Naturperlen für die Fußballpause: Tembe Elephant Park und Kosi Bay

Von: Thomas Burmeister, dpa
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Kosi
Mischung aus Süß- und Salzwasser: Bei Flut dringt der Indische Ozean in die Seen der Kosi Bay Nature Reserve vor. Foto: dpa

Manguzi. Als Ernest Robbertse noch Ganoven im Großstadtdschungel jagte, träumte er von einem friedlichen Stück Erde. Einem Ort, an dem er keine Tür verschließen muss, weil dort nur anständige Menschen wohnen.

Obendrein durften gerne auch ein paar Wildtiere durch die Gegend ziehen. Im Land des Tembe-Volkes im Grenzgebiet von Südafrika und Mosambik hat der Ex-Privatdetektiv es gefunden. „Das hier ist für mich das Paradies”, sagt der weißhaarige Pensionär aus Durban an der Ostküste Südafrikas und zeigt über eine weite Ebene mit Büschen und Galeriewäldern am Horizont. Neben dem offenen Geländewagen wirbeln Säbelantilopen gerade Staub auf. Und nicht weit entfernt trottet eine Herde Elefanten durchs Gras.

„Hier ziehen heute wieder die größten Elefanten Afrikas friedlich ihre Bahnen”, sagt Robbertse, Mitbesitzer der einzigen Lodge im Wildreservat Tembe Elephant Park. Das vom Tembe-Volk gemeinsam mit Südafrikas Wildtier-Service KZN bewirtschaftete Schutzgebiet gehört ebenso wie das eine Autostunde entfernte Küstenreservat Kosi Bay am Indischen Ozean zu den weniger bekannten Naturperlen Südafrikas. Während der Fußball-WM im Juni und Juli 2010 eignen sich beide Ziele für Kurz-Safaris zwischen zwei Spielen - besonders für solche Fans, die stillere Gegenden bevorzugen.

Wer nach gut sechs Stunden Fahrt von Johannesburg oder knapp vier von Durban aus am Abbieger zum Tembe-Park die Asphaltstraße verlässt, taucht in weitgehend unberührte Natur ein. Die Luxus-Buschhütten sind umweltgerecht in die Landschaft eingepasst. Ihre Türen lassen sich nicht verschließen, sondern nur von innen verriegeln. „Hier kommt nichts weg”, sagt Robbertse. „Alle Angestellten sind von hier, wunderbare Menschen, für die lege ich meine Hand ins Feuer.”

So paradiesisch sicher war die Region nicht immer. Wer die vernarbten Wunden bei einigen der ganz alten Elefanten bemerkt, ahnt es. Ein paar Kilometer nördlich begann einst die Hölle: Jahrelang tobte im Nachbarland Mosambik ein Bürgerkrieg. Nicht nur Menschen flohen über die grüne Grenze, die fremde Mächte quer durch Maputaland gezogen hatten - so heißt die Region in Anlehnung an den einstigen Stammeskönig Mabhudu. Als in den 80er Jahren in Mosambik Rebellen, Soldaten und Wilddiebe die Tierbestände mit automatischen Waffen dezimierten, wichen die Elefanten und Nashörner, Löwen und Giraffen in die Wälder auf der südafrikanischen Seite von Maputaland aus.

Dort entstand bereits 1983 das Tembe-Wildreservat, vor allem um die letzten noch frei umherziehenden Elefantenherden in diesem Teil des südlichen Afrika zu schützen. Ein Gebiet von 30.000 Hektar wurde dafür zur Tabuzone für Siedlungen und Nutztiere erklärt. Ganze Dorfgemeinschaften mussten umziehen. „Doch unsere Ältesten haben zugestimmt, weil wir von Anfang an beteiligt wurden und den Nutzen für uns erkannten”, sagt Tom Inkozi, der Manager des Camps.

Bis allerdings erste Besucher auf Elefantenpirsch gehen konnten, vergingen noch Jahre. „Die Tiere waren anfangs furchtbar verunsichert, Elefanten reagierten aggressiv, sobald sich ein Fahrzeug näherte”, erzählt Tom. „Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass ihre Herden früher von Autos aus niedergemetzelt wurden.”

Nach dem Abendessen mit Straußensteak als Hauptgericht unter freiem Himmel erzählt Robbertse am Lagerfeuer von einer Vision für Maputaland: Eine große, grenzüberschreitende Region für den Tier- und Naturschutz mit umweltverträglichem Tourismus wollen private Investoren, der KZN und die Stammesvertretungen entstehen lassen. In Anfängen ist der Traum schon Wirklichkeit geworden. Nachdem in Südafrika das Apartheid-Regime zusammenbrach und in Mosambik Frieden einkehrte, wurden die Grenzübergänge wieder geöffnet. Immer mehr Touristen verbinden Südafrika-Reisen mit Abstechern nach Mosambik.

Unter anderem lassen sich Safaris in Südafrika mit Strandurlaub im mosambikanischen Resort Ponta Mamoli verknüpfen. Es liegt südlich der Halbinsel Machangulo, auf der eine Anlage mit 120 Luxus-Ferienvillen entsteht. Die bleiben aber dem Jetset vorbehalten, darunter ein Traumhaus für den niederländischen Kronprinzen Willem-Alexander.

Die Straße nach Mosambik führt über den südafrikanischen Grenzort Manguzi unmittelbar vorbei an einem echten Naturjuwel. Das Kosi Bay Nature Reserve besteht aus einem System von vier verbundenen Seen, die unmittelbar hinter der Küste des Indischen Ozeans liegen. Bei Flut wird Meerwasser in die Seen gespült. Die Mischung aus Süß- und Salzwasser hat zusammen mit dem tropischen Klima eine einzigartige Pflanzenwelt aus Mangroven, Farnen, Orchideen und Palmen entstehen lassen. Wegen des Artenreichtums der Fische in unglaublich klaren Gewässern wird die Gegend das „Aquarium” der Elefantenküste genannt.

Besonders Angler und Schnorchler lieben die Kosi Bay, die auch Heimat für Flusspferde, Krokodile und Sambezi-Haie ist. Nach dem Willen der staatlichen Naturschützer soll sie auf Dauer vor dem Massentourismus bewahrt werden. Der Zugang zum Schutzgebiet ist daher begrenzt. Mit der „Maputaland Lodge” in Manguzi und der schöner, weil mit Blick auf den Ozean gelegenen „Kosi Bay Lodge” gibt es nur zwei Herbergen mit gehobenem Standard. Dazu gehören 2010 natürlich für alle, die nicht abschalten wollen, Fernsehübertragungen von der WM. Wer darauf auch mal verzichten kann und es naturnah liebt, findet im Kosi Bay Reservat abgeschiedene Plätze für Zelte oder Campingwagen.

Informationen: South African Tourism, Friedensstraße 6-10, 60311 Frankfurt (Kostenloses Tel.: 0800/118 91 18).
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