Ein Halleluja für Händel: Halle feiert 2009 seinen großen Sohn

Von: Detlef Berg, ddp
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Der Geburtsort des Komponisten: Das Händelhaus in Halle wird im April zum 250. Todestag von Georg Friedrich Händel wieder eröffnet. Foto: ddp

Halle. Damit es ihm die englischen Besucher auch wirklich glauben, hat Helmut Zimmermann immer eine Kopie des Taufregisters parat. „Schauen Sie, hier ist genau verzeichnet, dass Georg Friedrich Händel am 24. Februar 1685 in dieser Kirche in Halle getauft wurde”, sagt er.

„Die meisten Engländer denken, dass er ein Landsmann von ihnen sei.” Zimmermann, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Marktkirche, gibt Touristen gern Auskunft über den größten Sohn der Stadt. Schließlich war es diese Hallenser Kirche, in der Händels musikalische Karriere begann, die ihn bis ins Königliche Theater am Haymarket nach London führte. Sein Todestag jährt sich 2009 zum 250. Mal.

Unter dem Motto „HÄNDEL - der Europäer” erklingen das ganze Jahr über seine Meisterwerke an den authentischen Stätten seiner Jugend. Das wichtigste Datum ist der 19. April - genau am 250. Todestag veranstaltet Halle Händel zu Ehren einen „Special Day” in der Marktkirche. Das Konzert, eine Rekonstruktion der Händel-Gedächtnisfeier von 1784 in der Westminster Abbey, wird von mehr als 40 Rundfunk- und Fernsehsendern übertragen.

Weil der Jubilar fast ein halbes Jahrhundert in England lebte und dort seine bedeutendsten Kompositionen vollendete, hat Königin Elisabeth II. zusammen mit Bundespräsident Horst Köhler die Schirmherrschaft der Händel-Festspiele übernommen. Sie finden in diesem Jahr vom 4. bis zum 14. Juni statt. Neben der frühen Kammermusik und der italienischen Kantate prägen Händels Opern das Festspielprogramm. Traditionsgemäß wird auch sein bekanntestes Werk „Messias” mit dem Halleluja-Chor zu den Festspielen von renommierten Künstlern aufgeführt.

Wer auf Händels Spuren die Sehenswürdigkeiten der mehr als 1200 Jahre alten Stadt Halle entdecken möchte, kann sich einer thematischen Stadtführung anschließen. „Wir beginnen den Rundgang mit dem Stadtgottesacker”, sagt Konrad Giesau, ein pensionierter Chemiker, der jetzt als Gästeführer arbeitet. „Kaum jemand weiß um diese in ihrer Geschlossenheit für Mitteleuropa einmalige Grabanlage nach dem Vorbild italienischer Camposanti.” Beeindruckend sind seine Mauern mit 94 Schwibbögen. Nach innen sind diese Bögen als Arkaden zu sehen, in denen sich Grüfte befinden.

Natürlich zeigt Giesau den Gedenkstein für den aus Halle stammenden Chemie-Nobelpreisträgers Karl Ziegler. „Seiner Tochter ist es zu verdanken, dass ein Großteil der in der DDR-Zeit total verfallenen Gräber restauriert werden konnte”, erzählt er.

Sie hat ihr Erbe in eine Stiftung eingebracht, allerdings sei noch viel zu tun und jede Spende willkommen. Zu sehen sind die Grabstätten namhafter Hallenser, darunter Christian Thomasius, Philosoph und Gründer der Universität, und Friedrich Hoffmann, Leibarzt König Friedrich I. und Erfinder der Hoffmannstropfen, einer belebenden Mischung aus Alkohol und Äther.

Unter dem Bogen 60 sind die Gräber von Händels Eltern. „Das musikalische Talent kommt wohl von seiner Mutter”, sagt Giesau. „Der Vater, Barbier und Leibarzt von Herzog August von Sachsen, war völlig unmusikalisch und hatte für seinen Sohn ein Jura-Studium vorgesehen.” Doch der Herzog, dem die Musikalität des jungen Händel auffiel, entschied, dass er in Musik unterrichtet wird.

Auf dem Rundgang darf ein Besuch im Händel-Haus nicht fehlen. Im stattlichen Eckhaus „Am Schlamm” in der Großen Nikolaistraße erblickte Händel am 23. Februar 1685 das Licht der Welt und lebte hier bis zu seiner Abreise nach Hamburg im Jahre 1703.

Zum Gebäudekomplex, seit 1937 ein Museum, gehören zwei romantische Innenhöfe und ein schmucker Kammermusiksaal. Im Jubiläumsjahr präsentiert sich die Händel-Ausstellung in neuer Gestaltung: An die Stelle des streng chronologischen Ablaufes treten pro Raum einzelne Themenschwerpunkte wie „Persönlichkeit und Schaffen” oder „Der Staatskomponist”. Eröffnet wird die neue rund 160 Exponate umfassende Dauerausstellung am 14. April. Nur wenige Gehminuten vom Museum entfernt liegt der Marktplatz, auf den 14 Straßen und Gassen einmünden. In der Mitte des Platzes thront ein überlebensgroßes Standbild Händels.

In der Tracht des 17. Jahrhunderts blickt der Komponist in Richtung England, seiner zweiten Heimat. Er stützt sich, den Taktstock in der rechten Hand, auf das Dirigentenpult, auf welchem die aufgeschlagenen Notenblätter des „Messias” liegen. Mit dem Marktplatz verbunden sind auch die fünf Türme, die die berühmte Silhouette der Stadt bilden.

Dazu gehören die ungleichen Turmpaare der Marktkirche, die ursprünglich zwei hintereinanderliegenden Gotteshäusern entstammen. Der fünfte Turm ist der 84 Meter hohe Rote Turm, ein frei stehender, achteckiger Glockenturm, fertiggestellt 1506 „zur Zierde der hochberühmten Stadt Halle”.

An ihn angelehnt steht ein steinerner Roland, 1270 als Symbol städtischer Gerichtsbarkeit errichtet. Gerade mal zehn Jahre alt ist dagegen die Händel-Halle. In ihr wird am 22. Oktober das offizielle Abschlusskonzert des Händel-Festjahres mit Cecilia Bartoli stattfinden.

„Es ist mir eine große Ehre, im Jubiläumsjahr in Händels Geburtsstadt aufzutreten”, sagt der weltweit gefeierte Opernstar. „Viele wichtige Werke hat Händel in meiner Heimat Italien komponiert. Es freut mich daher besonders, dass ich diese nun an dem Ort aufführen darf, wo die Wurzeln seines Wirkens liegen.”

Tourist-Information, Marktplatz 13, 06108 Halle (Tel.: 0345/122 99 84)
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