Krise als Chance: Urlaub in Deutschland liegt im Trend

Von: Andreas Heimann, dpa
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Berlin. In der Reisebranche legen viele die Stirn in Falten - aus Sorge um das laufende Jahr. Schließlich ist es so unsicher wie lange nicht mehr, wofür sich die deutschen Urlauber entscheiden werden.

Einige Kreuzfahrtreedereien senken schon die Preise, manche Fluggesellschaften streichen die Kapazitäten zusammen. Doch einige Zielregionen könnten vom Trend zur Sparsamkeit sogar profitieren. Dazu gehört an erster Stelle Deutschland.

„Urlaub im eigenen Land liegt im Trend”, lautet die Einschätzung des Deutschen Reiseverbands (DRV) in Berlin. Die Reiseveranstalter weiteten ihre Angebote in den Katalogen kräftig aus.

Der Deutsche Tourismusverband (DTV) in Bonn untermauert das noch: Der Deutschlandtourismus hat ein Rekordjahr hinter sich - das fünfte in Folge. Ein Ergebnis auf diesem Niveau sei trotz Krise auch für 2009 realistisch.

Zwar gaben bei der Reiseanalyse 2009, die bei der Reisemesse IBT (noch bis 15. März) in Berlin vorgestellt wurde, nur 15 Prozent der Deutschen an, sich bei der Urlaubsplanung von den Krisensignalen beeinflussen zu lassen.

Viele Touristiker befürchten allerdings, dass am Ende doch am Urlaub gespart wird. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten werde weniger, kürzer und preiswerter gereist, sagt Prof. Horst W. Opaschowski, Leiter der Stiftung für Zukunftsfragen in Hamburg, voraus. Aber er sieht auch Gewinner: Ein Trend gehe hin zum Verreisen mit dem Auto, ein anderer zum Urlaub in Deutschland.

Die Ergebnisse der aktuellen Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) bestätigen letzteres: Deutschland hat seine starke Stellung behauptet.

2008 war es erneut das liebste Reiseziel der Deutschen, weit vor Spanien, Italien oder der Türkei. Über 30 Prozent der Urlauber wählten deutsche Ziele. Bayern, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen lagen dabei vorn.

„Die Debatte um die Krise verunsichert viele Leute”, sagt Sybille Wiedemann, Geschäftsführerin von Bayern Tourismus. Aber das biete auch Chancen für den Deutschlandtourismus.

„Viele denken darüber nach, was ihnen wichtig ist: Authentizität zum Beispiel, Natur, Gastfreundschaft.” Von solchen Werten könnten Ziele in Deutschland profitieren. Ursprünglichkeit sei wieder stärker gefragt - als Kontrast zu künstlichen Urlaubswelten und Hotelburgen im Ausland.

Das sieht Bärbel Grönegres ganz ähnlich: „In einer unsicheren Situation greift man auf Bewährtes zurück”, so die Geschäftsführerin von Thüringen Tourismus. Auch wenn Thürigen eine klassische Destination für Kurzreisen sei. „Es kann sein, dass daran gespart wird.” Andererseits profitiere die Region mit ihren 9,2 Millionen Übernachtungen in 2008 von den Trends zum Wander- und Natururlaub.

Wenig Sorgen wegen der Krise macht sich auch Tobias Valentien, Geschäftsführer des Fremdenverkehrsverbands Vorpommern in Greifswald. Dort legten die Buchungen zu Beginn dieses Jahres deutlich zu.

Für Januar und Februar gab es ein Plus von 29 Prozent im Vergleich zu 2008 - zugegebenermaßen auf überschaubarer Basis. Die Gesamtzahl der Buchungen lag bei 536. Aber Valentien sieht das durchaus als Trend: „Die Leute fahren in diesem Sommer vielleicht nicht ganz weit weg.”

Auch für das gesamte Mecklenburg-Vorpommern Land sind die Erwartungen optimistisch: 27,5 Millionen Übernachtungen gab es in 2008. „Wir hatten die stärksten Zuwächse innerhalb Deutschlands und glauben, dass wir noch eine Schippe drauflegen können”, sagt Tobias Woitendorf, Sprecher des Tourismusverbands Mecklenburg-Vorpommern. Für 2009 seien 28 Millionen realistisch.

Was zusätzlich für Urlaub in Deutschland spricht, ist die Psychologie des Buchens: Wer unsicher ist, bucht lieber spät. „Viele wollen erst einmal abwarten, was noch passiert und sich später entscheiden”, sagt Wiedemann. Das ist innerhalb Deutschland meist kein Problem: „Nach Bayern kann man auch im Juli und August fahren, ohne jetzt schon gebucht zu haben.”

Sibylle Wiedemann ist allerdings realistisch: „Wir hatten fünf Gästerekorde in Folge. Damit können wir für 2009 nicht wieder rechnen.” Bayern hatte im vergangenen Jahr 76,9 Millionen Gästeübernachtungen.

„Wenn wir das Niveau halten, wäre das schon fantastisch.” Deutschland insgesamt, so ihre Einschätzung, werde vermutlich weniger verlieren als der gesamte Reisemarkt, aber auch nicht ganz verschont bleiben. In Zeiten wie diesen ist das schon eine ganze Menge.
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