Die Bären sind los: Auf Motorradsafari in den kanadischen Rockies

Von: Chris Melzer, dpa
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Eine Sache scheint hier nicht zu passen: Rocky Mountains, Nationalpark, geschützte Tiere, Motorräder. Und doch: In Jasper lässt sich das alles unter einen Hut bringen. Foto: dpa

Jasper. Eine Sache scheint hier nicht zu passen: Rocky Mountains, Nationalpark, geschützte Tiere, Motorräder. Und doch: In Jasper lässt sich das alles unter einen Hut bringen.

Das Städtchen in der kanadischen Provinz Alberta, 800 Kilometer von Vancouver und 350 von Edmonton entfernt, bietet Ausflüge in den zum Unesco-Weltnaturerbe gehörenden Park an - per Harley-Davidson mit Beiwagen.

Jasper ist so etwas wie die Welthauptstadt der Wohnmobile. Kein Wunder, gehört doch die Umgebung der Kleinstadt, vor 199 Jahren als Pelzhandelsposten gegründet, zu den meistfotografierten Motiven Kanadas. Lake Maligne, Medicine Lake, Athabasca River sind Naturschönheiten, die fast unwirklich erscheinen.

Selbst im Sommer kann es hier, auf gut einem Kilometer Höhe, noch schneien. Dafür färbt sich das Wasser der Seen und Flüsse der Umgebung erst türkis und dann so blau, dass der Betrachter seinen Augen kaum glauben mag.

„Wir haben immer Probleme, wenn wir Postkarten drucken lassen”, sagt David Hutton von der Moraine Lake Lodge. „Die Drucker denken immer, da stimme was nicht mit dem Vorlagen - oder wir hätten nachbearbeitet.”

Entsprechend beliebt ist Jasper bei Touristen. Die meisten kommen aus Kanada und den USA, aber fast alle Sprachen hört man in den Straßen des nicht einmal 5000 Einwohner großen Städtchens. „Deutsche sind es noch nicht so viele”, sagt Nancy Liedtke von der Stadtverwaltung.

„Nur bei den Wohnmobilen, da scheinen drei Viertel der Mieter aus Deutschland und Holland zu kommen.” Zu Dutzenden stehen die weißen Recreation Vehicles auf den Parkplätzen. Die Freiheit der kanadischen Weiten mit der Freiheit des Wohnmobils - das kommt in Europa an.

„Wir bieten viel mehr Freiheit”, sagt mit weit ausgebreiteten Armen Bowen Dolhan, der im Zentrum von Jasper die Motorräder vermietet. „Ein Auto hat ein Dach, Scheiben und Karosserie. Das ist ein Käfig! Ein Motorrad ist die komplette Freiheit, nichts versperrt den Blick. Es wäre ein Verbrechen, in dieser Umgebung kein Motorrad zu haben.”

Nationalpark und schwere Maschine würden sich prächtig vertragen: „Das mag auf den ersten Blick wie ein Widerspruch erscheinen”, sagt Dolhan. „Aber der Verbrauch unserer Harleys ist besser als der eines Autos, leichter und kleiner sind sie sowieso. Erst recht im Vergleich zu den Wohnmobilen.”

Die Tiere seien auch kein Problem für die Biker und die Biker nicht für die Tiere. „Man kann ein Motorrad laut und leise fahren. Hier fährt man besser leise. Aber gerade die Bären sind ganz froh, wenn man sich nicht anschleicht und sie sich beizeiten trollen können”, sagt Dolhan.

Rob Logan, einer seiner Fahrer, erzählt von ständigen Tierbegegnungen: „Elche, Hirsche, Rehe, Füchse, Biber, Rentiere und immer wieder Bären. Ich glaube, ich hatte noch keine Fahrt, auf der wir nicht Bären gesehen haben.”

Doch vor den Tieren kommt das Leder. Die Mitfahrer bekommen Brille und Helm, Lederbeinschützer und Lederjacke - letztere elektrisch beheizbar. Dann nimmt einer hinter dem Fahrer Platz, der zweite im Beiwagen.

Zwei Minuten später ist das Städtchen schon nur noch im Rückspiegel der Harley zu sehen. Nicht nur andere Biker grüßen, wenn das Gespann vorbeigeknattert kommt. Staunen und neugierige Fragen der anderen Touristen sind im Preis inbegriffen.

Die Fahrt geht mitten durch den Nationalpark, aber immer auf zugelassenen und befestigten Straßen. Mit Tempo 70 braust Rob dahin und macht nebenbei den Fremdenführer, erzählt von den Tieren, von der Landschaft und den Seen. Medicine Lake zum Beispiel, der im Winter verschwindet und sich erst im Frühjahr mit Schmelzwasser wieder auffüllt. Immer wieder gibt es Stopps zum Fotos machen - von der Landschaft - oder von den Touristen auf dem Motorrad.

„Wir haben ne ganze Menge Rentner”, erzählt Rob. „Für viele steht so eine Fahrt auf der Liste der Dinge, die sie einmal im Leben machen wollen.” Entsprechend hart gesotten sei selbst so manche Seniorin: „Im Winter fahren wir ja nicht. Aber im Sommer selbst bei eisigem Regen: Die Leute kommen und wollen los.” Für Rob nachvollziehbar. Er fährt seit Jahrzehnten und hat zuletzt „Transcanada” gemacht, von Vancouver nach Neuschottland, 7000 Kilometer - in viereinhalb Tagen: „Naja”, sagt er schulterzuckend, „ich mag eben lange Strecken”.

Wenn ein paar Autos am Straßenrand stehen und die Fahrer mit Kameras davor, ist das ein sicheres Zeichen: Tiere. „Fuchs!”, sagt Rob nur, dann kommt der Rote in Sicht, in den Fängen eine Maus.

Ein paar Kilometer später sind es Hirsche und dann Gemsen, nur die Rentiere sind nicht da, wo sie sonst sind. „Eigentlich sind die sehr zuverlässig”, sagt Rob verschmitzt. „Aber dafür kommt bestimmt noch ein Bär. Kam bisher immer.”

Und plötzlich ist er da. Nur fünf, sechs Meter von der Leitplanke entfernt schnüffelt ein Schwarzbär durchs Gras und mampft in der Sonne ein paar wilde Erdbeeren. Vom Motorrad am Straßenrand lässt er sich ebenso wenig stören wie von den bald zehn, zwölf dazukommenden Touristen aus den haltenden Wohnmobilen.

Minutenlang posiert er für die Foto- und Videokameras und blickt dann auf, als bemerke er die Zweibeiner erst jetzt. „Er kimmt, dr Bär kimmt”, ruft eine Touristin aus Süddeutschland und weicht zurück. Aber der Bär schnüffelt lieber weiter durchs Gras und macht sich dann davon. Die Harley auch.

Ganz billig ist das Erlebnis nicht, wie fast alle Angebote in den bei Touristen beliebten, von ihnen aber nicht überschwemmten Rocky Mountains in Kanada. Die Stunde im Beiwagen kostet knapp 80 Dollar (etwa 65 Euro), bei zweieinhalb Stunden sind es 150 Dollar (rund 121 Euro).

Dafür gibt es ein Natur- und Technikerlebnis mit langem Erinnerungswert. Und Bären, verspricht Rob: „Wir hatten bisher auf jeder Fahrt welche. Nur bei dem Schild der Nationalparkverwaltung, das vor Bären warnt, da habe ich noch nie welche gesehen.”

Informationen: Kostenloses Prospektmaterial und Auskünfte zu Alberta gibt es unter 01805/52 62 32 (14 Cent pro Minute aus dem Festnetz) oder per E-Mail: info@infokanada.de.
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