Eine Städtereise nach Zürich ist auch im Advent ein Erlebnis

Von: Cornelia Höhling, dapd
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Die Städtereise liegt im Trend und Zürich im Zentrum Europas. Obwohl größte sowie kulturell und wirtschaftlich wichtigste Stadt der Schweiz, sind die Wege angenehm kurz. Foto: dapd

Zürich. Die Städtereise liegt im Trend und Zürich im Zentrum Europas. Obwohl größte sowie kulturell und wirtschaftlich wichtigste Stadt der Schweiz, sind die Wege angenehm kurz.

Selbst im Advent machen kulinarische Verführungen, Shopping-Vergnügen, die aktive Kulturszene und ein pulsierendes Nachtleben den Besuch zum Erlebnis. Dabei kann man sogar Casanova treffen. Frau Casanova, um unnötigen Spekulationen vorzubeugen. Sie ist eine der 56 Stadtführerinnen und Stadtführer und habe den Namen erheiratet, der gar nicht so selten sei, sagt sie. Seit der Hochzeit sei ihr Casanova aber nur noch „Casa” (zu Hause), scherzt sie, als sie die Gäste zunächst über die schönste Flanier- und Shoppingmeile in die Geschichte der Stadt entführt.

Größter überdachter Weihnachtsmarkt Europas

Die Bahnhofstraße folgt dem Verlauf der früheren Stadtmauer und verbindet Hauptbahnhof und Zürichsee. Doch schon in der monumentalen Bahnhofshalle bleiben die Gäste wie verzaubert stehen. Schließlich duftet, funkelt und glitzert es hier an den Verkaufsständen des größten überdachten Weihnachtsmarktes Europas. Eine Augenweide für sich sind die rund 6000 kristallenen Ornamente, die den 15 Meter hohen Weihnachtsbaum inmitten der gigantischen ShopVille-RailCity schmücken. Später begegnen die Besucher am Werdmühleplatz sogar einem singenden Weihnachtsbaum.

Wasserspaß beim Samichlaus-Schwimmen oder im Zürichsee

Ohne Schifffahrt auf der Limmat und dem bis 143 Meter tiefen und mit gut zugänglichen Uferpromenaden in die Stadt eingebetteten Zürichsee geht es natürlich nicht. Das saubere Wasser lädt zum Teil inmitten des Stadtzentrums zum Baden ein, sogar im Dezember. Zum Samichlaus-Schwimmen springen als Nikolaus verkleidete Wagemutige in die kalte Limmat und schwimmen ans andere Flussufer hinüber zum Frauenbad. Mit dem Lichterschwimmen, bei dem Hunderte Kerzenschiffchen eine stimmungsvolle Reise antreten, wird am Stadthausquai eine andere Weihnachtstradition gepflegt.

„Trinkwasserqualität haben auch die Brunnen, von denen es bei uns mehr als Banken gibt”, witzelt Frau Casanova. Und das will bei 360 Banken etwas heißen. Mit rund 1200 Brunnen ist Zürich sogar eine der brunnenreichsten Städte der Welt. „Drei Brunnenputzer halten sie sauber. Und die meisten Brunnen haben noch einen kleinen Brunnen für die Hunde.”

Panoramablicke vom Hausberg oder Karlsturm

Auf dem mit rund 450 Meter höchsten Punkt der Altstadt, dem Lindenhof, wurde 15 v. Chr. eine römische Zollstation gegründet, berichtet die Stadtführerin. Von dem Hügel mit keltischen, römischen und mittelalterlichen Funden genießen die Gäste heute vor allem die Aussicht. Viele fahren gleich auf Zürichs Hausberg. Schon mitten im Wald auf 871 Meter ü. M. gelegen, entpuppt sich der Uetliberg als Wanderparadies. Von der Plattform des „Schönsten Aussichtsturms der Schweiz”, wie dort eine Tafel suggeriert, reicht die Panoramasicht garantiert bis zu den schneebedeckten Alpen.

Beim Blick über die Stadt fallen viele Kirchtürme ins Auge. Allein drei gehören zum Großmünster mit dem Reformationsmuseum im Kreuzgang. 175 Stufen führen auf seinem südlichsten Turm, den eine Statue Karls des Großen schmückt, ebenfalls zu einer Aussichtsplattform. Wer den Karlsturm erklimmt, kann in die Innenhöfe und über die Dachterrassen der festlich geschmückten Altstadt schauen, wo sich auch der älteste Zürcher Weihnachtsmarkt befindet.

Vom Pilgerort zur Reformation

In der Krypta der Wasserkirche, einst auf einer Limmat-Insel, zeigt die Stadtführerin den Märtyrerstein, auf dem die Stadtheiligen Felix und Regula der Legende nach enthauptet wurden. Ihre Reliquien machten Zürich im Mittelalter zu einem wichtigen Pilgerort. Ein Denkmal des Reformers Zwingli (1484 - 1531) erinnert daran, dass die Stadt im 16. Jahrhundert Ausgangspunkt und Zentrum der Reformation in der deutschsprachigen Schweiz war. Zwinglis strenge Sittenmandate hätten Zugereisten nur sechs Wochen Zeit gelassen, sich anzupassen, sonst mussten sie wieder gehen. „Heute wäre die Stadt leer”, kommentiert Frau Casanova.

Keinem Besucher wird St. Peter, die älteste Pfarrkirche, entgehen. Dafür sorgt ihre Uhr mit dem größten Zifferblatt Europas - Durchmesser 8,70 Meter. Allein der Minutenzeiger ist vier Meter lang. Das Kirchenschiff gehöre der Kirche, der Turm aber der Stadt, erklärt Frau Casanova. Dort wohnten bis Anfang des 20. Jahrhunderts die Feuerwächter. „Bei uns hat es nie einen Stadtbrand gegeben”, sagt sie stolz, „und so sind 800-jährige Bauten bis heute original erhalten.” Im gotischen Innenraum der reformierten Kirche des Fraumünsters verweist sie noch schnell auf die Chorfenster von Chagall und Giacometti, bevor sich die Gäste in der Stadt endlich den süßen Seiten des Lebens zuwenden können.

Die süßen Seiten der kulinarischen Verführungen

Dabei geht es nicht etwa in die Wohllebgasse, wo man im „Kleinen Pelikan” gleich über 1000 Sorten Whisky findet. Angesichts des prächtigen Hauses mit Fassadenmalerei meint Frau Casanova nur: „Eigentlich wirkt Zürich von außen sehr schlicht. Der wirkliche Reichtum und bemalte Holzdecken verstecken sich eher im Inneren.” Geschlemmt wird schließlich im ältesten Café Zürichs im Niederdorf. Der von den Einheimischen liebevoll „Dörfli” genannte Altstadtteil beherbergt nicht nur die Conditorei Schober in der Napfgasse, sondern ist generell ein beliebtes Vergnügungsviertel. Die Jugend zieht es heute allerdings mehr nach Zürich-West ins ehemalige Industriegebiet, das als angesagtes Trendquartier gilt.

Auch „Sprüngli” am Paradeplatz, dem einstigen Schweinemarkt, feiert schon sein 175. Jubiläum und verführt nach wie vor mit luftigen Luxemburgerli und zart schmelzender Schokolade. Wer Appetit auf die seit dem 14. Jahrhundert bekannten Tirggel mit exotischen Gewürzen hat, kann auf Samichlaus warten. Der Schweizer Nikolaus verteilt mit seinen Gehilfen, den Schmutzlis, neben anderen Köstlichkeiten das dünne Honiggebäck.
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