Langlaufen im Bayerischen Wald: Soweit die Skier gleiten

Von: dpa
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Langlaufen im Bayerischen Wald: Soweit die Skier gleiten
Schöne Ausblicke bieten die Loipen im Bayerischen Wald. Foto: dpa

Bodenmais/Lohberg. Franz Weinberger hat gleich zwei Dienstautos, um die ihn mancher Mann beneiden dürfte. Das eine knattert und knarzt und braucht gelegentlich gutes Zureden. Das andere ist ein PS-Monster: rot, riesig, laut. Weinberger ist der Loipenmeister auf dem Bretterschachten, dem schneesichersten Langlaufgebiet im Bayerischen Wald. Auf dem alten Skidoo oder dem hochmodernen Pistenbully sitzend drückt er die Spuren für die klassischen Langläufer in den Schnee und walzt die Fläche für die Skater eben.

„Mehr als 80 Kilometer Pisten haben wir hier oben”, erklärt Weinberger. „In einem durchschnittlichen Jahr kann man 150 bis 160 Tage Langlaufen.” Spätestens im November fängt die Saison an, oft dauert sie bis in den April hinein. „Und das schaffen wir, obwohl wir nur in 1120 Metern Höhe liegen”, sagt Weinberger.

Das Aktivzentrum, einige Kilometer von Bodenmais entfernt, ist ein Paradies für Langläufer. Die Spuren gehen durch den Wald, immer wieder öffnen sich Lichtungen mit grandiosen Ausblicken. „Bei Föhn kann man das Dachstein-Massiv und die Zugspitze sehen”, erzählt der Loipenmeister. Oft herrsche dort oben eine Inversionswetterlage: Dann scheint auf dem Berg die Sonne, während das Tal wolkenverhangen ist.

Jeder Läufer findet in dem Loipennetz am Fuß des Großen Arber seine Herausforderung: Von kurzen, ebenen Strecken bis zur 30 Kilometer langen Route mit vielen Steigungen und Gefällen gibt das Gebiet eine Menge her. „Wer eine größere Herausforderung braucht, kann alle Wege als 60 Kilometer lange Runde abfahren”, sagt Weinberger.

Für den Wächter der Loipen bedeutet das tägliche Präparieren viel Arbeit: „Spätestens um 4.00 Uhr morgens geht es los”, sagt er. Das Gebiet ist weiträumig, und schon um 7.00 Uhr stehen die ersten Langläufer am Start beim Parkplatz des Aktivzentrums. Um diese Zeit ist man noch recht allein auf den Wegen. Im Lauf eines guten Tages fahren aber bis zu 5000 Menschen auf den Berg.

Das Aktivzentrum in Bodenmais ist nur einer der vielen Orte im Bayerischen Wald, an dem sich die nordischen Skiläufer austoben. Mehr als 2000 Kilometer gespurter Loipen gibt es in den sechs Landkreisen, über die sich der älteste Nationalpark Deutschlands ausstreckt.

Einer der schönsten und weitesten Wege ist die Bayerwaldloipe: 150 Kilometer lang ist die Route, die in Lohberg beginnt und in Neureichenau ihr Ziel hat. Immer entlang der Schneeflocken-Symbole gleiten die Läufer: Sie ist das Zeichen für den Weg. „Mit der Bayerwaldloipe sind viele bestehende Loipen in den einzelnen Gemeinden zu einem Ski-Fernwanderweg zusammengeschlossen worden”, erklärt Michael Dietz vom Tourismusverband Arberland.

Vom Arber- und Ossergebiet bis hin zum Dreisessel verläuft der Weg quer durch den Nationalpark. „Aber anders als man im Bayerischen Wald vielleicht erwarten würde, kommt man über einige Hochplateaus und durch zahlreiche Lichtungen”, sagt Dietz, der selbst passionierter Langläufer ist. Nicht nur der Ausblick ist an vielen Stellen grandios: Es gibt auch am Wegesrand allerlei zu sehen. Deshalb sollte man nicht in drei Tagen durch den Wald rasen, auch wenn das möglich wäre.

Die Geschichte der Region ist an vielen Stellen lebendig, etwa im Glasmuseum in Frauenau. Dort steht bis heute die älteste noch produzierende Glashütte Deutschlands. In Bayerisch Eisenstein ist der Bahnhof ein Stück Geschichte: Der Grenzbahnhof, während des Kalten Krieges durch Mauern und Zäune abgeschottet, ist erst seit 1991 wieder in Betrieb. Die Grenze zwischen Deutschland und Tschechien verläuft bis heute mitten durch das Empfangsgebäude.

Das ist nicht der einzige Punkt, an dem die Bayerwaldloipe nah an die Grenze heranführt. Wem die 150 Kilometer zu kurz sind, der kann an einigen Stellen vom Bayerwald in den Böhmerwald wechseln und dort noch ein paar Schleifen fahren. „Im tschechischen Nationalpark ¦umava besteht ein dichtes Loipennetz, das über verschiedene Grenzübergänge zugänglich ist”, sagt Dietz. Auch der Tierpark Bayerwald und verschiedene Gehege mit heimischen Tieren liegen auf dem Weg.

In der Nähe von Neuschönau bietet das so genannte Baumei interessante Einblicke. Es ist der Mittelpunkt des weltweit längsten Baumwipfelpfades. In 8 bis 25 Metern Höhe spazieren Besucher über dem Waldboden und sehen die Natur aus der Vogelperspektive. „Die Holzkonstruktion ist komplett in den Wald integriert”, sagt Dietz. „Und aus dem Baumei, das in etwa so aussieht wie die Reichstagskuppel in Berlin, kann man herrlich in die Ferne schauen, bis zu den Alpen.”

Die meiste Zeit aber verbringt man still dahingleitend auf seinen Langlaufskiern. Im Januar und Februar gilt die Loipe, die sowohl für klassische Fahrer als auch für Skater gespurt wird, als schneesicher. „Ab und zu muss man die Skier abschnallen und einen kurzen Weg zu Fuß gehen”, sagt Dietz - zur Schonung der Umwelt seien an einigen Stellen keine Wege installiert worden.

Überwiegend sind die Strecken mittelschwer und auch für Anfänger zu meistern. „Man kann auch von Ort zu Ort Skiwandern und sich das Gepäck hinterher bringen lassen”, sagt Dietz. Die Länge der Etappen schwankt zwischen 7 und 30 Kilometern. Wie lang eine Tagestour ist, hängt von der eigenen Kondition ab. „Aber ich habe bislang noch von keinem Ultra-Marathon-Langläufer gehört, der das alles in einem Tag geschafft hat”, sagt Dietz.

Informationen: Nationalparkgemeinden, Kaiserstraße 13, 94556 Neuschönau (Tel.: 08558/91 021, E-Mail: info@nationalparkregion.de).

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