Lübbenau - Mit dem Schlitten zum Wohnhaus

Mit dem Schlitten zum Wohnhaus

Von: Lars Hartfelder, ddp
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Spreewald
Manuela Filko fährt neben Wolfgang Gahl (l.) mit einem Spreewälder Stoßschlitten ihren Einkauf über ein Fließ bei Lehde im Spreewald. Gemeinsam mit ihrem Mann wohnt sie mitten im Spreewald. Ihr Haus ist umgeben von Flussarmen, die naechste Strasse etwa 200 Meter entfernt. Foto: ddp

Lübbenau. Lange Eiszapfen hängen von den Dächern. Die Landschaft ist vollständig in Schnee eingehüllt. Mit dicken Handschuhen, Stiefeln, Wollmütze und Wintermantel holt Manuela Filko etwas Holz aus ihrem Schuppen. Gemeinsam mit ihrem Mann wohnt sie mitten im Spreewald.

Ihr Haus ist umgeben von Flussarmen, die nächste Straße etwa 200 Meter entfernt. Im Sommer schauen die Touristen etwas neidisch auf Filkos romantisches spreewaldtypisches Haus mit dem idyllischen Wassergrundstück. Bei den derzeitigen eisigen Temperaturen aber ist der Alltag in Lehde beschwerlich.

Alle Lebensmittel und Getränke, jede Flasche Wasser und jedes Brot müssen die 44-jährige Manuela Filko und ihr Mann Harry mit dem Schlitten zum Grundstück ziehen. Für Manuela Filko, zu deren Haushalt auch Hund, Katze und Hühner gehören, ist dies aber kein Problem. „Endlich mal wieder ein richtiger Winter”, freut sie sich und blickt über die zugefrorenen Fließe.

Lehde ist ein rund 200 Einwohner großes Inseldorf, dessen Häuser über Jahrhunderte ausschließlich über Wasserwege zu erreichen waren. Noch heute erfolgen bei einigen Grundstücken Müllabfuhr und Postzustellung in den Sommermonaten über den Wasserweg per Kahn. Der komplette Ort steht unter Denkmalschutz.

Manuela Filkos Familie lebt schon seit mehreren Generationen in Lehde. „Ich liebe die Ruhe und könnte nicht woanders hinziehen”, sagt sie. Die Verbundenheit mit der Natur sei ein Teil ihres Lebens.

Dennoch bereiten ihr der strenge Frost und der Schnee in diesen Tagen zusätzliche Arbeit. „Die 200 Meter bis zur nächstgelegenen Straße muss ich selbst kehren”, sagt sie. Winterdienst bis zu den abgelegenen Grundstücken gebe es nicht. Das bedeutet, früher aufzustehen und sich warm anzuziehen.

Während das Leben für Manuela Filko bei den eisigen Temperaturen alles andere als einfach ist, genießen Touristen die Winterlandschaft des Spreewaldes. „Zwischen Lehde und Leipe befindet sich derzeit ein richtiger Märchenwald”, schwärmt Christina Balke vom Tourismusverein Lübbenau. Während im vergangenen Jahr die Schlittschuhsaison mangels Frost ausfallen musste, tummeln sich seit Wochenbeginn zahlreiche Menschen auf den zugefrorenen Fließen.

„Am Wochenende erwarten wir zahlreiche Tagestouristen”, sagt Balke. Dann werden an den Gräben auch Glühwein und Bratwürste gereicht. Der kalte Winter sei für den Tourismus ideal und ein Anstieg der Besucherzahlen deshalb wahrscheinlich. Dennoch mahnt sie zur Vorsicht: „Unter Brücken kann das Eis noch dünn sein.” Schlittschuhläufer sollten deshalb immer in Begleitung fahren.

Im Spreewald, der einzigartigen Auenlandschaft südlich von Berlin, tummeln sich im Winter wesentlich weniger Besucher als in der Saison. Bei einem Spaziergang auf den zugefrorenen Fließen gibt es daher wegen der wenigen Störungen eine besonders lebendige Tierwelt zu sehen.

„Vor allem die nordischen Vögel sind sehr reizvoll”, sagt Harald Schneider, Vorsitzender des Naturschutzbundes (NABU) Spreewald. So sorgen beispielsweise die Seidenschwänze mit ihren knallig bunten Farben und den klirrenden Rufen für Aufmerksamkeit. Aber auch Bergfinken, Feldsperlinge, Kohlmeisen und Amseln können beobachtet werden.

Zudem befinden sich Rehe und Hirsche auf Nahrungssuche. Ungewöhnlich ist, dass sogar einige Gänse und Stare in der Region geblieben sind und versuchen, hier zu überwintern. „Ursache dafür sind die milden Winter in der Vergangenheit”, begründet Schneider.

In dem in Europa einmaligen Wald- und Wassergebiet gibt es insgesamt etwa 18.000 Pflanzen- und Tierarten, darunter viele vom Aussterben bedrohte Gattungen.
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