Im Land der Wikinger: Schleswig-Holstein setzt auf ältere Urlauber

Von: Eva-Maria Mester, dpa
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Fachwerk, Backstein und viel Grün: Im hohen Norden lässt sich am Wegesrand so einiges entdecken. Foto: dpa

Schleswig/Büsum. Stille liegt über der Landschaft. Nur das Rätschen eines Fasans und der jubilierende Gesang einer Lerche sind zu hören. Auf dottergelben Leihfahrrädern rollen Urlauber auf wenig befahrenen Landstraßen oder gut ausgebauten Radwegen vorbei an Wiesen und Feldern.

Hinter jeder zweiten Kurve blitzt das Wasser der Schlei auf, und das nächste Gasthaus für eine zünftige Rast ist nicht weit entfernt. Solche Radtouren auf dem Wikinger-Friesen-Weg rund um die Schlei sind nur eines der Angebote, die Schleswig-Holstein für „Best Ager”, Reisende in den besten Jahren, bereit hält.

Paare und Einzelreisende zwischen 56 und 75 Jahren sind eine der Zielgruppen, die Schleswig-Holstein besonders umwirbt. „Hier finden Gäste in den besten Jahren das, was sie sich für die schönsten Wochen des Jahres wünschen”, sagt Anne Köchling, Projektmanagerin für diese Zielgruppe bei der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TASH). Angesichts der demografischen Entwicklung gewinnt die Urlaubergruppe an Bedeutung. Heute gehören bereits 30 Prozent der Bevölkerung zur Altersgruppe der 56- bis 75-Jährigen, Tendenz steigend.

Die TASH hat einen eigenen Katalog für die Zielgruppe entwickelt, der mehr als 100 Kurzreiseangebote für ältere Gäste vorstellt. Das Spektrum reicht von Radtouren mit Gepäckservice, Kulturangeboten wie dem Besuch von Filmdrehorten und Reisen zu Gärten und Parks im Land bis zu Naturerlebnissen an Nord- und Ostsee. Zum Hotelangebot gehören Mittelklassehäuser genau wie Luxusherbergen. Für Einzelreisende gilt aber auch bei den „Best Agern”: Sie müssen oft draufzahlen.

Museumsführerin Annegret Kunte trägt die typische Frauenkleidung der Wikingerzeit und ist bemüht, den Ruf der rauen Nordmänner aufzupolieren: „Sie waren nicht brutaler als ihre Zeitgenossen und vor allem Eroberer, Händler und Handwerker”, erklärt sie auf dem Anlegesteg von Haithabu. Hier, an einem Seitenarm der Schlei im Nordosten Schleswig-Holsteins, landete im Jahr 808 der dänische König Götrik mit seiner Sippe. Er erkannte die geostrategisch günstige Lage und baute die Siedlung zu einer der bedeutendsten Handelsstädte des Nordens aus.

Die nach archäologischen Funden rekonstruierte Wikingersiedlung und das Wikingermuseum vor den Toren Schleswigs sind Anfangs- oder Endpunkt eines insgesamt 62 Kilometer langen Radwanderweges, der durch die sanft gewellte Landschaft an der Schlei entlang bis nach Maasholm an der Ostsee führt. Auf dem Weg lohnt sich eine Rast im „Café Krog” in Ulsnis mit Blick auf die Schlei, wo Inhaberin Hedda Krog selbst gebackene Torten serviert. Gäste, die meinen, sie hätten das Café irgendwo schon mal gesehen, täuschen sich nicht: Als „Maren Jantzens Gasthof” spielt es seit Anfang 2009 in der Fernsehserie „Der Landarzt” mit, die rund um die Schlei gedreht wird.

Ganz in der Nähe von Ulsnis, in Hestoft, liegt der Garten der Familie Chalupka. Rund um eine Bauernkate aus dem Jahr 1756 haben Heide und Michael Chalupka einen Bauerngarten mit mehr als 90 verschiedenen Rosenarten und anderen Blumen angelegt, der nach Voranmeldung besichtigt werden kann. Entdeckungen ganz anderer Art machen Urlauber, die mit Sabine Brügmann am Strand des Ostseebades Scharbeutz entlang wandern: Die zertifizierte Natur- und Landschaftsführerin kennt sich aus im Reich der „Hühnergötter”.

„Das sind Flintsteine mit einem natürlichen Loch, die man häufig am Ostseestrand findet”, erzählt sie. „Früher hat man die zu Ketten aufgefädelt und an den Eingang des Hühnerstalls gehängt, um durch das Geräusch Füchse abzuschrecken. Außerdem glaubte man, dass die Hühner dadurch mehr Eier legten, daher kommt der Name.” Bei den etwas anderen Spaziergängen mit den Scharbeutzer Naturführern werden neben Steinen auch Kräuter für Kosmetika gesammelt oder Fledermäuse mit speziellen Detektoren belauscht.

Viel Natur gibt es auch an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste zu erleben. Mit einem Schiebehamen, einem historischen Fanggerät für Krabben, stellt der Büsumer Natur- und Wattführer Bodo Spreu bei Ebbe Krabben, Krebsen und Garnelen nach. Dabei weist er Gäste auf allerlei Stelz- und Watvögel hin, die im Watt auf Nahrungssuche gehen, und er gräbt vorsichtig Wattwürmer und Sandklaffmuscheln aus dem Schlick. Im „Museum am Meer” demonstriert Momme Clausen anschließend, wie die umgangssprachlich als Krabben bezeichneten Garnelen fachgerecht gepult werden.

„Ist der Panzer recht schön knackig, ist die Krabbe auch schnell nackig”, reimt der Mann im blau-weiß-gestreiften Fischerhemd, während er mit flinken Fingern die richtige Technik aus Drehen und Ziehen demonstriert. Nicht nur etwas für den Gaumen, sondern auch was fürs Auge bietet das urige Restaurant „Kolles Alter Muschelsaal” gleich um die Ecke vom Büsumer Hafen. Hier sind die Wände komplett mit Muscheln verkleidet, die Generationen von Kapitänen von ihren Reisen mitgebracht haben.

Tourismusagentur Schleswig-Holstein (Info-Tel.: 01805 - 60 06 04 für 14 Cent/Minute).

Sehenswürdigkeiten im hohen Norden

Das Wikingermuseum Haithabu in Schleswig ist von April bis Oktober täglich von 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr geöffnet.

Der Bauerngarten Chalupka, Hestoft 24, 24897 Ulsnis, kann nur nach Vereinbarung besichtigt werden.

Das Museum am Meer in Büsum ist von März bis Oktober dienstags bis freitags sowie sonntags von 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr geöffnet, samstags von 13.00 Uhr bis 17.00 Uhr.
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