Kultur trifft Natur: Der Westen Thüringens

Von: Elke Gersmann, dapd
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Die Wartburg ist nicht nur der besterhaltene mittelalterliche weltliche Bau nördlich der Alpen, sie ist auch ein Hort deutscher Geschichte und Kultur. Foto: dapd

Eisenach. Hoch oben über der thüringischen Stadt Eisenach, auf einem 200 Meter hohen Felsen, thront eine mächtige Burg. Entrückt, fast so, als hätte sie mit dem, was da unten passiert, nichts zu tun. Doch das Gegenteil ist der Fall.

Die Wartburg ist nicht nur der besterhaltene mittelalterliche weltliche Bau nördlich der Alpen, sie ist auch ein Hort deutscher Geschichte und Kultur. Fast tausend Jahre sind hier verewigt - von den einflussreichen Landgrafen von Thüringen, den Ludowingern, über Martin Luther, der hier versteckt als „Junker Jörg” mit der Bibelübersetzung begann und damit auch den Grundstein für die heutige deutsche Sprache legte, bis zu Richard Wagner, der mit seiner Oper „Tannhäuser” dem berühmten Sängerkrieg auf der Wartburg ein Denkmal gesetzt hat.

„Hier gibt es so viel deutsche Geschichte zu entdecken, dass eigentlich jeder Schüler in Deutschland einmal die Wartburg besuchen sollte”, schlägt Andreas Volkert von der Wartburg-Stiftung vor, die seit 1922 Eigentümerin der gesamten Burganlage ist und gute Arbeit geleistet hat. Denn auch die Unesco ist von der Bedeutung und dem guten Zustand der Wartburg überzeugt: Seit 1999 gilt sie als Weltkulturerbe. Mit positiver Außenwirkung: „Seitdem kommen auch immer mehr Gäste aus dem Ausland”, sagt Volkert. Durchschnittlich 400.000 Besucher seien es jährlich und es können noch einige mehr werden. Doch bei 500.000 sei dann Schluss, das habe eine Denkmalverträglichkeitsstudie ergeben, erzählt Volkert.

Nicht alle Gebäude der Burg stammen aus dem Mittelalter, vieles wurde in den nachfolgenden Jahrhunderten um- und angebaut. Zu den ältesten Bauten gehört der Palas, der mit seinen Bögen und Säulen wie ein venezianischer Palast aussieht. Ein Prestigebau der Landgrafen von Thüringen, die so reich waren, dass sie sich Fenster und eine ausgeklügelte Fußbodenheizung leisten konnten. Im Mittelalter wohlgemerkt. Fachwerkgeschmückt und aus dem 15. Jahrhundert sind Ritterhaus und Vogtei.

Das jüngste Gebäude steht außerhalb der Burgmauern. Nachdem die Wartburg im 19. Jahrhundert für Besucher zugänglich gemacht wurde, strömten die Besucher nur so herbei - der bestehende Gasthof wurde bald zu klein. 1914 ließ der damalige Eigentümer Großherzog Carl Alexander an einer Stelle den Felsen rund acht Meter heruntersprengen - der neue Bau sollte mit der Burg harmonieren, aber nicht mit ihr konkurrieren - und dort in bester Burgenarchitektur den „Gasthof für fröhliche Leut” errichten. Frisch restauriert, beherbergt er heute ein Fünf-Sterne-Hotel und die Landgrafenstube, die nicht nur wegen ihrer feinen regionalen Küche, sondern auch wegen der fantastischen Aussicht auf die umliegenden dichten Wälder beliebt ist.

Wertvolle Buchenwälder

Einer von diesen hat ebenfalls Welterbestatus. Die alten Buchenwälder des Nationalparks Hainich wurden ebenfalls von der Unesco geadelt, man muss nur das Wort Kultur durch Natur ersetzen. Der Hainich ist ein Muschelkalk-Höhenzug wenige Kilometer östlich von Eisenach und der Wartburg. Dort steht der mit 13.000 Hektar größte zusammenhängende Laubwald Deutschlands, 7500 Hektar davon wurden seit 1997 als Nationalpark unter Schutz gestellt. Es sind vor allem Rotbuchen, die in der hügeligen Landschaft wachsen. „Für viele ist die Eiche der typisch deutsche Baum. Es waren jedoch Buchenwälder, die einst unsere Landschaft geprägt haben”, sagt der stellvertretende Nationalparkleiter Rüdiger Biehl. Mit großem Artenreichtum, zwar von Buchen dominiert, aber doch mit viel Platz für weitere Baumarten wie Ahorn, Eschen und Eichen, für Waldblumen, Moose und Pilze.

„Hier im Hainich haben wir zwar strenggenommen keinen Urwald mehr. Aber wegen der Lage im ehemaligen Grenzkorridor konnte der Wald sich so entwickeln, dass er dem sehr nahe kommt”, sagt Biehl. Wer bisher nur in bewirtschafteten Wäldern unterwegs war, wird den Unterschied schnell erkennen. Hier wird nichts weggeräumt, umgestürzte Bäume bleiben da, wo sie sind. Die Natur kann machen, was sie will. Mit einer Ausnahme: „Wir achten natürlich auf die Sicherheit der Besucher und sorgen dafür, dass die Wanderwege gefahrlos genutzt werden können.” Da werde dann unter Umständen doch mal zur Säge gegriffen.

Wanderwege gibt es reichlich im Nationalpark Hainich und so mancher geht auf die Kappe von Rüdiger Biehl. Er ist von Anfang an dabei, war zu Beginn mit dem Revierförster im Wald unterwegs, um bunte Fähnchen an Bäume zu binden und so den Verlauf der Wege festzulegen. Denn ein Nationalpark schützt nicht nur die Natur, er soll sie für den Menschen auch erlebbar machen. Und das klappt im Hainich ziemlich gut. Nicht nur wegen der Wanderwege und des spannenden Nationalparkzentrums. Es gibt mit dem Baumkronenpfad noch ein ganz besonderes Abenteuer, das immer mehr Besucher anzieht. Über eine Länge von 530 Metern schlängelt er sich hoch oben durch die Wipfel und bietet einen ganz anderen Blick auf den Wald.

Scheue Jäger

Doch es geht im Hainich nicht nur um die Pflanzen, sondern auch um die Tiere. Besonders viel Aufmerksamkeit gilt der Wildkatze. Die scheuen Jäger haben es nicht leicht in Deutschland, ihr Lebensraum wird immer kleiner. Im Hainich hat sich eine stabile Population entwickelt und die gilt es zu schützen. Zu sehen bekommt man die Tiere fast nie, außer man besucht das Wildkatzendorf Hütscheroda. Dort gibt es neben dem Informationszentrum, der Wildkatzenscheune, auch die Wildkatzenlichtung, auf der vier dieser seltenen, grau getigerten Tiere beobachtet werden können. Sie sehen gar nicht so anders aus als unsere Hauskatzen, doch es sind wilde Gesellen, die dem Menschen lieber aus dem Weg gehen.

Auch auf dem Wildkatzenpfad wird man ihnen kaum begegnen. Die Wanderung lohnt sich trotzdem. Sie zeigt eine ganz andere Seite des Nationalparks: offenes Grasland mit ausgedehnten Buschinseln, durchkreuzt von alten Panzerspuren. Ein ehemaliger Truppenübungsplatz und auch ganz nach dem Geschmack der Wildkatze, weiß Biehl: „Unsere Mischung im Nationalpark aus dichten Wäldern und offenen Flächen ist für sie ein idealer Lebensraum.” Vom Aussichtsturm Hainichblick kann man ihn sich von oben ansehen. Und gleich noch einmal einen Blick auf die nicht weit entfernte Wartburg werfen. Genauso typisch deutsch und schützenswert.

Anreise: Eisenach liegt verkehrsgünstig an der A4 und ist Haltebahnhof an der ICE-/IC-Strecke zwischen Frankfurt und Dresden mit stündlichen Verbindungen.

Übernachten: Hotel auf der Wartburg, wohnen mit Aussicht und fünf Sternen, DZ inkl. Frühstück ab ca. 160 Euro, Tel. 03691/7970, wartburghotel.arcona.de; Stiftsgut Wilhelmsglücksbrunn, ruhig gelegenes Biohotel mit Käsemanufaktur bei Creuzburg unweit des Hainich, DZ inkl. Frühstück ab 73 Euro, Tel. 036926/7100320, http://wilhelmsgluecksbrunn.de

Wartburg: ganzjährig geöffnet, Erw. 9 Euro, Ki. ab 6 Jahre 5 Euro; regelmäßige Veranstaltungen und Konzerte im Festsaal, u.a. Wagners Tannhäuser, http://wartburg-eisenach.de

Nationalpark Hainich: der Baumkronenpfad ist ganzjährig geöffnet, Ki. bis 12 J. freier Eintritt, 13 bis 18 J. 3 Euro, Erw. 8,50 Euro, nationalpark-hainich.de; das Wildkatzengehege in Hütschenroda ist Di. bis So. geöffnet, Ki. bis 6 J. freier Eintritt, bis 14 J. 4 Euro, Erw. 5,50 Euro, http://wildkatzendorf.de

Informationen: Thüringer Tourismus GmbH, Tel. 0361/37420, http://thueringen-tourismus.de

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