliche Passagiere von den herumfliegenden Scheiben getroffen worden. Der Salon stand in null Komma nichts unter Wasser, und es tropfte in die darunter liegenden Decks. Durch die Lautsprecher wurde in allen Sprachen um ärztliche Hilfe gebeten, weil es ja auch Verletzte gab. Eine halbe Stunde später, so gegen vier, hieß es dann, der Kapitän würde beidrehen und zurück nach Barcelona fahren.”

Wie geht es jetzt weiter?

Melms: „Die Organisation hier in Barcelona ist katastrophal. Das Schiff ist total nass, das Mobiliar wird rumgeschleppt, die Leute sind sehr betroffen. Aus Athen sind Experten angereist, die rausfinden wollen, woran es gelegen hat. An Bord war die Ansage, dass eine unvorhersehbare, überdimensional große Welle das Schiff getroffen hat. Das kann ich auch bestätigen.”

War es Ihre erste Kreuzfahrt?

Melms: „Ja, aber es hat mir das nicht vermiest. Ich bin auch kein hysterischer Typ, das gibt es ja auch hier an Bord. Es wird geflucht und geschimpft, für meine Begriffe unmäßig.”

Wie war die Reiseroute?

Melms: „Wir sind von Genua nach Marseille und wollten dann nach Madeira. Das ging nicht wegen der heftigen Unwetter dort. Dann sind wir nach Teneriffa ausgewichen und von dort nach Lanzarote. Da konnten wir auch nicht in den Hafen einlaufen, weil auch dort unruhiges Wasser war. Nach zwei, drei Stunden konnten wir dann doch einlaufen. Dann ging es nach Cádiz, Cartagena und Barcelona. Und da fing die Geschichte an.”
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