Eine Schleuse für das „Wunderwerk des Abendlandes”

Von: dpa
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glaubensberg / mont st. michel
Mont Saint Michel in der Normandie. Es ist vielleicht nicht jedermanns Sache, aber sicherlich die verwegenste Art, sich dem "Wunder des Abendlandes” zu nähern. In kühnen Kapriolen umkreist Didier Hulin mit seinem Ultraleicht-Flugzeug (ULM) die Bucht des Mont St.-Michel. Eindrucksvoll erhebt sich der Glaubensberg 80 Meter aus dem flachen Wattenmeer vor der normannischen Atlantikküste. Foto: ddp

Paris. Hunderte Schaulustige haben am Wochenende in Frankreich die neue Schleuse am weltbekannten Klosterfelsen Mont- Saint-Michel in der Normandie besichtigt. Das in mehrjähriger Arbeit errichtete Bauwerk soll dafür sorgen, dass der im Ärmelkanal liegende Granitfelsen mit dem Benediktinerkloster künftig wieder häufiger von Wasser umspült wird.

Zum Tag des Denkmals in Frankreich konnte das Stauwerk jetzt erstmals ausführlich besichtigt werden.

Die Bucht mit dem „magischen Glaubensberg des Abendlandes” war in den vergangenen Jahrzehnten völlig verschlammt. Mehr als 700 000 Kubikmeter Sand schwemmt die Flut Jahr für Jahr an. Der in die Bucht führende Fluss Couesnon treibt - vereint mit den Kräften der Gezeiten - nur einen Teil davon wieder weg. Vier Kilometer war der Klosterfelsen mit dem Meisterwerk mittelalterlicher Architektur einst vom Kontinent entfernt, der Sand brachte ihn auf einige Dutzend Meter heran.

Die jüngst in Betrieb genommene Schleuse am Fluss Couesnon soll nun ausreichend starken Wasserdruck erzeugen, um einen Teil der abgelagerten Sedimente wegschwemmen zu können.

Bis 2045 soll der Boden um durchschnittlich 70 Zentimeter abgesenkt sein. Das Meer wird dann 50 Hektar Fläche gewonnen haben, die Landschaft um mehrere Jahrzehnte „verjüngt” sein. Die Hälfte der Sedimente soll bereits in zwei Jahren verschwunden sein.

Das rund 35 Millionen Euro teure Schleusenprojekt ist Bestandteil des Plans, dem 1979 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärten Klosterberg sein Naturambiente zurückzugeben.

Zudem soll unter anderem der feste Straßendamm zum gegenwärtigen Parkplatz direkt am Mont-Saint-Michel weggebaggert und durch eine schlanke Stelzen-Brücke ersetzt werden, die Ebbe und Flut freie Bahn lässt. Die Gesamtkosten des Projekts werden auf rund 200 Millionen Euro geschätzt.

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