Irlands Grafschaft Wicklow: Grüne Ferien mit grünem Daumen

Von: ddp-Korrespondentin Cornelia Höhling
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Irland
Die Powerscourt House and Gardens liegen in Irlands Grafschaft Wicklow. Die einen finden sie langweilig. Die anderen lieben sie. Manche betrachten sie sogar als ein Stück Paradies auf Erden. Wer in Gärten seine Leidenschaft sieht, ganz gleich ob er sich nur Anregungen holen oder darin erholen möchte, ist in Irland richtig. Foto: ddp

Dublin. Die einen finden sie langweilig. Die anderen lieben sie. Manche betrachten sie sogar als ein Stück Paradies auf Erden. Wer in Gärten seine Leidenschaft sieht, ganz gleich ob er sich nur Anregungen holen oder darin erholen möchte, ist in Irland richtig.

Naher Golfstrom, fruchtbarer Boden und der berühmte irische Regen verwandeln die Insel in ein immergrünes Land mit einzigartiger Vegetation. Nicht nur zur Zeit der Rhododendronblüte leuchten überall bunte Farbtupfer. Dafür sorgen die von Seefahrern aus aller Welt mitgebrachten Pflanzenexoten.

Die Grafschaft Wicklow an der Ostküste der Insel, in unmittelbarer Umgebung der Hauptstadt Dublin, wird „Garten Irlands” genannt. Eingebettet in die gleichnamige, bis zu 1000 Meter hohe Bergkette mit sanften Tälern, Wasserfällen und klaren Seen, präsentiert sich Wicklow als faszinierende Landschaft.

Das „Land der Wikinger”, die seit dem 9. Jahrhundert aus Skandinavien kommend hier siedelten und sich mit den Kelten vermischten, beherbergt den mit 20.000 Hektar größten Nationalpark, den mit 121 Metern höchsten Wasserfall und den größten künstlichen See der Insel. Die Blessington Lakes sind Dublins Staubecken und Wasserreservoir für die Brauerei Guinness. Also dann: „Slainte!” - Prost!

Vor den Toren der Hauptstadt finden sich Gärten verschiedenster Art. Kräuterduft durchzieht liebevoll gepflegte Küchengärten hinter kleinen Landhäusern und Biobauernhöfen. Herrschaftliche Parkanlagen als Teil bedeutender Landsitze bestechen durch geometrische Akkuratesse vor grandioser Naturkulisse. Ob Keltische Themenparks, Gärten in viktorianischer Pracht oder französischem Stil - Irlands Gärtner geben bereitwillig Auskunft über die Geheimnisse ihres grünen Reiches. So gewähren auch Patricia und Tom Farrell Einblick in ihr „Wohnzimmer im Grünen”.

Knockrose Garden sei nur einer von 32 prächtigen Gärten, die im Rahmen des Garten-Festivals von April bis September ihre Pforten öffneten, erklärt Patricia. „Auch bei uns finden Workshops mit Gartenspezialisten und Künstlern statt”, fügt sie hinzu und bietet Kaffee und Kuchen an. Das jährliche Event hat sich innerhalb zweier Jahrzehnte als gesellschaftliches Ereignis etabliert. So werden auch die Anlagen ehemaliger Schlösser, die heute als Hotel oder Museum genutzt werden, zur Kulisse für kulturelle Veranstaltungen und zum Treffpunkt für Spezialschauen, Picknickgespräche und Austausch über die Gartenkunst - was sonst?

Eine neue Bestimmung als Hotel hat das von Captain Robert Halpin (1836-1894) errichtete Tinakilly-House mit dem drei Hektar großen viktorianischen Garten und einem phantastischen Blick über die Irische See. Er gehörte zu den Pionieren, die die ersten Telegrafie-Unterwasserkabel von Europa nach Amerika verlegten.

Rund um das Russborough House bei Blessington zeigt sich die Wicklower Landschaft mit ihren von wildem, goldgelb blühendem Ginster unterbrochenen grünen Wiesen, auf denen Schafe weiden, naturbelassen. Der „ha-ha” sorge dafür, dass Schafe, Kühe oder Pferde nicht auf die Terrassen laufen, erklärt Alice. Das seien verdeckte Grenzzäune, unüberwindliche Gräben, fügt sie hinzu, als sie die fragenden Gesichter sieht. Sie ist stolz darauf, dass sie die letzte Eigentümerin, die 2005 kurz vor ihrem 90. Geburtstag verstorbene Lady Beit, noch persönlich kannte. Das Gebäude mit der 215 Meter breiten, säulen- und skulpturengeschmückten Fassade, das 1741 von dem deutschen Architekten Richard Castle errichtet wurde, beherbergt heute ein Museum mit Café.

Derselbe Architekt aus Kassel baute die Burg Powerscourt bei Enniskerry zu einem stattlichen Herrenhaus um. Da nur die Außenmauern 1973 einen Brand überstanden, finden Besucher darin nun Geschäfte, Ausstellungen und ein Terrassencafé. Das Anwesen in den Wicklow-Bergen, einst wichtiger strategischer Stützpunkt der Anglonormannen, die Ende des 12. Jahrhunderts nach Irland kamen, ist eines der schönsten Landgüter.

Fünf Gärtner und Praktikanten bemühen sich um die Mischung aus Parklandschaft nördlich des Hauses und Terrassen, anmutigen Statuen, ummauerten Gartenanlagen, künstlichen Seen und Fontänen im Süden. „Viel zu wenig Arbeitskräfte”, befindet Obergärtner Michael Byrne beim Rundgang. Nordamerikanische Nadelgehölze recken sich im Turmtal in den Himmel. Der Turm in Form eines Pfefferstreuers entstand 1911 zur Erinnerung an einen Besuch des Prince of Wales, ist zu erfahren.

Chinesische Glückspalmen wachsen dagegen im Japanischen Garten, der 1908 auf der Moorlandschaft des Tritonsees angelegt wurde. Die lebensgroßen geflügelten Pferde, die über den See wachen, sind ein Teil des Familienwappens und wurden 1869 in Berlin angefertigt, wie Byrne erzählt. Seit über 200 Jahren werden Besucher von den schönen Kaskaden des Powersourt-Wasserfalls angezogen, des höchsten in Irland, inmitten prachtvoller Wälder.

Unterwegs zwischen Parks und Gärten überraschen Ortsnamen wie Hollywood. Der Namensgeber der amerikanischen Filmmetropole liegt tatsächlich in Irland. Nach Missernten und der Kartoffelpest von 1845 wanderten fast vier Millionen Iren aus. Viele der sogenannten Hungerschiffe landeten in den USA. Auch die berühmte Familie Kennedy und Vorfahren Barack Obamas kommen aus dem irischen Wicklow. Eigentlich muss man kein Gärtner sein, um die Schönheit der Natur von Wicklow zu genießen. Abgesehen von vielen Outdoor-Aktivitäten wie Golfen, Angeln, Raften oder Reiten lockt der Wicklow-Weg, ein 132 Kilometer langer Fernwanderweg, der von Nord nach Süd über die gleichnamigen Berge führt und spektakuläre Ausblicke auf die Irische See freigibt, zum Bergwandern.
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