Hobby-Goldwäscherkurse für Urlauber am Edersee

Von: Gesa Coordes, ddp
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Goldwäscherin
Die kleine Goldwäscherin Paula Hermenau betrachtet an der Eder nachdem sie das grobe Kies vom Sediment getrennt hat ihre Ausbeute in einer Plastikschüssel. Foto: ddp

Mehlen. Das Goldkörnchen ist nur für geübte Augen zu erkennen. Ein glänzendes Pünktchen, etwa zwei Zehntel Millimeter groß, zeigt Schornsteinfeger Werner Hermenau, dass er tatsächlich eine Spur des seltenen Edergoldes gefunden hat. In Gummistiefeln steht er vor der Brücke von Mehlen unweit des Edersees in Hessen.

Rhythmisch lässt er das Flusswasser in der blauen Plastikschüssel von links nach rechts schwappen. Erst werden die Steine des Sediments mit einem Sieb abgeschöpft. Dann wird der grobe Kies abgetrennt. Zum Schluss müssen auch die Schwingungen immer vorsichtiger werden, um nur noch kleine Sandreste und den Goldflitter zurückzubehalten.

„Wenn man es wirklich kann, geht es auch mit der Bratpfanne”, sagt Gerhard Stöbener. Gemeinsam mit dem Geologen Veit-Enno Hoffmann gibt er seit fünf Jahren jeden ersten Sonntag im Monat Goldwaschkurse am Ufer der Eder. Urlauber und Einheimische versammeln sich auf dem Kies neben dem Springkraut, wo die Eder etwas langsamer fließt. Kurz hinter der Brücke sei eine gute Stelle zum Goldsuchen, versichert Hoffmann: „Man findet hier keine Nuggets. Was man hier findet ist Goldstaub.”

Mit der Bratpfanne schafft es allerdings keiner. Jeder Goldwäscher schüttelt eine der aus Schweden importierten blauen Goldwaschpfannen aus Plastik. „Schweinearbeit”, murmelt der 31-jährige Zeitsoldat, der sich mit seiner Freundin angemeldet hat. Die Hände röten sich. Die Kälte kriecht durch die Gummistiefel den Körper hoch.

Hoffmann hilft den Kindern. Am Schwierigsten ist die letzte Phase: Die vierjährige Frieda hat ihre erste Pfanne aus Versehen gleich ganz ausgekippt. Jetzt schaut sie konzentriert in die Schale. Ihre siebenjährige Schwester Paula hat schon etwas Goldflitter mit einer Pipette in ein kleines Glasröhrchen abgefüllt. Da Gold schwerer ist als der umgebende Sand, setzt er sich am Boden ab und kann so abgetrennt werden. Ein paar Körnchen entdeckt fast jeder, der mit Hoffmann und Stöbener auf Exkursion geht. „Wir verkaufen Glück”, sagt Stöbener. Zum Abschluss winkt das „Goldwäscherdiplom”.

Reich kann man damit nicht werden. Erfahrene Goldwäscher können in der Eder bis zu 20 Milligramm pro Tag finden. Das ist nach Hoffmanns Schätzung etwa vier Euro wert. Liebhaber zahlen für das edle Metall bis zu 200 Euro pro Gramm - und das auch nur, weil das Edergold besonders selten ist.

Der Geologe schätzt, dass noch etwa 40 Tonnen Gold in den Ederauen zwischen Fritzlar und Frankenberg verborgen sind. Der nahe gelegene Eisenberg gilt als größte Goldlagerstätte Deutschlands. Das edle Mineral hat sich noch während der Eiszeit im gesamten Rheinischen Schiefergebirge angesammelt. Und am Fluss wird gegraben, weil das Wasser Gold lösen kann.

Hoffmann und Stöbener graben seit vielen Jahren nach dem begehrten Mineral. „Anfangs wussten wir nicht, wie es geht”, erzählt der Geologe, der über Erdöl promoviert. Unter dem Mikroskop suchten sie nach dem Goldstaub. Inzwischen haben sie an Flüssen auf der ganzen Welt gewaschen. Jedes zweite Wochenende steht Hoffmann an den Ufern von Eder, Itter und Aar. Allerdings lässt er den Kies meist über eine Goldwäscher-Rinne laufen. Das geht nämlich viel schneller.

Hoffmann hat schon fast genug Gold beisammen, um seiner Liebsten Eheringe aus selbst gewaschenem Gold zu präsentieren. Der 29-Jährige möchte aber, dass das edle Metall aus allen Erdteilen stammt. Deswegen wird es mit der Heirat wohl noch etwas dauern.
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