Köln entfaltet seine Reize

Von: dapd
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Koeln
Der Blick auf den Dom ist majestätisch. Foto: dpa

Köln. Klar. Auch Karim mag Karneval, Kölsch und die ganzen Kirchen. Besuchern aber zeigt der Student lieber ein Köln jenseits der Klischees. Die Kranhäuser im Rheinauhafen etwa haben der Silhouette der Stadt ein völlig neues Gesicht gegeben.

Die drei nach vorne überhängenden Mini-Wolkenkratzer sind ein architektonischer Kniefall vor der Hafenvergangenheit, gleichzeitig markieren sie das Eingangsportal zu einem noch vor wenigen Jahren kaum beachteten Viertel, dessen Neumodellierung besser kaum hätte gelingen können.

Karim mag die kühnen Bauten, die hier in den vergangenen zehn Jahren entstanden sind. Entgegen im Rheinland sonst nicht unüblicher Gepflogenheiten, liegt dem aus Alt und Neu zusammengesetzten Ensemble sogar ein Konzept zugrunde.

Restaurants, Galerien, Show-Rooms von Designern und Büros mit Niederlassungen global agierender Software-Konzerne gehen eine funktionierende Symbiose ein.

Besonders aber hat es Karim das Siebengebirge angetan - zu Lofts umgebaute Speicherbauten, die aufgrund ihrer Giebelform nach einer im Süden gelegenen Hügelkette benannt sind, die an klaren Tagen vom Rhein aus zu sehen ist. Der Student schätzt die Kombination aus Flussambiente und moderner Großstadt, weil sie ein autofreier Rückzugsort ist, der von vielen Kölnern angenommen wird.

Nach dieser Einführung gestattet Karim seinen Gästen die Begegnung mit einem Sakralbauwerk. Doch es zieht ihn nicht zum Dom, dem meistbesuchten Gebäude Deutschlands.

Vielmehr bahnt er sich seinen Weg vom Rheinufer durch die Südstadt bis hin zu einem Ort, der in seiner wechselvollen Geschichte sogar als Pferdestall für Napoleons Truppen diente: St. Pantaleon - eine der zwölf romanischen Kirchen in der Altstadt. Zwei grazile Rundtürme und ein Schiff von bescheidenen Ausmaßen zeugen vom Baustil der Epoche.

Zu dem von Besuchern kaum beachteten Ort gehören eine bis heute bewohnte Klosteranlage und ein kleiner Park. „Wenn man Glück hat”, sagt Karim, „kann man ganz alleine in der Kirche sein.” Über den Rathenauplatz, der mit seinen alten Platanen fast ein wenig an Paris erinnert, geht Karim in Richtung Grüngürtel.

Halbkreisförmig schmiegt sich der Park an den Bahndamm, der fast die komplette Stadt einfasst. Hier, abseits der oft nüchternen Nachkriegsbauten der City, gönnen sich bei schönem Wetter Studenten eine Auszeit vom Uni-Betrieb.

Hinter dem Aachener Weiher präsentiert Karim die nächste Überraschung: ein kleines Kanalsystem, das über rund zwei Kilometer bis zum Stadtwald führt. „Kölns beliebteste Jogging-Strecke”, sagt er. Clarenbach- und Rautenstrauch-Kanal wurden in den 1920ern vom damaligen Oberbürgermeister Konrad Adenauer als Äquivalent zur Düsseldorfer „Kö” realisiert, beide zählen zu den Nobeladressen der Stadt.

Nach dem Ausflug ins Grüne darf es nun etwas Kultur sein. Auch was das betrifft, wartet Köln mit einer veritablen Sehenswürdigkeit auf: Das vom Schweizer Architekten Peter Zumthor 2007 vollendete Diözesanmuseum Kolumba wurde auf den Grundrissen der im Krieg zerstörten Kirche St. Kolumba errichtet.

Der in seiner Formensprache streng reduzierte Betonbau beherbergt wechselnde Ausstellungen, Karim aber kommt vor allem wegen des changierenden Lichts hierhin. Und wegen der einzigartigen Ausblicke auf Köln, die Zumthor dem Besucher gestattet.

Über die geschäftige Ehrenstraße geht Karim nun in Richtung Ehrenfeld. „Ich mag die Mischung im Veedel”, sagt er nicht nur, weil er selbst hier wohnt. Der im Nordwesten gelegene Stadtteil ist bei Kreativen, Arbeitern und Migranten gleichermaßen populär - und das soll auch so bleiben: In diesem Jahr erst haben sich die Ehrenfelder erfolgreich dagegen gewehrt, dass das Gelände der einstigen Lampenfabrik Helios von Investoren vereinnahmt wird. „Die Pläne für ein Einkaufszentrum”, sagt Karim, „sind vorerst auf Eis gelegt.”

Die Kreativen dürfen bleiben. Die Vorzeigestraße Ehrenfelds bleibt derweil die enge Körnerstraße. In die Erdgeschosse der schmalen Häuser sind hippe Designer eingezogen, das „Café Sehnsucht” und die kiezeigene Kaffeerösterei Van Dyck prägen das Lokalkolorit.

So kann Karim immer weiter durch Köln ziehen. „In meiner Stadt”, sagt er, „muss man halt ein wenig Aufwand betreiben, um die Reize zu entdecken. Aber es lohnt sich.” Für schöne Tage etwa reserviert er die Überfahrt vom Zoo in den Rheinpark auf die „Schäl Sick”, wie die Kölner die östlich des Rheins gelegenen Stadtteile nennen.

Hierzu benutzt er die altmodische Seilbahn, deren Kabinen das Personal von Hand abschließt. Skurril bleibt die Ankunft: Die letzten Meter führen über die Nacktbadezone einer Therme. „Rheinische Offenheit”, kommentiert Karim trocken.

Beim Rückweg entlang des mächtigen Stroms freut sich der Student auf ein kühles Kölsch. Seine bevorzugte Adresse befindet sich mitten in Deutz. Das „Lommerzheim” ist bekannt für riesige Koteletts und endlose Bratwürste, die in rustikalem Ambiente und bierseliger Stimmung serviert werden.

Die Legende will, dass US-Präsident Bill Clinton während seiner Amtszeit eine Visite mit dem Hinweis versagt wurde, dass man hier keine Reservierungen annimmt. Schluss übrigens ist mit dem Kölsch-Nachschub erst, wenn der Gast den Bierdeckel auf das Glas legt. Doch dann bleibt immer noch ein Spaziergang über die Deutzer Brücke. Hier gönnt sich auch Karim einen Flirt mit einem Köln-Klischee. Der Blick auf den Dom ist doch majestätisch.
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