Holzmadonna mit Hugo: Auf Einkaufstour durch die Bozner Lauben

Von: Hilke Segbers, dpa
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Holzmadonna mit Hugo: Auf Einkaufstour durch die Bozner Lauben
Bozens touristisches Zentrum: Gleich hinter dem Walther von der Vogelweide Platz ragt der Dom auf, der früher außerhalb der Stadtmauern lag. Foto: dpa

Bozen. Wenn rechts und links der Brennerautobahn immer mehr trutzige Gemäuer mit Türmen und Zinnen in den Weinbergen auftauchen, dann ist Bozen nicht mehr weit. Rings um die Landeshauptstadt von Südtirol liegen die Burgen so dicht beieinander wie nirgendwo sonst in Europa - rund 40 sollen insgesamt in der Gegend sein.

Eine der berühmtesten Anlagen ist die Schlossruine Rafenstein. Die Stadt selbst ist hübsch anzusehen. Sie liegt nicht nur an drei Flüssen, Talfer, Eisack und Etsch. Sie hat auch eine zauberhafte Altstadt mit alten Laubengängen und exquisiten Geschäften. Wer auf der Autobahn bleibt, verpasst etwas.

Die Bozner Lauben sind das Herz der Stadt. Sie bildeten als Straßenmarktanlage im Mittelalter das Zentrum Bozens - und zwischen den mit Steinbögen verbundenen Häusern verläuft heute noch die wichtigste Gasse quer durch die Altstadt. Auch der Kornplatz, gebaut um 1180 nach Christus, ist noch erhalten. Gegründet wurde der Handelsplatz von den Bischöfen von Trient, schnell beteiligte sich auch der Graf von Tirol. Zu Zeiten der großen Märkte vermieteten die Kaufleute der Stadt ihre Gewölbe an die Händler von außerhalb. Einige Kaufmannsfamilien, darunter die Fugger, hatten in Bozen sogar eigene Gewölbe.

Die Häuser werden heute fast noch so genutzt wie im Mittelalter: Im Erdgeschoss liegen die Geschäfte, in den hinteren Räumen werden die Waren gelagert, und in den Stockwerken darüber wohnen die Bozner. Innenhöfe bringen Licht - so sie nicht umbaut wurden. Die engen Gassen zwischen einigen Häusern sind jüngeren Datums. Sie dienten den Kirchgängern als Abkürzung zum Dom, der einst außerhalb der Stadtmauern aufragte. Viele der Häuser haben wunderschöne, mitunter mehrstöckige Kellergewölbe. Früher wurde dort meist Wein gelagert, heute sind sie teilweise in die Verkaufsräume oder Restaurants integriert.

Nun ist Bozen nicht gerade ein Pflaster für Schnäppchenjäger - aber ein Eldorado für Besucher mit Sinn für das Feine. Wobei fein nicht gleich teuer heißen muss. Viele Geschäfte sind seit Generationen in Familienbesitz. Dazu gehört das traditionsreiche Wollgeschäft Stadler. Das Personal reicht hier in rotweiß-gestreiften Schürzchen Wollknäuel, aber auch bereits fertig Gestricktes. Seit 1443 steht die „Madonna Apotheke” inmitten der Altstadt, sie zählt angeblich zu den schönsten Apotheken Italiens. Die dunkle Holzverkleidung ist Jahrhunderte alt, die Deckengewölbe sind kunstvoll bemalt.

Wem der Sinn nach einer geschnitzten Madonna steht, der wird in den Lauben 39 fündig - bei den „Südtiroler Werkstätten”. Die Genossenschaft ist eine Vereinigung Südtiroler Künstler. Neben Holzstatuen gibt es hier unter anderem Bauernmalerei, Sammlerpuppen, Federkiel-Stickarbeiten und handgezogene Kerzen zu kaufen. Auch die Familie Tschager am Rathausplatz verkauft Kunsthandwerk - auf fünf Etagen. Berühmt sind die Krippenfiguren aus der Schnitzerei des Hauses.

Ein Tempel des Überflusses ist seit 1890 „Seibstock Delicatessen” in den Lauben 50. Das Mutterhaus steht im nahen Meran. Ein erschwingliches Mitbringsel von hier ist ein Gewürz, die Hausmischung aus zwölf Kräutern nach einem Rezept von Großvater Seibstock von 1909. Der Schönheit widmet sich seit 1763 in ebenfalls traditionellem Ambiente die „Drogerie Thaler” in den Lauben 69. Dirndl und andere Trachtenmode gibt es bei „Oberrauch Zitt”, die dazu passenden Schuhe sowie kuschelige Filzpantoffeln bei „Rizzoli”. Niederlassungen von internationalen Ladenketten, die andere Orte so verwechselbar machen, hat Bozen nur sehr wenige.

Wer sich beim Einkaufen irgendwann nach frischer Luft sehnt, kann draußen weitermachen: etwa auf dem Bauernmarkt am Rathausmarkt, der immer freitags und samstags ist. Oder auf dem Samstagsmarkt auf dem Siegesplatz. Sogar täglich öffnen die Händler auf dem Obstmarkt in der Altstadt ihre Stände. Die Buden sind wegen ihrer bunten Obst- und Gemüsepyramiden ein Magnet für Touristen. Auch der Obstmarkt soll eine 700-jährige Geschichte haben.

All diese Geschäfte sorgen für ordentlich Trubel in Bozens Altstadt - und zwar das ganze Jahr über. In den Wohnungen im Zentrum wohnen daher mittlerweile viele Ausländer - die Einheimischen sind in den vergangenen Jahrzehnten in die ruhigen Randbezirke der 100.000-Einwohner-Stadt gezogen. Dort lebt es sich mit Blick auf die umgebenden Südtiroler Berge deutlich geruhsamer.

Eines aber haben Einheimische und Touristen gemeinsam - sie gehen gerne in Cafés und Bars. Der beste Kuchen wird angeblich im „Café Peter” gereicht. Hier gibt es die berühmten Kastanienherzen, köstliche Kalorienbomben aus Kastanienmus, Sahne und Schokoladenguss. Das beste Eis wird in der „Gelateria Avalon” serviert, und alles ist auch noch Bio. Als eleganteste Bar Bozens gilt derzeit das „Grifoncino” im „Hotel Greif”, man muss nur pinkfarbene Ledermöbel mögen. Die Jugend trinkt ihren Aperitif im „Café Exil”. Angesagt ist dort der „Hugo”, eine Mischung aus Südtiroler Sekt, Minze und Holundersaft. Und direkt am Walther von der Vogelweide Platz bietet das „Walthers” eine schöne Freiluftbar.

Da fehlt doch was? Kultur! Da haben die Bozner etwas Besonderes zu bieten: die Gletschermumie Ötzi im Südtiroler Archäologiemuseum inmitten der Stadt. Irgendwie traurig schaut der Mann aus dem Eis aus, wie er so eingetrocknet daliegt. Da macht das Naturmuseum Bozen schon deutlich mehr Spaß. Dort wird die Landschaft Südtirols erklärt mit ihren mächtigen Bergformationen, Tieren und Pflanzen. Auch für Kinder ist das Museum ein großer Spaß, vor allem lockt ein schönes Korallenriff-Aquarium. Und hier lebt Geschichte noch: Das Museum hält in einem Extra-Becken einen Nautilus, ein lebendes Fossil. Einst lebten Nautiliden auch in Südtirol. Nur ist das schon 255 Millionen Jahre her - in einer Zeit weit vor den Burgen und Schlössern.

Informationen: Südtirol Information, Pfarrplatz 11, I-39100 Bozen (Tel.: +39/0471/999999, E-Mail: info@suedtirol.info).
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