Märchenwelten und bengalische Lichter: Das Lichterfest in Lyon

Von: Sabine Glaubitz, dpa
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Atemberaubend: Magische Momente beim Lichterfest in Lyon. Foto: dpa

Lyon. Alles bewegt sich, alles dreht sich: Ein Theater vertilgt seine Besucher, aus einem Brunnen schwebt ein Frauenkopf, riesige Bäume verschlingen ganze Säuleneingänge. Delirium oder ein 3D-Animationsfilm? Weder noch. Lyon leuchtet.

Illuminationskünstler verwandeln die Weltkulturerbe-Stadt im westlichen Frankreich in ein fantasievolles Gesamtkunstwerk. Zwischen dem 8. und 11. Dezember setzt sich die Rhône-Metropole in Szene und feiert sich als Stadt der Lichtkunst.

Das Lichterfest in Lyon hat schon lange nichts mehr mit dem folkloristischen Spektakel zu tun, mit dem vor mehr als 150 Jahren das Ende einer schweren Pestepidemie gefeiert wurde. Die Kerzen wurden durch interaktive Spektakel ersetzt, die die herkömmlichen Ton- und Lichtschauen sprichwörtlich in den Schatten stellen. Jedes Jahr gibt es in der Rhône-Stadt rund 70 Kunstprojekte zu sehen. Für vier Tage wird Lyon zum internationalen Treffpunkt von Beleuchtungsexperten und Event-Künstlern.

Das traditionelle Fête des lumières hat jahrhundertealte Wurzeln. Seit der Schwarze Tod im Jahr 1643 die Region heimgesucht hatte, pilgerten die Einwohner Lyons jeweils am 8. September zu Ehren der Jungfrau Marie zur Kapelle Notre-Dame-de-Fourvière, um der Schutzheiligen Kerzen und Goldtaler zu opfern. Knapp 200 Jahre später sollte eine Marienstatue errichtet werden, die Einweihung musste um vier Wochen verschoben werden. Die Saône, die durch Lyon fließt, war über die Ufer getreten und bedrohte die Stadt.

Doch auch am 8. November mussten die geplanten Festlichkeiten wegen eines neuen Unwetters abgesagt und um weitere vier Wochen verschoben werden. Die Einweihung schien unter einem schlechten Stern zu stehen, als sich am 8. Dezember der Himmel plötzlich erhellte. Als Dank für das Wunder zündeten die Bewohner Kerzen in ihren Fenstern an und erhellten mit unzählige Laternen und Öllampen die Stadt. Auch heute noch zieren Hunderte bengalischer Lichter die Fenster.

Seitdem kann man jedes Jahr um den 8. Dezember herum in Lyon ein wahres Lichtermeer bewundern. 3D-Videoprojektionen erwecken auf der spätgotischen Fassade der Kirche Saint-Nizier eine mehr als tausendjährige Geschichte zum Leben. Selbst das Wahrzeichen über den Dächern der Stadt, die Basilika Notre-Dame de Fourvière, wird zur Leinwand überraschender Lichteffekte und digitaler Märchenwelten.

Das spielerische und zugleich stromsparende Illuminationsspektakel - die Stadt ist Pionier der ökologischen Lichtplanung - zieht mittlerweile bis zu vier Millionen Besucher an. Gérard Collomb, der Bürgermeister von Lyon, versprach vor knapp zehn Jahren, aus dem Lichterfest einen „magischen Moment der Poesie” zu machen. Er hat sein Versprechen gehalten.
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