Hotel-Schnäppchen im WWW: Was beim Buchen zu beachten ist

Von: Tobias Schormann, dpa
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Berlin. Ein gutes und günstiges Hotel zu finden, ist heute durch das Internet scheinbar so leicht wie nie: Anbieter werben mit Schnäppchenangeboten, und Urlauber können ihre Kritik auf Bewertungsportalen zum Besten geben.

Gleichzeitig wird es für Urlauber immer undurchsichtiger, welchem Schnäppchenportal und welcher Bewertung sie vertrauen können. Auf der Reisemesse ITB (noch bis 15. März) warnen Experten daher auch vor den Tücken, die beim Buchen von Hotels im Internet lauern.

Wer Hotels online bucht, kann dabei durchaus Geld sparen, sagt Falk Murko von der Stiftung Warentest. „Es war noch nie so einfach, die Preise zu vergleichen.”

Online-Börsen wie Hotel.de oder Hrs.de liefern sich zudem eine Rabattschlacht, indem sie Billig-Angebote von Hoteliers vermitteln. Dadurch kommt es oft vor, dass ein und dasselbe Zimmer im Netz zu deutlich unterschiedlichen Tarifen angeboten wird.

„Die Preise liegen nach unseren Daten im Schnitt um rund ein Drittel auseinander”, sagt Ulrike Pithan von der Seite Trivago.de, die einen Preisvergleich anbietet. Auf „Tiefpreis-Garantien” einzelner Anbieter sei dabei nicht immer Verlass: So werben bei manchen Hotels gleich mehrere Anbieter damit, den günstigsten Preis zu bieten.

Anbieter setzen zudem verstärkt auf Hotel-Bewertungen von Urlaubern. „Dadurch bekommt man eher einen Eindruck, ob man sich in dem Hotel auch wohlfühlt”, sagt Ulrike Pithan. Schließlich gehe aus einem Katalog kaum hervor, ob ein Hotel gemütlich ist oder eine familiäre Atmosphäre bietet. „Das ist natürlich aber immer sehr subjektiv - manche stören sich an Kleinigkeiten, andere sind völlig unkritisch”, sagt Verbraucherschützer Murko. Auch hänge es vom Geschmack ab, ob ein Hotel gefällt oder nicht: Was der eine lobt, sei für den anderen ein Gräuel.

„Das Hotel für Party-People” schreiben etwa die Urlauber Andy und Patrick auf Holidaycheck.de über das Hotel Napa Plaza auf Zypern. „Saufen und Party pur” lautet die Kurzbeschreibung des „.com”-Hotels in Bulgarien. Solche Bewertungen entsprechen sicher nicht professionellen Standards von Hotelprüfern. Einen Anhalt geben sie aber schon: Wer in den Ferien lieber ungestört sein möchte, hält sich von diesen Häusern wohl besser fern.

Wird ein Hotel über und über gelobt, sollten Urlauber misstrauisch werden. Denn solche Bewertungen seien nicht immer glaubwürdig, da sich bei vielen Portalen die Einträge von Hoteliers manipulieren ließen, sagt Murko. Das geht auch aus einer Untersuchung der Hochschule Heilbronn hervor: Bei zwei von acht getesteten Portalen blieb es demnach unbemerkt, dass die Tester Werbetexte und falsche Angaben zu Hotels in ihren Bewertungen verwendet hatten. Zwei weitere Portale hatten jeweils nur zwei von drei Manipulationsversuchen aufgedeckt.

Die Betreiber gestehen zudem offen ein, dass Bewertungen von Urlaubern kein objektives Bild über Hotels liefern. „Wir verbreiten nicht die alleinige Wahrheit über ein Hotel”, sagt Axel Jockwer von Holidaycheck.de. „Es geht vielmehr um die Meinungen von ganz normalen Urlaubern, und da ist uns gerade die Authentizität und Subjektivität wichtig.”

Bei der Hotelbuchung im Netz müssen Urlauber aber nicht nur die Bewertungen anderer, sondern auch die Beschreibung durch die Hoteliers genau unter die Lupe nehmen. „Bei den Fotos werden oft nur Beispielbilder gezeigt, die nicht unbedingt das gebuchte Zimmer zeigen”, sagt Murko. „Da kann es also passieren, dass man eine schöne Suite sieht, und hinterher kriegt man eine enge Besenkammer.”

Entspricht das Zimmer nicht dem gebuchten Angebot, haben Urlauber oft schlechte Karten. Denn viele Online-Börsen treten nur als Vermittler auf und seien daher bei Reklamationen von Mängeln nicht zuständig, sagt der Reiserechtler Prof. Ernst Führich. Hat das Zimmer anders als angegeben keinen Balkon oder ist die Klimaanlage defekt, müssten Urlauber einen Preisnachlass mit dem Hotelier verhandeln.

„Wenn das im Ausland ist, gilt das dortige Recht. Wenn Sie also ein Hotel in Venedig gebucht haben und etwas reklamieren wollen, müssen Sie zuerst klären, ob das auch in Italien als Mangel gilt”, sagt Führich. So stünden Urlaubern in Deutschland zum Beispiel bis zu 30 Prozent Preisnachlass zu, wenn sie anders als vorgesehen ein Zimmer im Souterrain erhalten - in anderen Ländern sei das nicht unbedingt so.

Anders sehe es aus, wenn Urlauber ein Hotel bei einem deutschen Veranstalter im Internet buchen. „Dann ist der auch Ihr Vertragspartner und Ansprechpartner bei der Abwicklung von Reklamationen”, erläutert Führich. Das gelte selbst dann, wenn Urlauber keine komplette Pauschalreise, sondern nur ein Hotel beim Veranstalter gebucht haben.
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