Ibiza - Ibiza will weg vom Party-Image

Ibiza will weg vom Party-Image

Von: Cornelia Höhling, ddp
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Ibiza will weg vom Party-Image
Ibiza will weg vom Party-Image. Foto: ddp

Ibiza. Urlaub wollte er eigentlich nie auf Mallorca machen und schon gar kein Lied über das in seinen Augen spießige Eiland singen, war kürzlich zu lesen. Vielmehr zog es Schlagersänger Jürgen Drews, fasziniert vom freien Leben auf der Hippie-Insel, zunächst in das kleinere Ibiza, 90 Kilometer vom spanischen Festland entfernt.

Tatsächlich waren die Bauern und Fischer der fünf ibizenkischen Gemeinden stets tolerant und Fremdem gegenüber aufgeschlossen. Möglicherweise wurde ihre Maxime vom „Leben und leben lassen” durch die wechselvolle Geschichte mit immer neuen Herren - Karthager, Römer, Vandalen, Mauren und Katalanen - geprägt. Alle Kulturen hinterließen ihre Spuren - ob in der Sprache der Ibizenkos, den Speisen oder der Architektur. So fand auch die Hippie-Bewegung auf der Suche nach der Leichtigkeit des Seins hier einen passenden Zufluchtsort.

Jetzt will Ibiza weg von diesem einseitigen Party-Image und besinnt sich auf seine anderen Vorzüge. Als Destination für Aktivurlauber etwa, vom Nordic Walking und Wandern über Radeln bis zum Kajakfahren, hat die Insel beste Voraussetzungen. Im Vergleich zu den anderen Baleareninseln ist sie mit ihren ganzjährig milden Temperaturen schon immer die mit dem besten Wetter. Die unberührte Natur macht die wegen ihrer üppigen mediterranen Pinienwälder - seit 7000 Jahren ein landschaftliches Merkmal - von den Griechen „die Pinienreiche” genannte Insel „wanderbar”.

Wandern ist von jeher der beste Weg, eine Landschaft zu erkunden, das Salz in der Suppe sozusagen. Auf den Wanderungen durch das Naturschutzgebiet im Süden der Insel stoßen wir tatsächlich auf Salinen. Salzgewinnung war einst Haupterwerbszweig der Inselbewohner, wobei Salz früher nicht zum Würzen, sondern als Konservierungsstoff für Nahrungsmittel genutzt wurde.

Am Salzberg begegnen wir Hans Losse. Die alte Weisheit, nur dort, wo man zu Fuß war, ist man wirklich gewesen, ist auch seine Maxime. Liebhaberei nennt er das, was er tut. Als er 1987 das erste Mal nach Ibiza kam, gab es - kaum vorstellbar - fast keine markierten Wanderwege. Er beschloss, das zu ändern. Mit nahezu mathematischer Akribie - Hans war Mathematiklehrer - erkundete der Wanderfreund eine Route nach der anderen und beschrieb sie. Bald fand er Unterstützung durch die Gemeinden. Die Wege wurden ausgeschildert.

Verlässt man den Kai, an dem das Salz verladen wird, verengt sich der Weg bald zum Pfad und führt an den Klippen entlang in den Wald. Nach einem kleinen Anstieg belohnt ein Panoramablick über die Salzfelder, den Strand von Ses Salines mit Formentera im Hintergrund die Mühe. Vom Gipfel am Cap des Falcó (124 Meter) ist auch „Es Vedrà” zu sehen. Um die der Westküste Ibizas vorgelagerte Insel mit den Zwillingsfelsen ranken sich viele Mythen und Legenden. Der ebenfalls zu Sant Josep, der flächenmäßig größten Gemeinde mit den meisten Stränden und Buchten, gehörende Sa Talaia ist mit 476 Metern der höchste Punkt der Insel.

Am Strand von Cales de Compte, nur einen Steinwurf von der Insel Sa Conillera entfernt, wo der lokalen Geschichtsschreibung zufolge der karthagische Heerführer Hannibal geboren wurde, fotografieren wir den Sonnenuntergang. Auch wenn Hannibal das Licht der Welt offiziell in Karthago erblickte, sagt Hans, sei zumindest verbürgt, dass er auf seinem Feldzug gegen Rom die berüchtigten Steinschleuderer Els Foners Balears mit sich führte, nach denen der Archipel benannt ist.

Geschichtsinteressierten empfiehlt Hans die UNESCO-gekrönte Inselhauptstadt Eivissa mit der Oberstadt Dalt Vila. Sie wurde 654 v. Chr. von den Karthagern gegründet, die hier mit 3500 unterirdischen Grabkammern die größte bekannte karthagische Totenstadt hinterließen. Besonders beim jährlichen Mittelalterfest werde das kulturell vielfältige Erbe der seit mehr als 2500 Jahren durchgehend besiedelten Altstadt lebendig.

Hans indes überredet uns zu weiteren Wanderungen, wie die von Portinatx oberhalb der steilen Nordküste zum Leuchtturm Es Faro de Moscatar. Die Wanderwege auf ehemals von Bauern und Holzfällern genutzten Pfaden haben verschiedene Schwierigkeitsgrade. Sie führen auch durch Felder, Olivenhaine, Obst- und Weingärten. Im fruchtbaren Tal von Sant Mateu dAlba im Norden der Insel kehren wir im Weingut Sa Cova ein. Touristen sind hier willkommen. „Unsere Familie legte 1933 den Grundstein für eine Weintradition mit modernen Keltermethoden, ohne das Erbe der Phönizier zu vergessen”, erzählt Juan Bonet bei der Degustation.

Wir durchqueren Schatten spendende Pinien-, Zedern- und Kiefernwälder, kraxeln über Klippenfelsen am Steilstrand, suchen auf steinigem Untergrund Halt, riechen das Meer und lauschen dem Rauschen der Wellen. Ruhe und Beschaulichkeit sind durch nichts gestört. Dann geht es weiter, vorbei an Mandelbäumchen, kleinen Dörfern mit Steinmauern und den schlichten weiß gekalkten Kirchen. Hinter der nächsten Biegung liegt erneut eine einsame Bucht mit kristallklarem, türkisfarbenem Wasser vor uns.

Erschöpft, aber glücklich kehren wir zurück ins Agrotourismus-Landhotel Cas Gasi im geographischen Zentrum der Insel bei Santa Gertrudis. Beim Relaxen am Pool werden neue Pläne geschmiedet. Am nächsten Tag wollen wir zum Hippiemarkt Las Dalias bei Sant Carles im Nordosten aufbrechen. Schließlich sind wir auf Ibiza, womit sich Tanz und nie verklingende Musik verbinden. Plötzlich beschäftigt uns die Frage, ob Hans nicht ursprünglich auch das Disco-Treiben anzog wie Jürgen Drews oder er gar selbst ein Hippie war. Doch dazu schweigt der 72-Jährige.
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