Echternach - Handtuchschmal im Mullerthal: Bizarre Felsen in tiefen Wäldern

Handtuchschmal im Mullerthal: Bizarre Felsen in tiefen Wäldern

Von: Bernd F. Meier, dpa
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Über Stock und Stein: Wanderer sind in der Mullerthal-Region kein seltener Anblick. Foto: Region Mullerthal

Echternach. Haben wir heute Morgen zu gut gefrühstückt? Schmal wie ein Handtuch ist der Spalt zwischen den bizarren Felsen des Goldfralay-Massivs. Gut 20 Meter ragen die Sandsteinformationen im hohen Buchenwald empor. Also ganz schlank machen und vorsichtig ins Dunkle des Durchgangs hineinsteigen. Dann ist die Engstelle passiert, und der Wanderpfad in Luxemburg führt über schmale Treppenstiegen zum Felsplateau hinauf.

Wandern auf den Wegen des jungen „Mullerthal Trails” hat etwas von Abenteuer und fördert die Lust am Entdecken. „Die vielen Details machen die Region einzigartig”, meint Susanne Leder von der Projektgruppe des Mullerthal - sprich Müllertal - Trails.

Die 2008 eröffnete Mullerthal-Route ist als Qualitätswanderweg insgesamt 110 Kilometer lang und setzt sich aus drei Schlaufen zusammen. Mit Längen zwischen 33 und 40 Kilometern eignen sich die Pfade jeweils für Zwei-Tagestouren.

Die Strecken - durchgängig mit einem roten M gut markiert - sind von leicht über mittel bis schwer klassifiziert. „Die Unterteilung weist auf die Höhenmeter hin, die es auf der jeweiligen Route zu überwinden gilt”, erklärt Susanne Leder. Alle Ausflügler können sich so schnell orientieren und die für sie geeignete Strecke einschlagen.

Abwechslungsreiche Ausblicke auf Felder und Wälder bietet zum Beispiel der Rundkurs zwischen Echternach und Berdorf. Imposante Felsenlandschaften und wilde Bäche sind auf der Route von Consdorf bis Mullerthal zu erleben.

Zwölf Kilometer lang ist der Rundkurs zwischen der Consdorfer Mühle und der Heringer Mühle - eine schöne Strecke, um durch die spektakulären Felsen wie die Goldfralay oder die Eulenburg einen Eindruck von der ungewöhnlichen Landschaft zu bekommen.

Am Wendepunkt der Route empfängt Robi Baden an manchen Tagen in der Heringer Mühle die Wanderer. Robi ist eigentlich Schreiner in Waldbillig, aber mit viel Engagement hat er innerhalb der vergangenen acht Jahre die schon halb verfallene Wassermühle aus dem 17. Jahrhundert restauriert und zu einem Schmuckstück gemacht. Als Freizeitmüller zeigt er den Besuchern, wie aus dem Teig Brote geformt und in dem alten Steinofen gebacken werden.

Die Routen des Mullerthal Trails winden sich als schmale Pfade über Stock und Stein, knorriges Wurzelwerk und schlängeln sich über ausgetretene steinerne Stufen am Berghang empor. Auch Schnupper-Wanderer sollten daher festes Schuhwerk mit Profilsohle tragen. Schließlich trägt die Landschaft den Beinamen Kleine Luxemburger Schweiz.

Dieser Name stammt der Überlieferung nach von den ersten Touristen, die aus den Niederlanden kamen und die Region im Osten des Großherzogtums Luxemburg entdeckten. Wegen der charakteristischen Felsen fühlten sich die Gäste aus dem flachen Holland wohl an die Schweizer Berge erinnert. „Im 19. Jahrhundert entstanden auch die ersten Hotels und Pensionen im Mullerthal”, sagt Marianne Origer vom Tourismusverband der Region.

Seither gab es in der Kleinen Luxemburger Schweiz, die sich von West nach Ost entlang des Grenzflusses Sauer über 25 Kilometer hinzieht, mehrere örtliche Wanderrouten. Doch erst durch den Mullerthal Trail wurde das Wegenetz sinnvoll miteinander verknüpft.

Gastfreundschaft und die gute Luxemburger Küche nach französischer Art sind der schöne Ausgleich fürs Wandern. Darüber hinaus bieten vier Hotels das Pauschalprogramm „Wandern ohne Gepäck” an. Die Wandersaison beginnt zur Osterzeit und endet im Oktober.

Ein Ausflugsziel in der Region ist beispielsweise die Burgruine von Beaufort, zu der auch eine der Wanderrouten führt. Beim Rundgang durch die wehrhaften Mauern erleben die Besucher gruselige Momente im düsteren Folterkeller: Das Chambre de Torture zeigt den Nachbau einer mittelalterlichen Folterbank, auf der einst Gefangene qualvoll gemartert wurden.

Einer der Ausgangsorte für Wandertouren ist die Kleinstadt Echternach im Tal des Sauer-Flusses. Die Ursprünge der ältesten Stadt Luxemburgs reichen bis in die Römerzeit zurück. „Etwa 65 nach Christus entstand die Römervilla”, erzählt Stadtführer Alain Muller beim Rundgang in der 5500-Einwohner-Stadt.

Den Aufschwung erlebte Echternach bereits 698 mit der Gründung des Benediktinerklosters durch den angelsächsischen Missionar Willibrord. Am Anfang des 11. Jahrhunderts sei dann auch die romanische Basilika entstanden.

In der Krypta befindet sich die Grabstätte des heiligen Willibrord. Das Kloster wurde im Jahr 1794 in den Nachwirren der französischen Revolution aufgelöst, heute beherbergen die mächtigen Gebäude ein Museum und das Echternacher Klassische Lyzeum.

Berühmt wurde Echternach durch seine Springprozession, die stets am Dienstag nach Pfingsten stattfindet und jedes Jahr mehr als 10.000 Besucher in die Kleinstadt lockt. „Der Ursprung des religiösen, folkloristischen Umzugs liegt im Dunkeln”, erklärt Alain Muller beim Besuch des Dokumentationszentrums über die Prozession in der Basilika. „Schon im 8. oder 9. Jahrhundert soll es Pflichtprozessionen zum Grab des Heiligen Willibrord gegeben haben.”

Bis zu 50 Springer-Gruppen ziehen bei der mehr als vierstündigen Prozession durch die Stadt. Zum Takt der Musik von Blaskapellen, Mandolinen-, Geigen- und Gitarrengruppen bewegen sich die Pilger schrittweise seitwärts nach vorne, zuerst nach links, dann nach rechts.

Dass sich die Teilnehmer angeblich drei Schritte vorwärts und zwei Schritte zurück bewegen, wurde erstmals im 18. Jahrhundert falsch beschrieben. Später wurde die Schilderung in Lexika weiter verbreitet und in der Folge zu einem gern zitierten Vergleich für unentschlossenes Handeln und politisches Taktieren.

Mehr Infos gibt es beim Office National du Tourisme, B.P. 1001, L-1010 Luxembourg, Telefon 00352/42 82 82 10, info@ont.lu und beim Tourismusverband Region Müllerthal - Kleine Luxemburger Schweiz BP 152, L-6402 Echternach, Telefon 00352/72 04 57, info@mullerthal.lu
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