Nicht immer lustig: Kreuzfahrten enden immer öfter vor Gericht

Von: Elke S. Gersmann, ddp
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Kreuzfahrt
Volksauflauf am Grasbrookkai: Wenn die „Queen Mary 2” nach Hamburg kommt, strömen die Schaulustigen meist in Scharen zum Hafen. Foto: dpa

Rostock. Kreuzfahrten liegen voll im Trend. Immer mehr Menschen entscheiden sich für Urlaub auf einem Schiff. Doch wie bei anderen Reisen kann es auch auf einer Kreuzfahrt passieren, dass nicht immer alles nach Wunsch oder wie geplant verläuft.

Bei Kreuzfahrten gilt wie bei Pauschalreisen das Reisevertragsrecht. Entspricht die tatsächliche Fahrt nicht den vertraglichen Vereinbarungen beziehungsweise den Angaben im Katalog, handelt es sich auch hier um einen Reisemangel, wie Joachim Geburtig, Jurist bei der Verbraucherzentrale in Mecklenburg-Vorpommern, sagt. Dieser Mangel kann wie bei anderen Pauschalreisen unter bestimmten Voraussetzungen zu einer Reisepreisminderung berechtigen.

Wichtig sei in diesem Zusammenhang, auch bei einer Kreuzfahrt die eigene Informationspflicht zu beachten: „Ein Mangel muss auch auf dem Schiff unverzüglich dem zuständigen Reiseleiter angezeigt werden, damit dieser eventuell Abhilfe schaffen kann.” Kann der Mangel nicht behoben werden, muss man nach der Heimreise innerhalb eines Monats seine Ansprüche beim Veranstalter geltend machen.

Für schlechtes Wetter und starken Seegang könne der Veranstalter allerdings nichts, auch mit den schiffstypischen Geräuschen müsse man sich als Passagier arrangieren, sagt Geburtig: „Man sollte sich vorher klarmachen, dass es selbst auf einem Luxus-Kreuzfahrtschiff lauter ist als in einem Hotel.” Der Lärm der Maschinen und auch gelegentlicher Dieselgeruch sind nicht zu vermeiden und vom Gast hinzunehmen, das wurde bereits vor Gericht entschieden.

Anders sieht es jedoch aus, wenn der Lärm durch einen technischen Defekt hervorgerufen wird. Bei starker Beeinträchtigung kann das einen Reisemangel darstellen und eine nicht unerhebliche Reisepreisminderung rechtfertigen, wie das Amtsgericht in Frankfurt am Main entschieden hat (AZ 30C1295/05).

Ein häufiger Streitpunkt sind Änderungen bei der Route und fehlende Anlandungen oder Ausflüge. Nicht immer ist in solchen Fällen der Veranstalter verantwortlich zu machen. Führten zum Beispiel ein starker Sturm oder plötzlich auftretende kriegerische Handlungen zu Abweichungen von den beschriebenen Leistungen, werde in der Regel von höherer Gewalt ausgegangen, weiß der Rechtsexperte.

Anders sehe es jedoch aus, wenn Konflikte in der Region bekannt seien und schon länger bestünden: „Gibt es dann eine Routenänderung oder finden beworbene Ausflüge nicht statt, muss der Veranstalter das in der Regel als Reisemangel gegen sich gelten lassen.” Gleiches gelte auch, wenn das Verschulden beim Veranstalter oder der Reederei liegt, zum Beispiel weil es einen Maschinenschaden gab oder der Zeitplan für die Route zu kurz bemessen war.

Selbst auftretende oder fehlende Naturgewalten können ein Reisemangel sein: In einem Fall konnte ein Schiff wegen starken Packeises die legendäre Nordwestpassage nicht befahren, einige Ausflüge fielen aus. Im anderen Fall wurde dagegen für die gleiche Region mit Fahrten durch meterdickes Packeis geworben, das aber dann nicht vorhanden war. Im ersten Fall entschied das Landgericht Hamburg (Az 310 O 26/07) und im zweiten Fall das Oberlandesgericht Hamburg (Az 9 U 92/08) zugunsten der Urlauber auf Reisepreisminderung.

„Was in Katalogen, Prospekten oder im Internet ausdrücklich beworben wird, muss als Leistung auch erbracht werden”, erklärt Geburtig dazu. Denn es wird bei der Buchung Vertragsbestandteil. Das gilt auch für Größe und Ausstattung der Kabinen: „Auf Fotos wird gerne der Eindruck von Großzügigkeit vermittelt, die in der Realität nicht immer vorhanden ist”, weiß der Verbraucherschützer.

Das Amtsgericht in Rostock hat dazu entschieden, dass der Reisende davon ausgehen dürfe, dass gezeigte Fotos repräsentativ für die gebuchte Unterkunft seien. Und auch eine Außenkabine mit Blick auf eine undurchsichtige Brüstung statt auf das gezeigte oder beschriebene Meer stelle in so einem Fall einen Reisemangel dar (Az 41 C 190/08).
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