Food-Trucks und Designerburger: Die neuen Gaumenfreuden in Paris

Von: David Fischer, dpa
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Food-Trucks und Designerburger in Paris
Ein junger Mann beißt in Paris in einen Burger des Foodtrucks „Le camion qui fume”. Foto: dpa

Paris. Froschschenkel und Coq au vin - Leibspeisen aller Franzosen? Ausgerechnet US-amerikanische Delikatessen stehen bei jungen Parisern zur Zeit hoch im Kurs: Selbst gemachte Hamburger mit Fritten. Manche stehen dafür bis zu eine Stunde Schlange.

An so gut wie jeder Ecke schlecken sich Menschen in Paris die Burger-Saucen von den Fingern. Doch eine Menschenschlange mit Franzosen, die über anderthalb Stunden für einen Hamburger ansteht? In der französischen Hauptstadt ist diese Vorstellung wahr geworden. Fernab der Fast-Food-Ketten zeichnet sich seit kurzem ein neuer Trend ab: Burger mit frischen und biologisch angebauten Zutaten. Den Hunger danach stillen die Food-Trucks amerikanischer Köche, die mehrmals die Woche an unterschiedlichen Plätzen einen Stopp einlegen. Und das in einem Land, dessen Küche die Unesco erst 2010 zum immateriellen Welterbe erklärte.

So harren auch an einem Mittag über Hundert knurrende Mägen geduldig vor einem kleinen, weißen Imbisswagen aus. Auf dem kleinen Markt des Place de la Madeleine duftet es nach angebratenen Zwiebeln, der Geruch von Bratfett klebt in der Luft. Alle gieren nach einem: den selbst gemachten Hamburgern von Küchenchefin Kristin Frederick, Erfinderin des „Camion, qui fume” (dt.: der rauchende Wagen). Die Anfang 30-jährige US-Amerikanerin hat die Tradition der beliebten Food-Trucks aus Kalifornien in die französische Metropole exportiert. Als Absolventin einer Pariser Küchenschule lernte sie eigentlich die Haute Cuisine kennen.

In ihrem Wagen huschen sechs Hände über die frischen Zutaten. Auf Brötchen vom Bäcker und Bouletten aus Hackfleisch türmen sich Tomaten, Salatblätter, Champignons, Cheddar-Käse und Zwiebelringe. Nebenan brutzeln handgeschnittene Kartoffelstreifen, für den Nachtisch steht Cheesecake im Kühlregal. Draußen schieben sich Banker, Studenten oder Rentner im Schneckentempo voran.

„Zehn Meter pro Stunde - schneller gehts nicht voran”, schätzt Guillaume Duchene, der im neun Kilometer entfernten Finanzviertel in La Défense arbeitet. „Meine Mittagspause ist knapp. Ich habe deshalb heute meinen Roller mitgenommen, um überhaupt einigermaßen rechtzeitig wieder dort anzukommen.” Vor allem junge Leute zwischen 20 und 30 Jahren pilgern zu den fahrenden Imbisstempeln. Die Qualität hat ihren Preis: Teilweise zahlen die Pariser für den Snack das Dreifache im Vergleich zu den Menüs der amerikanischen Burgerriesen.

Rund 200 Burger gehen diesem Mittag über den Tisch. Auch Duchene bekommt einen davon ab. Er gehört zu den Glücklichen - denn die Hackfleisch-Brötchen sind abgezählt. Kurz vor 14 Uhr ruft Küchenchefin Frederick „Desolée” (Tut mir leid!) aus dem Wagen, die letzten Sechs in der Schlange haben 45 Minuten umsonst gewartet.

Groß geworden ist der Pariser Burger-Hype vor allem durch das Internet. Täglich informiert „Le Camion, qui fume” auf sozialen Webnetzwerken über seine Stopps. Auf mehr als 8000 Follower kommt er allein beim Kurznachrichtendienst Twitter. Der Rest ist Mundpropaganda. Auf dieselbe Weise organisiert sich auch „Cantine California”, ein weiterer Food-Truck, dessen Team sich auf Tacos, kalifornische Gerichte und Bio-Fleisch spezialisiert hat.

Auch im schicken Viertel Saint Germain, etwa einen Kilometer vom Place de la Madeleine entfernt, boomt das Burger-Geschäft. „Jeder liebt leckeres Fleisch”, sagt Manager Christian Laval von „Ralphs”, dem Restaurant im Designergeschäft von Ralph Lauren. „Der Ralphs Burger ist unser Signature Dish und zeichnet unser Restaurant aus”, erklärt Laval und zählt die Zutaten auf: Ranchstyle-Fritten, eingelegtes Gemüse, Gartensalat vom Bauerngehöft, das Stück Fleisch exklusiv von Ralph Laurens „Double RL Ranch” in Colorado.

25.000 dieser Burger brutzeln die Köche jährlich im Designer-Restaurant. Doch die Gaumenfreude hat ihren Preis. 43 Euro für ein Glas weißen Champagner und einen einfachen Hamburger? Wenn man Geld habe, sei das kein Problem, meint Laval mit einem Augenzwinkern.
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