Ein Stück Schweden in Finnland: Die autonome Provinz Aland

Von: Birgit Karnath, dpa
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Finnland
Auf dem Festland finden Besucher die schönsten Badestellen Alands - meist sind es glatt geschliffene Granitfelsen. Foto: dpa

Mariehamn. Man kann natürlich auch hinfliegen. Aber stilvoller ist die Anreise mit der Fähre, am besten von Stockholm aus. Weil Aland zwar offiziell zu Finnland gehört, eigentlich aber ziemlich schwedisch ist. Weil man sich auf den ersten zwei Dritteln der Fahrt schon mal ausführlich in das Thema Schären eingucken kann.

Und weil man nach knapp sechs Stunden direkt in Mariehamn landet. Alands Hauptstadt ist nicht nur der beste Standort, um die Inseln zu erkunden, sie hat in diesem Jahr auch ein bisschen Extra-Ehrerbietung verdient: Mariehamn ist 150 Jahre alt geworden.

Aland brauchte Mitte des 19. Jahrhunderts dringend eine neue Hauptstadt, weil die Franzosen die alte im Krimkrieg in Grund und Boden geschossen hatten. Die Neugründung fiel mitten in die guten 100 Jahre, in denen die russischen Zaren in Finnland das Sagen hatten.

Alexander II. entschied sich für eine Landzunge im Süden des aländischen Festlandes. Das bescherte der neuen Hauptstadt gleich zwei Häfen, einen im Westen und einen im Osten. Und die Zarengattin Maria spendierte den Namen: Mariehamn, Marienhafen.

Die dicken Pötte aus Stockholm, Turku und Helsinki kommen im Westhafen an. Das ist praktisch für Besucher, weil der Westen Mariehamns Schokoladenseite ist. Hier liegt die Pommern, ein stolzer Viermaster, letztes Überbleibsel der Segelflotte des aländischen Reeders Gustaf Erikson und heute ein Museum.

Gleich dahinter kommt man zum hübscheren der beiden Segelhäfen. Hübscher vor allem deshalb, weil hier die Jugendstilvilla der Aländischen Segelgesellschaft ASS steht, ein Traum aus Holz in Ochsenblutrot, auf deren Terrasse es Abendessen mit Wasserblick und Sonnenuntergang gibt.

Das Einkaufs- und Politikzentrum der 11.000-Einwohner-Stadt liegt auf der Ostseite, ist aber bloß einen Spaziergang entfernt. Die Halbinsel ist kaum breiter als ein Kilometer. Zum Überqueren bietet sich die Norra Esplanadgatan an, eine Lindenallee, die an der Pommern beginnt, an der sich die Holzvillen der alten Reederfamilien reihen.

Ebenfalls auf der Ostseite liegen der Landtag und die Landesregierung, Zeichen der Autonomie. Aland feiert in diesem Jahr gleich zwei Jubiläen: Vor 90 Jahren, am 24. Juni 1921, schlug der Völkerbund die schwedischsprachigen Inseln Finnland zu. Allerdings zu einem hohen Preis: Die Aländer dürfen seitdem ihre Angelegenheiten weitgehend selbst regeln.

Was im Lauf der Jahre zu eigener Fahne, eigener Nationalhymne, eigenem Nationalfeiertag, eigenem Autokennzeichen, eigenen Briefmarken und eigener Internetdomain geführt hat: ax. Der Gipfel der Eigenständigkeit: Alands Nachwuchs muss nicht mal in der Schule Finnisch lernen.

Per Bus gelangen Besucher zu den Wiesen, Weiden und Feldsteinkirchen des restliche Aland fahren und in die beiden Häfen im Osten des aländischen Festlandes, von denen die Schärenfähren starten. Sie steuern ein paar der Inseln zwischen Festland und Finnland an. 6757 sollen es sein, 65 sind bewohnt.

Es gibt eine Nord- und eine Südroute. Wer ohne Auto unterwegs ist, darf umsonst mitfahren und stundenlang Inselchen mit und ohne Holzhäuschen sehen. Am Ende der Nordroute kann man auf die finnische Insel Osnäs übersetzen und wird dort per Schild informiert, dass nun das „eigentliche Finnland” beginnt.

Informationen: Visit Aland, Storagatan 8, AX-22100 Mariehamn, Åland, Finnland. Kontakt per E-Mail unter info@visitaland.com oder unter Tel.: +358 18 24000.
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