Neukirchen/München - Mondscheinabfahrt nach der Hüttengaudi: Nachtrodeln in den Alpen

Mondscheinabfahrt nach der Hüttengaudi: Nachtrodeln in den Alpen

Von: Florian Sanktjohanser, dpa
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Wie eine glühende Schlange - die beleuchtete Abfahrt in der Rodel-Arena Wildkogel ist aus der Ferne gut zu erkennen. Foto: dpa

Neukirchen/München. Sein Feierabendbier im Kreis der Freunde nimmt Andreas Heckl gern hoch über Garmisch-Partenkirchen in der Martinshütte ein. Um den Fußmarsch zurück ins Tal muss er sich keine Sorgen machen.

Vor der Tür stehen die Hornschlitten, mit denen die Feiergesellschaft nach dem Ende der Hüttengemütlichkeit talwärts flitzt. Nur die Stirnlampen werfen Schlaglichter auf die Forststraße, über die die Schlitten durch die kalte Winternacht jagen. „Es ist jedes Mal überwältigend, bei Mondschein durch die verschneite Landschaft zu fahren”, schwärmt Heckl.

Vom romantischen Naturerlebnis auf eigene Faust hat sich das Nachtrodeln längst zum professionell organisierten Tourismus-Event entwickelt. Überall in den Alpen haben Skigebiete eigene Bahnen für den Trendsport Rodeln angelegt. Und einige bieten auch Nachtrodeln auf beleuchteten Pisten inklusive Gondel-Transport und Hüttengaudi an.

In der Schweiz können Rodler zum Beispiel den „Eiger Run” bei Grindelwald im Schein des Flutlichts hinabrasen. Rund vier Kilometer lang ist die Piste vom Berghaus Alpiglen nach Brandegg, erklärt Susanne Lüber von den Jungfraubahnen Interlaken in der Schweiz. Wer die angepriesenen „Haarnadelkurven” überstanden hat, kann sich von der Zahnradbahn umgehend wieder an den Start der Rodelbahn chauffieren lassen. Die Abendkarte kostet für Erwachsene 25, für Jugendliche unter 16 Jahren 15 Schweizer Franken (rund 17 beziehungsweise 11 Euro).

Während man den „Eiger Run” in rund 15 Minuten hinabschießt, kann die Talabfahrt in der „Rodel-Arena Wildkogel” in Tirol eine Stunde dauern. 14 Kilometer windet sich die nach Angaben der Betreibergesellschaft in Neukirchen „wahrscheinlich längste Rodelbahn der Welt” den Berg hinab.

Besucher müssen aber nicht den ganzen Weg bis zum Start hochstapfen. In der Gondel schaukeln sie bequem zum Bergrestaurant, die einfache Fahrt kostet sechs Euro für Erwachsene und drei Euro für Kinder ab Jahrgang 1994. Vom Bergrestaurant führt ein Fußmarsch von 15 Minuten zum Wildkogelhaus, wo die lange Talfahrt über 1300 Höhenmeter nach Bramberg beginnt.

Wem die Abfahrt als ganze zu lang ist, kann auf halbem Weg in der Almhütte „Zwischenzeit” einkehren oder sich unter dem Schirm mit dem vielsagenden Titel „Ramba Zamba” den Sinnesfreuden des Après Ski hingeben. Allzu lange sollten sich die Nachtrodler dort allerdings nicht vergnügen. Um 22 Uhr werden jeden Abend die Lampen entlang der Bahn ausgeschaltet. Danach sei die Strecke komplett dunkel und eine Abfahrt trotz der Holzbanden in den Kurven ziemlich gefährlich, warnt Tanja Dreier vom Tourismusbüro „Urlaubs-Arena Wildkogel” in Neukirchen.

Riskant kann auch die Rodelstrecke am Hausberg in Garmisch-Partenkirchen sein. An mehreren Stellen warnen Hinweisschilder vor besonders steilen, kurvigen oder unübersichtlichen Abschnitten, erzählt Andreas Heckl, der im nahen Grainau wohnt. Besonders wenn wie im Moment wenig Schnee liegt, seien die Rodelbahnen vereist und deshalb sehr schnell, erklärt Jochen Brune vom Deutschen Alpenverein (DAV) in München. Und in diesem Winter fiel bisher so wenig Schnee, dass die Hausberg-Rodelstrecke erst am 14. Januar den Betrieb startete - nach zweijähriger Schließung mangels Schnee.

Auch in Garmisch werden die Rodler von Gondeln zum Startpunkt, der Bergstation, getragen. Über präparierte Wanderwege und Skipisten führt die 3,9 Kilometer lange Strecke von der Berg- zurück bis zur Talstation. Dazwischen lauert allerdings eine verlockende Falle: das „Bayernhaus”.

Dort wird mittwochs und freitags, wenn die Beleuchtung angeschaltet ist, kostenlos Glühwein aus dem Topf über dem Lagerfeuer ausgeschenkt. Dazu spielen bayerische Live-Bands. Nicht nur Besuchern dieses Zwischenstopps wird dringend dazu geraten, beim Rodeln eine Stirnlampe zu tragen. Denn bisher sei die Strecke noch nicht durchgehend beleuchtet, erklärt Stephanie Vogel vom örtlichen Tourismusbüro. Die einmalige Fahrt auf den Hausberg kostet für Erwachsene 9,50 Euro und für Kinder sieben Euro, das Ticket für unbegrenzte Fahrten 12 beziehungsweise fünf Euro. Skifahrer mit Saison- oder Mehrtageskarten werden gratis befördert.

Wer keinen Schlitten oder Bob besitzt, muss übrigens auf das Vergnügen einer nächtlichen Schlittenfahrt nicht zwangsläufig verzichten. An allen Rodelbahnen können rutschende Untersätze gemietet werden.
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