Lugano - Dolce Vita im Tessin: Lugano zwischen Bausünden und Postkartenidyll

Dolce Vita im Tessin: Lugano zwischen Bausünden und Postkartenidyll

Von: Bernhard Krieger, dpa
Letzte Aktualisierung:
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Morcote ist ein Tessiner Dorf wie aus dem Bilderbuch - nicht weit von Lugano entfernt krallt es sich an die Hänge des Monte Arbostora.

Lugano. Grandezza, Dolce Vita und Schweizer Präzision - Lugano ist eine Stadt voller Kontraste. So wie sich im Frühjahr schneebedeckte Alpengipfel und mediterrane Palmen nebeneinander im Luganer See spiegeln, verschmelzen in Lugano Sprachen, Kulturen und Mentalitäten zu einer einzigartigen Mischung.

Die „Signora” des Tessins ist spießig und modern, fleißig und träge, quirlig und verschlafen und trotz mancher Bausünden immer noch schön.

„Wenn ich diese gesegnete Gegend am Südfuß der Alpen wieder sehe, dann ist mir zumute, als kehrte ich aus einer Verbannung heim, als sei ich endlich wieder auf der richtigen Seite der Berge”, schwärmte Hermann Hesse einst über seine Tessiner Wahlheimat. Seit der deutsche Literaturnobelpreisträger diese Zeilen in Montagnola oberhalb von Lugano schrieb, sind viele Jahrzehnte vergangen.

Aber die Stadt hat nichts von ihrer Anziehungskraft verloren. Das mediterrane Klima, die traumhafte Lage zwischen den beiden mehr als 900 Meter hohen Hausbergen Monte Brè und Monte San Salvatore am See und das mit schweizerischer Ordnung und Sauberkeit gepaarte italienische Flair wirken vor allem auf Gäste von der Alpennordseite wie ein Magnet.

„Die Gedanken und Sorgen scheinen jenseits der Schneeberge liegen geblieben zu sein”, notierte Hesse nach seiner Ankunft im Tessin. Und tatsächlich erscheint das Leben in Lugano trotz aller Geschäftstüchtigkeit leichter, der Alltag fröhlicher und bunter. Der Banker im feinen Zwirn hetzt auf seiner Vespa nicht ins Büro, sondern hat noch Zeit, einer dunkelhaarigen Schönheit ein „Ciao Bella!” hinterher zu rufen.

Dann knattert er weiter die Uferpromenade entlang. Die Signora lächelt hinter ihrer großen dunklen Sonnenbrille und verschwindet in den Arkadengängen des „Centro Storico”.

Dort reihen sich in der Via Nassa die Nobel-Boutiquen der Modedesigner und die Juweliere wie an einer Perlenkette auf. Der Schmuck und die edlen Uhren in den Auslagen kosten zum Teil hunderttausende Euro. Dennoch finden sich Käufer. Lugano ist eine reiche Stadt - wegen des seit Jahrzehnten florierenden Tourismus und weil Lugano der drittgrößte Bankenplatz der Schweiz ist. Hier bunkern vor allem reiche Italiener ihre Millionen.

Ein Ferrari oder Maserati gehört hier deshalb zum Alltag und wird vor der „Villa Castagnola” kaum eines Blickes gewürdigt. Das altehrwürdige „Grand Hotel” am Fuße des Monte Brè scheint einer Erzählung von Hermann Hesse entsprungen zu sein. Einst Sommersitz einer russischen Adelsfamilie, ist das Luxushotel vis a vis des Monte San Salvatore mit seinen vielen historischen Salons und dem wuchernden Palmengarten heute Treffpunkt der Luganer Gesellschaft.
Die trifft sich in Gourmet-Restaurants am See oder in den feinen Piano-Clubs. Nach dem Abendessen strömt die feine Gesellschaft ebenso wie die weniger Betuchten durch den Stadtpark Parco Civico am Seeufer mit seinen beleuchteten Wasserfontänen und den altmodischen Tretbooten entlang zum „Salotto”. „Die Piazza della Riforma ist unser Wohnzimmer”, sagt der Kellner Gianfranco.

Vor der Renaissance-Fassade des Rathauses mit seinen geradezu pedantisch gepflegten Geranien-Kästen trifft man sich in einem Café nachmittags auf einen Espresso oder einen Aperetivo und abends auf ein Glas Tessiner Merlot. Hier debattieren die Einheimischen über die Spiele ihres geliebten Eishockeyclubs HC Lugano, der immerhin schon sieben Mal Schweizer Meister geworden ist, und die Touristen schmieden Pläne für den nächsten Tag.

Fahrten mit den Zahnradbahnen auf die Hausberge sind ebenso beliebt wie eine See-Rundfahrt mit einem der altmodischen Schiffe der „Società Navigazione del Lago di Lugano”. Von der Hauptanlegestelle in Lugano aus geht es nach Morcote. Das Tessiner Bilderbuchdorf krallt sich an die Hänge des Monte Arbostora.

Selbst an heißen Tagen lohnt sich der etwas mühsame Aufstieg zur Kirche Santa Maria del Sasso mit ihrem Friedhof. Auch Stopps im ehemaligen Fischerdorf Gandria, im Spielcasino Campione dItalia auf der italienischen Seite des Sees und zu den Märkten in Porlezza und Ponte Tresa lohnen sich.

Zurück in Lugano, sollte man dem Hermann Hesse-Museum im ehemaligen Wohnhaus des Schriftstellers in Montagnola einen Besuch abstatten und sich dann einfach durch die Straßen treiben lassen, in denen sich der Luganer Star-Architekt Mario Botta mit seinem wuchtigen Bau der „Banca del Gottardo” verewigt hat.

Wem das Stadtleben zu viel wird, fährt ins Malcantone. Im Luganer Hinterland mit seinen dichten Kastanienwäldern und den wie Adlerhorsten an den Bergen hängenden Dörfchen gehen die Einheimischen gerne ins Grotto - einfache Restaurants in früheren Felsenkellern, die oft selbst gemachten Käse, Salami und die traditionelle Polenta anbieten.

Lugano im Süden der Schweiz

Lugano ist die größte Stadt des Tessin, dem italienischsprachigen Kanton im Süden der Schweiz. Lugano ist bequem von Norden aus über die Autobahn durch den Gotthardtunnel erreichbar. Der Flughafen Lugano-Agno ist über Swiss angebunden, die Mailänder Flughäfen Malpensa und Linate sind nur rund eine Autostunde entfernt. Auch die Bahnanbindung ist gut. Lugano liegt an der Strecke in Richtung Mailand.

Lugano ist zu jeder Zeit einen Besuch wert. Im Frühjahr liegen die durchschnittlichen Höchsttemperaturen bei 14 bis 22 Grad, die Sommermonate sind mit 28 Grad heiß und oft schwül.

Zahlungsmittel ist der Schweizer Franken. Für einen Euro erhält man 1,50 CHF. (Stand: Februar 2009). Weitere Informationen erhält man bei Schweiz Tourismus, Postfach 16 07 54, 60070 Frankfurt (Kostenfreies Tel.: 00800/100 200 30).
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