Radurlaub in NRW: Der sanfte Tourismus boomt

Von: Ulrike Hofsähs, dpa
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Fahrrad / Radfahrer
Richtiges Treten auf dem Fahrrad spart Kraft und bewahrt vor Knieproblemen. Foto: dpa

Düsseldorf. Urlaub auf dem Sattel: Allein auf dem Ruhrtal-Radweg haben sich in diesem Jahr schon 100.000 Menschen abgestrampelt - so viele im gesamten vergangenen Jahr. Die 230 Kilometer lange Route zwischen Winterberg im Sauerland und Duisburg am Rhein wurde 2006 eröffnet und ist der Shootingstar unter den etwa 40 überregionalen Themenrouten in Nordrhein-Westfalen.

Von der umweltfreundlichen und aktiven Form des Urlaubens mit dem Rad profitieren auch Hotels und Gaststätten - schließlich will der müde Radler nach des Tages Mühen gut speisen und schlafen.

Dirk Engermann, Inhaber des Hotels Astenblick in Winterberg, bestätigt: „Wir haben da schon eine Steigerung erlebt durch den Ruhrtal-Radweg, obwohl wir am Beginn der Route liegen”. Mit einer Radreiseanalyse fand der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) heraus, dass bei den Hotels und Pensionen an der Strecke die Übernachtungen zwischen 2008 und 2009 um durchschnittlich 13 Prozent zugenommen haben. Allein in einem Hotel in Hattingen logierten 2800 Radtouristen. Und der Zuwachs gehe gegen den Trend, denn gleichzeitig habe im Ruhrgebiet die Anzahl der Übernachtungen um 2,5 Prozent abgenommen.

Immer mehr Hotels entdecken den Fahrrad-Trend. Als 500. „Bett & Bike”-Gastbetrieb in Nordrhein-Westfalen ist in diesem Sommer das Hotel Mertens in Altenbeken bei Paderborn dazugekommen. „Radfahren ist im Kommen”, sagt Inhaberin Anni Mertens. Ihr 11-Zimmer-Hotel liegt an der 255 Kilometer langen Paderborner-Land-Route und auch nahe der Bahn - das ist wichtig für Reisende, die nicht motorisiert sind.

Auch beim Hotel Benger in Krefeld hängt das „Bett & Bike”-Schild an der Tür. „Das ist eine gute Sache”, sagt Inhaber Alain Michelis. Viele Gäste buchen zum Zimmer gleich das Leihfahrrad mit, berichtet der Hotelier. Eine Tagestour durch Felder, Wälder und Dörfer entfernt liegt das Hotel See Park in Geldern am Niederrhein. Hier logieren viele Geschäftskunden und Wellnessgäste. Das Hotel ist zwar kein „Bett & Bike”-Betrieb, aber die Radler seien eine „wichtige Gruppe”, sagt Manager Marc Janssen. Im Sommer belegen die Aktivurlauber mit den strammen Waden bis zu 30 Zimmer pro Woche.

Eine generell gestiegene Nachfrage von Urlaubern in den Bereichen Wandern und Radfahren hat der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband NRW ausgemacht: Praktischerweise belegen die Radler oft am Wochenende die Betten, wenn die in Nordrhein-Westfalen so wichtigen Geschäftsreisenden ausbleiben.

Mag der Radurlaub vielleicht früher etwas für Leute mit wenig Geld gewesen sein - heute schwingen sich die betuchten „Best-Ager” in den Sattel. „Sie haben Zeit und Geld”, sagt Christoph Lottritz von Ruhrtourismus aus Oberhausen über die Generation der Grauhaarigen.

Nach einer Studie des Deutschen Tourismus Verbands gibt der Radurlauber pro Kopf und Tag 64,40 Euro aus. Ein gewöhnlicher Tourist bringt zwar für gewöhnlich doppelt so viel am Urlaubstag - aber der Radler geht auch nicht Shoppen oder ins Museum. Vor allem Hotels und Lokale profitieren vom Fahrradtourismus. Zumal Zweiradfahrer meist in Gruppen auftreten: „Radurlauber sind ungern alleine unterwegs”, heißt es in der Studie.

Fahrrad-Hochburgen in Nordrhein-Westfalen sind laut ADFC das Münsterland und der Niederrhein. Auch das Ruhrgebiet wird immer mehr entdeckt, unter anderem wegen zahlreicher Radwege auf stillgelegten Bahntrassen. Allein durch den Landstrich rund um Münster führen 4500 einheitlich beschilderte Kilometer Radwege. Heidi Feige, die Mitarbeiterin von Münsterland Tourismus, vermittelt oft von jetzt auf gleich Zimmer - die Radler rufen von unterwegs mit dem Handy an. „Die radeln spontan und gucken, was der Tag so bringt”, sagt Feige - und meistens kann sie sogar ein Quartier vermitteln.

Ein Klassiker ist die 100-Schlösser-Route. Das 960 Kilometer lange Radwegenetz führt direkt vorbei am Gasthof Lohmann im ländlichen Rinkerode, zwölf Kilometer entfernt von Münster. „Es ist eine wichtige Gästegruppe”, sagt Seniorchef Heinrich Schürmann über die Radler. Auch Holländer und Belgier logieren hier zum Radeln auf den Pättkes, den Landwirtschafts- und Radwegen. Allerdings empfängt der Hotelier seit einiger Zeit auch eine neue Gästegruppe, die zu Fuß unterwegs ist: Es sind Pilger auf dem vor gut zwei Jahren eröffneten Teilstück des Jakobswegs in Richtung Wuppertal.
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