Neues vom Drachenfels: Präsentieren statt verteidigen

Von: Günter Wächter, dpa
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Er gilt als Deutschlands meisbestiegener Berg: Der Drachenfels oberhalb von Königswinter. Jetzt ist es Fachleuten bei umfangreichen Sanierungs- und Forschungsarbeiten gelungen, dem Bergfried neue Erkenntnisse über seienen eigentlichen Verwendungszweck zu entlocken. Er solle nicht primär wehrtechnische Verwendung finden sondern die Macht und den Reichtum des Kölner Erzbischofs repräsentieren. Foto: dpa

Königswinter. Er gilt als Deutschlands meistbestiegener Berg: Der Drachenfels oberhalb von Königswinter. Schon im 19. Jahrhundert war er Ziel zahlreicher - überwiegend britischer - Touristen, für die der Bergfried Ikone und Inbegriff der Rheinromantik war.

Mythen und Sagen umgeben ihn. Jetzt ist es Fachleuten bei umfangreichen Sanierungs- und Forschungsarbeiten gelungen, dem Bergfried neue Erkenntnisse über seinen eigentlichen Verwendungszweck zu entlocken: Er hatte nicht primär wehrtechnische Aufgaben, sondern sollte die Macht und den Reichtum des Kölner Erzbischofs repräsentieren.

Seit dem vergangenen Herbst haben sich Restauratoren und Bauforscher intensiv um das Gemäuer gekümmert. Über Monate war das Wahrzeichen von einem riesigen Gerüst ummantelt und verhüllt. Der Drachenfels ragte als „Christo im Rheinland” in den Himmel, wie Landeskonservator Prof. Udo Mainzer am Freitag bei einer Begehung des Drachenfelsplateaus sagte. Nun sind die Hüllen gefallen, die Ruine zeigt sich in neuem Glanz und die Forscher präsentieren ihre Erkenntnisse.

Die Originalsubstanz des im 12. Jahrhundert errichteten Gebäudes ist in großen Teilen erhalten. Die Bauforscher Christina Notarius und Denis Kretzschmar hat besonders die präzise Arbeit der Steinmetze damals fasziniert. Der Bergfried wurde, wie seinerzeit üblich, dreigeschossig konzipiert und war 19 Meter hoch. Sein rechteckiger Grundriss von neun mal zehn Metern entsprach dem römischen und mittelalterlichen Ideal.

Das Erdgeschoss diente als Lager und Keller. Im ersten Obergeschoss befand sich ein repräsentativer Raum mit einem großen reich verzierten Kamin. Zudem entdeckten die Forscher eindeutige Hinweise darauf, dass es entlang allen Wänden eine steinerne Bank gab. „Etwas kalt vor allem im Winter”, sagte Kretzschmar. „Da werden sie wohl Holzplatten draufgelegt haben.” Die Wände innen waren verputzt oder zumindest geschlämmt.

Im zweiten Obergeschoss befanden sich vermutlich Schlafgemächer. Zudem gab es hier vier große Fenster, die einen Blick weit ins Rheintal, ins Siebengebirge und die gegenüberliegende Eifel ermöglichten. Besonders verstärkt war die Decke zur Wehrplattform.

Als nächstes wird das in den 1970er Jahren im „Betonlook” errichtete Restaurant verschwinden. Stattdessen soll im Zuge der Triennale 2010 das alte Restaurant renoviert und durch einen gläsernen Kubus erweitert werden. Das birgt gute Chancen für die Zahnradbahn, die seit 125 Jahren unermüdlich Touristen zum Gipfel bringt, noch weitere Jahrzehnte den Dienst zu versehen.
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