Amboise/Patrishow - Gipfeltouren und Galopp am Strand: Sattelblicke auf Europa

Gipfeltouren und Galopp am Strand: Sattelblicke auf Europa

Von: Daniela David, dpa
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In der Weite der Puszta: In Ungarn erfüllen sich viele Pferdefreunde den Traum von einem Reiturlaub. Foto: dpa

Amboise/Patrishow. Ein Urlaub im Sattel ist für viele Reiter ein Traum: Mit dem Pferd der Natur ganz nahe kommen, an fernen Stränden endlos galoppieren oder auf dem Pferderücken ein Gebirge erobern - vieles, was zu Hause nicht so gut möglich ist, lässt sich im Urlaub verwirklichen.

Laut einer Studie des Unternehmens BTE Tourismusmanagement in Hannover kommen die meisten sehr zufrieden aus ihrem Reiturlaub zurück. Gerade in Europa ist das Angebot für Ferien auf dem Pferd vielfältig: Auf organisierten Wanderritten werden die ausgefallensten Touren gemacht - Abenteuer meist inklusive.

Besonders beliebt ist Reiturlaub in Österreich. Höher hinauf mit dem Pferd geht es kaum als auf einer alpinen Trekkingtour in Kärnten. „Auf gehts!”, ruft Toni Sauper und leitet seine Gruppe vom „Schlosswirt” im Mölltal in die Berge - hoch zu Ross auf die Gipfel. „Wir reiten auf uralten Säumerpfaden”, erklärt Sauper. „Säumer waren die Männer, die Pferde mit Lasten über die Gebirgszüge führten.”

Die Haflingerstute „Lady” stapft voran, bald wird die Baumgrenze passiert. Nun ist der Weg nur noch ein schmaler und steiniger Pfad. Am langen Zügel suchen sich die Pferde ihre Tritte. Ihre Hufeisen tragen Stollen, deren Metallstifte so hart wie Skistockspitzen sind. So rutschen sie auf den Steinen nicht so leicht aus. Manchmal sind hohe Stufen zu erklimmen. Dann macht es einen Ruck, und mancher Reiter ist froh über das Horn am Westernsattel zum Festhalten.

Alpine Ritte sind nicht die schnellsten. „Doch wer mit Pferden ins Gebirge geht, dem vermittelt sich die Natur noch intensiver”, sagt Toni. Bis zum Gipfel und dem Wetterkreuz auf 2120 Meter ist es nicht mehr weit. Riesige Felsen, moosige Steine und ein weiter Blick auf die Alpenwelt: Dieser Ort erscheint für viele Zwei- und Vierbeiner eigentlich unerreichbar. Doch jetzt pfeift der Wind durch die Mähnen. Der Aufstieg ist geschafft: Pferde und Reiter stehen auf dem Gipfel.

In Frankreich ist der Reittourismus seit langem gut organisiert. Als eine der berühmtesten Touren gilt der Ritt entlang der Loire. Tagsüber von Schloss zu Schloss reiten, abends im Rittersaal einer Burg speisen und nachts in einem privaten Schlösschen ruhen - das ist das Konzept. Nirgendwo auf der Welt gibt es so viele Schlösser wie in dieser Region. Pierrot Chemineau vom Wanderreitstall „Les Abrons” führt die Reiter durch diesen Traum. „In der Zeit der Renaissance war der Hofstaat ständig unterwegs, natürlich zu Pferde”, erklärt er. Heute tauchen die Reiter in diese vergangene Welt der Chevaliers ein.

Die Tagesstrecken sind 24 bis 39 Kilometer lang. Mittags wird meist direkt vor einem Schloss Rast gemacht - mit einem üppigen Picknick im Freien. Während die Pferde sich auf einer improvisierten Koppel ausruhen, besichtigen die Reiter jeden Tag ein anderes der berühmten Schlösser wie Chenonceau, Amboise, Chéverny oder Chaumont. „Doch die Krönung aller Schlösser der Loire steht am Ende der Reise: Château Chambord”, steigert Pierrot die Vorfreude.

Als die Reiter die 32 Kilometer lange Mauer passieren, die das Jagdgebiet von Chambord umschließt, beschleicht sie ein erhabenes Gefühl. Das Tuffstein-Schloss zählt 440 Zimmer. Unter den staunenden Blicken anderer Touristen stellen sich die Reiter zum Erinnerungsfoto auf, quasi in königlicher Pose wie auf einem Reiterstandbild.

Unentdeckt vom Tourismus sind die dünnbesiedelten Black Mountains, die Schwarzen Berge im Süden von Wales in Großbritannien. Die einsame Hügellandschaft ist mit dem Pferd am besten zu erkunden. Am Llangorse See im Nationalpark Brecon-Beacons starten mehrtägige Wanderritte.

Myfanwy Mitchell vom „Ellesmere Riding Centre” hat dafür 20 Pferde zur Auswahl. „Mit einem Welsh Cob lässt sich der Puls unseres Landes erfühlen”, meint Myfanwy. Auf diesen muskulösen Kleinpferden geht es vorbei an Jahrhunderte alten Farmhäusern mit Gartenmauern aus aufeinandergeschichteten Natursteinen sowie an Feldern und Weiden mit Schafen, Kühen und Waliser Bergponys. Moderne Häuser sind keine zu sehen, Autos höchst selten, dafür viel Heidekraut und Farne. Der Ausblick auf Landschaften mit unterschiedlichsten Grüntönen beruhigt die Augen und die Seele des Reiters.

Wie ein meditativer Flug durch die abgelegene Bergwelt fühlt sich der nicht enden wollende Galopp auf einem ehemaligen Kutschenweg an. „Mein Lieblingsplatz”, sagt Myfanwy und lächelt, als sie bei dem 1000 Jahre alten Kirchlein von Patrishow die Brote für die Pause auspackt. „Es ist so romantisch.” In den mächtigen Ruinen von Llanthony Priory, einer Abtei aus dem Mittelalter, ruhen die Reiter später für eine Nacht hinter meterdicken Mauern mitten im Herzen von Wales.

Das Wort Puszta weckt bei vielen Reitern Kinderträume vom Galopp durch die Steppe Ungarns. Dabei schwingt auch der Mythos der Magyaren als einst nomadisches Reitervolk mit. Bei Árpád Szabó möchten die Gäste das gerne glaube: Der ehemalige Springreiter bietet Trails durch die Kiskunság Puszta südlich von Budapest an. Und was ist ein Wanderritt schon anderes als die moderne Version des Nomadentums?

Árpád lässt seinen Ungarischen Warmblütern viel Fürsorge zukommen. Auf seinem 180 Jahre alten Gehöft nahe Kunszentmiklós bekommen die Gäste ihr Pferd morgens fertig geputzt, gesattelt und aufgezäumt übergeben. Dann geht es den ganzen Tag über in die Große Tiefebene, die Puszta, was so viel wie „Einöde” bedeutet. Beim Trab auf sandigem Boden spannt sich über dem Pferdekopf ein hoher Himmel.

Die Reiter passieren alte Höfe mit Reetdächern und Ziehbrunnen, Herden von Graurindern mit riesigen Hörnern und immer wieder Schafherden - mit Hund und Hirte, wie auf alten Gemälden. Auch die Csikós, die traditionellen Pferdehirten, sind bei der Vorbereitung ihrer Reitervorführungen zu beobachten. Die einstige Puszta-Idylle ist für die Reittouristen aber nur noch im Nationalpark zu erahnen.

An der Westküste Irlands verspricht Willie Leahy ein Abenteuer auf dem Pferderücken. Doch keiner seiner Gäste erwartet das, was sie dann während des Connemara-Trails erleben können: Bei dem sumpfigen Boden sinken die Pferde manchmal bis zu den Knien im Morast ein. Fast täglich müssen auf dem einwöchigen Ritt durch die Grafschaft Galway verloren gegangene Hufeisen ersetzt werden.

An steilen Abhängen erklimmen die Irish Hunter und Connemara-Ponys routiniert die felsigen Hügel. Sie sind völlig furchtlos - im Gegensatz zu einigen Reitern. „Auf einfachen Wegen reiten kann jeder”, ist Willie Leahys Devise, „ich suche die Herausforderung!” Der 71-jährige Ire führt schon seit 40 Jahren Reiter durch seine Heimat Connemara. Auch berühmte Gäste waren schon dabei, zum Beispiel Chelsea Clinton, die Tochter des Ex-US-Präsidenten Bill Clinton.

Nach Tagen im Sattel bei Sonne, Wind und Wetter sowie nach Nächten in altmodischen Landhäusern und Schlosshotels ist die Küste des Atlantiks erreicht. Die Gischt schäumt in der Mannin Bay bei Clifden. Die Pferde scheuen das Wasser nicht und waten durch die Wellen. Und dann können auch sie ihn kaum erwarten, den langen Galopp am Strand.

Spanien ist schon lange bei Reiturlaubern gefragt. Im Vergleich zu Andalusien aber sind Ausritte auf Teneriffa sehr speziell. Hier reitet die Rittführerin Nicole Werner mit Gästen sogar auf einen Vulkan. Auf ihrer „Finca Estrella” nahe Icod de los Vinos auf der Nordseite der Insel leben acht Pferde im Offenstall mit Auslauf. „Das ist für Teneriffa ungewöhnlich, darben doch viele Pferde hier ein Leben lang in einem geschlossenen Stall ohne Koppel”, sagt die Deutsche. Pferdefreundlichkeit ist für die 39-Jährige wichtig.

Im Westernsattel geht es den Berg hinauf durch einen ausgedehnten Wald aus Kanarischen Kiefern, Eukalyptus und Lorbeer. In den Ästen hängt Moos, so dass der Wald eine geheimnisvolle Atmosphäre bekommt. Mühelos gelangen die Pferde auf eine Höhe von 1400 Metern direkt zum Kegel des „Vulcán Negro”. Im Jahr 1706 verschüttete sein Ausbruch die Stadt Garachico. Herannahender Nebel weckt die Fantasie - und den Eindruck, als würde der erloschene Vulkan wieder aktiv.

Beim Ritt über die Lavafelder wähnt sich der Reiter fast auf dem Mond, so sehr breitet sich die Landschaft mit den schwarzen Geröllhängen aus. In der Ferne taucht der Gipfel des Teide auf, des mit 3718 Metern höchsten Bergs Spaniens. Doch plötzlich hat eine Wolke die Pferde und Reiter umhüllt - und der Teide, der „Herrscher” über die Kanareninsel, ist in Windeseile wieder verschwunden.

Reiterurlaub in Europa

Eine Reittour sollte auf das reiterliche Können der Teilnehmer abgestimmt sein. Es empfiehlt sich, immer eine Wind- und Regenjacke auf dem Sattel mitzuführen. Buchungen sind bei den Anbietern möglich und bei auf Reitreisen spezialisierten Agenturen.
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