Kawakawa - Neuseeländische Klo-Attraktion: Toilette im Hundertwasser-Ambiente

Neuseeländische Klo-Attraktion: Toilette im Hundertwasser-Ambiente

Von: Christiane Oelrich, dpa
Letzte Aktualisierung:
Hundertwasser/ Toilette
Das Örtchen ist so kreiert, wie man es von dem Wiener Architekten und Maler kennt: es gibt unebene Kachelböden, krumme Wände, Fenster aus Flaschenbäuchen, verspielte bunte Säulen und ein grasbewachsenes Dach. Der Bau ist ein Geschenk des Künstlers an seine Wahlheimat. Hundertwasser hatte 1974 in der Nähe von Kawakawa eine Farm gekauft. Hier fühlte er sich zu Hause, hier wurde er im Jahr 2000 auch beerdigt.

Kawakawa. Ein unscheinbares Nest ist das neuseeländische Örtchen Kawakawa - eine lange Hauptstraße, ein Metzger, ein Café, ein Supermarkt, ein Pub. Dennoch glänzt der Ort mit einer Weltattraktion an einem ganz besonderen Örtchen: dem stillen.

Die öffentlichen Toiletten mitten auf der Hauptstraße Gillies Street hat der Wiener Künstler Friedensreich Hundertwasser gestaltet.

Besucher pinkeln in Kawakawa im Norden der Nordinsel im typischen Hundertwasser-Ambiente: Es gibt unebene Kachelböden, krumme Wände, Fenster aus Flaschenbäuchen, verspielte bunte Säulen und ein grasbewachsenes Dach. Der Bau ist ein Geschenk des Architekten und Malers an seine Wahlheimat. Hundertwasser hatte 1974 in Kaurinui in der Nähe von Kawakawa eine Farm gekauft. Hier fühlte er sich zu Hause, hier wurde er im Jahr 2000 auch beerdigt. „Handertwoser” heißt er mit neuseeländischem Sprachgefühl bei vielen im Dorf, „Frederick” nannte er sich hier schlicht selbst.

Das Grab ist unter einem Tulpenbaum auf seinem Grundstück und für Besucher unzugänglich. „Der Zutritt ist für Unbefugte verboten”, sagt Ethel (81) und verdreht die Augen vielsagend. „Die Leute aus Wien” hätten da das Sagen, die, die Hundertwassers Nachlass verwalten. Ethel führt an diesem Morgen mit ihrer Freundin im Heimatmuseum als Freiwillige das Regiment, und die beiden haben sichtlich Spaß, über ihren illustren einstigen Nachbarn zu erzählen.

„Er war ein ganz normaler Millionär”, sagt die frühere Krankenschwester, die Hundertwasser nach einem Herzinfarkt einmal betreute. „Er hat überhaupt nicht viel Aufhebens um sich gemacht.” Ihre Freundin deutet auf ein paar Hundertwasser-Poster an der Wand. „Also, seine Bilder finde ich ja komisch”, enthüllt sie hinter vorgehaltener Hand. „Ich hätte in der Schule für so einen roten Farbklecks auf dem Blatt was auf die Finger bekommen.”

„Erinnerst Du Dich an die Sache mit dem Gras?”, fragt Ethel dann, und die beiden brechen in Gelächter aus. „Auf dem bepflanzten Dach der öffentlichen Toilette spross plötzlich Cannabis!”, sagt Ethel. „Wo das herkam, weiß keiner.”

Die Toiletten? Naja, meint Ethel. „Mit den vielen kleinen Kacheln und unebenen Böden, das ist doch schwer sauber zu halten.” Dieser Aufgabe widmet sich eine Frau mittleren Alters, die den ganzen Morgen mit Putzeimer und Lappen liebevoll über die bunten Wände und Waschbecken wischt. Eindeutig ein Hundertwasser-Fan. Sie unterbricht die Arbeit immer wieder, um die Schlange stehenden Touristen auf besondere Raffinessen hinzuweisen: den Fisch im Waschbeckenbereich, besondere Farbspiele in den Kacheln.

Hundertwasser fand nach rastlosen Reisen in aller Welt in diesem abgelegenen Fleck in Neuseeland seine innere Ruhe. Mit dem benachbarten Bauern Doug Shephard und dessen Frau Noma verband ihn eine tiefe Freundschaft. „Es ist äußerst selten und wertvoll, Freunde zu haben”, schrieb er den beiden Weihnachten 1992. Doug ist im vergangenen Jahr gestorben. Seine Frau hat jetzt ein Erinnerungsbüchlein mit Anekdoten über den berühmten und oft kauzigen Nachbarn verfasst.

Zum Beispiel, wie Hundertwasser sich 1986 von Doug einen Anzug ausleihen musste, um bei der Einbürgerungsfeier als Neuseeländer Staat zu machen. Oder wie Hundertwassers Ziege einst den Steuerinspektor das Fürchten lehrte. Die Ziege war auf dem bepflanzten Dach seines Studios im Einsatz, um das Gras kurz zu halten. Der Künstler wollte dem Beamten die Aussicht zeigen, wurde dann aber ans Telefon gerufen und ließ den Mann sichtlich nervös mit der Ziege allein auf dem Dach zurück.

Seine Abneigung gegen das Rampenlicht legte Hundertwasser allerdings selbst „am Ende der Welt” in Kawakawa nicht ab. Als seine Toiletten am 10. Dezember 1999 eingeweiht wurden, schlich er zwar inkognito durch den Ort. Seine Grußworte verlas auf seinen Wunsch Noma: „Es ist nur eine Toilette, aber das zeigt, dass auch kleine Dinge Schönheit ins Leben bringen können.”
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