Olite - Frischer Roter aus der Klosterwand: Eine Weinreise durch Navarra

Frischer Roter aus der Klosterwand: Eine Weinreise durch Navarra

Von: Georg Alexander, dpa
Letzte Aktualisierung:
Navarra
Moderne Technik: Bei den Winzern in Navarra finden Besucher - wie hier in der „Bodega Otazu” - eher helle Keller als verwinkelte, dunkle Gewölbe. Foto: dpa

Olite. Der Wein ist kühl, fruchtig und leicht. Dafür, dass er nichts kostet, schmeckt er überraschend gut. Gastfreundschaft wird in Navarra in Nordspanien groß geschrieben, und die „Bodega Irache” lässt sich nicht lumpen: Jeder darf sich am Weinbrunnen „Fuente del Vino” laben - allerdings beäugt von einer kleinen Webcam.

Einfach den Edelstahlhahn, der aus dem alten Gemäuer des früheren Klosterweingutes ragt, aufdrehen, und schon sprudelt der Rotwein.

In der Wandersaison sollen pro Monat bis zu 2000 Liter Wein durch den Hahn fließen. Denn die Bodega liegt am historischen Jakobsweg, und dessen Teil, der durch Navarra führt, galt bereits unter den Pilgern im 12. Jahrhundert als ein „Land des guten Brotes und guten Weines”. Das mit dem guten Brot hat sich zwar inzwischen relativiert - aber guten Wein, den haben sie in Navarra heute noch.

Vor den Toren des mittelalterlichen Städtchens Estella mit seinen historischen Adelshäusern, Kirchen und Klöstern kreuzen sich zwei Routen, auf denen man ganz unterschiedliche Eindrücke bekommt: der alte Jakobs-Pilgerweg und die noch junge Navarra-Weinroute.

„Ich kenne den Wein aus dem Brunnen, es ist ein erfrischender, junger Garnacha”, sagt Pilar García Granero. Die 45-jährige Önologin ist mit den Weinen Navarras eng verbunden. Bereits als kleines Mädchen auf dem Weingut ihrer Großeltern hat sie den Duft des frischen Mostes gemocht. Ihr Großvater, ein Deutscher namens Scholz, besaß in Südspanien eine kleinere Kellerei.

Später ging Pilar Garcia Granero nach Bordeaux und wurde zur Önologin. Vor kurzem ist sie zur Präsidentin des Weinbauverbandes und der Weinbehörde der Provinz Navarra aufgestiegen. So vielfältig wie Navarras Landschaften seien auch die Weine, sagt sie: „Die meisten brauchen sich hinter denen der Rioja nicht mehr zu verstecken.”

Das muss wohl stimmen, schließlich wurde ein Navarra-Wein bei der Hochzeit des spanischen Kronprinzen Felipe mit Letizia Ortiz gereicht - aber kein Roter, und schon gar nicht aus dem Weinbrunnen, sondern ein Weißwein. Der Chardonnay „Colecciòn 125” stammte aus einer der ältesten Kellereien Navarras, den „Bodegas Julian Chivite”. Die Familie Chivite verwandelt schon seit 1647 Most in Wein und kann nun die Nachfrage nach dem „Hochzeits-Chardonnay” kaum befriedigen.

Von den mehr als 120 großen Bodegas in Navarra können mehr als 20 an der „Ruta del Vino” besichtigt werden. Einige liegen am Jakobsweg, doch die meisten sind in der Umgebung von Olite zu finden, einem der schönsten Städtchen Navarras. In der „Bodega Ochoa” - einem Betrieb, der pro Jahr knapp eine Million Flaschen produziert - hat inzwischen ebenfalls eine junge Frau das Sagen: „Ja, der Trend ist eindeutig. Etwa 50 Prozent der Weinmacher in Navarra sind inzwischen Frauen”, sagt Adriana Ochoa, die in die Fußstapfen ihres Vaters getreten ist. Weißweine hätten eine Seele, Rotweine eine Persönlichkeit, die es zu entdecken gelte. Möglicherweise seien Frauen da besonders talentiert.

„Frauen stellen andere Weine her als Männer”, heißt es auch in der „Bodega Tandem”. Hier haben sich eine Frau und ein Mann mit dem Ziel zusammengetan, elegante und vielschichtige Rot- und Roséweine zu produzieren. Die Arbeitsteilung ist eindeutig: Er kümmert sich um Marketing und Finanzen, Sie um den Wein. Allerdings hat auch diese Bodega kaum Nostalgie zu bieten: Es gibt keine alten Weinpressen, keine laubgefärbte Winzerromantik. Nicht nur die Architektur, auch die Kellereitechnik ist modern: Stahl, Computer, Zement und Beton, alles ist hell und blitzblank. Der Weinliebhaber besichtigt keine versteckten Kellergewölbe, in denen von Patina verkrustete Weinflaschen ruhen, sondern kühle und moderne Gebäude, die nüchtern angelegt sind.

Für die romantischen Momente einer Navarra-Reise ist Olite selbst da, 40 Kilometer südlich von Pamplona gelegen. Nicht einmal 4000 Einwohner leben in dem verträumten Ort, der im Mittelalter der Sitz der Könige von Navarra war. Die alte Residenz, der „Palacio Real”, in dessen Gemäuern sich einst Karl der Noble und seine Gemahlin bei Wein und Gesang vergnügten, überragt die Stadt. Der Palast mit seinem Gewirr von Türmchen und Erkern wirkt wie die vergrößerte Ausgabe einer Spielzeugburg.

Natürlich gibt es auch direkt in Olite eine Weinkellerei. Die Einwohner versorgen sich in der „Bodega Vega del Castillo” vor allem mit Tischwein. Zwischen Kartons und kleinen Fässern steht im großen Verkaufsraum eine Anlage, die eine verblüffende Ähnlichkeit mit einer Tank-Zapfsäule aufweist: Man wählt die Sorte, stellt die Menge ein und füllt per Zapfpistole den gewünschten Wein in den mitgebrachten Kanister. Ein Liter Rosado kostet genau einen Euro, ein Liter Rotwein der Rebsorte Tempranillo 1,15 Euro - deutlich weniger als Benzin.

Navarra: Anreise und weitere Informationen

Lufthansa fliegt von mehreren Flughäfen in Deutschland regelmäßig nach Bilbao. Von dort sind es etwa zwei Stunden mit dem Mietwagen nach Pamplona, der Hauptstadt Navarras. Alternativen für die Anreise sind Air Berlin (von mehreren deutschen Flughäfen mit Umsteigen auf Mallorca nach Bilbao) und Iberia (von Flughäfen in Deutschland mit Umsteigen in Madrid nach Pamplona). Die Autofahrt von Pamplona in Richtung Süden nach Olite dauert etwa eine halbe Stunde.

Infos gibt es beim Spanischen Fremdenverkehrsamt, Myliusstraße 14, 60323 Frankfurt (Tel.: 069/72 50 38, für Broschüren: 06123/991 34).
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