Eschborn - Die andere Seite der All-inclusive-Ferien

Die andere Seite der All-inclusive-Ferien

Von: Elke Gersmann, dapd
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Eschborn. All-inclusive-Angebote haben für den Urlauber vor allem einen Vorteil: Die Gesamtkosten des Urlaubs sind bereits vor dem Start kalkulierbar.

Vor Ort kann das Portemonnaie im Zimmersafe bleiben und es muss nicht bei jeder Getränkebestellung oder jedem Eis für die Kinder das Urlaubsbudget im Blick behalten werden. „Der Gast braucht nicht zu befürchten, dass er beispielsweise für die Reise zwar nur 500 Euro bezahlt, der gesamte Urlaub dann aber 2000 Euro kostet”, sagt Klaus Lengefeld, Tourismusberater bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit. Doch das kann Auswirkungen auf die Wirtschaftskraft der jeweiligen Region haben.

Tourismus als wichtige Einnahmequelle

Besonders ärmere Länder, wie zum Beispiel die Dominikanische Republik, sind auf die Einnahmen aus dem Tourismus angewiesen. Manche Kritiker bemängeln, dass an den All-inclusive-Anlagen nur die Eigentümer verdienten und die Bevölkerung das Nachsehen habe. Lengefeld will das so nicht gelten lassen: „Unsere Untersuchungen für das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung haben gezeigt, dass es durchaus positive Effekte gibt.”

In einem Land mit ausreichender Agrarproduktion kommen beispielsweise bis zu 80 Prozent der Lebensmittel aus der Region. Manchmal sogar vom Bauern nebenan. „Leider ist es jedoch noch so, dass die kleinen Bauern nicht organisiert sind, beispielsweise in einer Kooperative, und daher nicht immer verlässlich liefern können.” Aber man arbeite daran, an manchen Orten mit Unterstützung der Betreiber der Ferienanlagen.

Gute Jobs, aber weniger Restaurants

Für die Menschen vor Ort können All-inclusive-Anlagen Arbeitgeber mit im landesvergleich guten Arbeitsbedingungen und guter Bezahlung sein. „Wir haben herausgefunden, dass Angestellte eine im Vergleich höhere Kaufkraft haben können als beispielsweise eine Friseurin in Deutschland.” Allerdings, betont Lengefeld, müsse man dabei bedenken, dass der Lebensstandard und die Lebensbedingungen völlig andere seien. Das Untersuchungsergebnis sei aber ein Indikator dafür, dass die Mitarbeiter nicht ausgebeutet würden.

Doch die Eröffnung einer All-inclusive-Anlage könne auch Nachteile haben, räumt der Experte ein. „Gab es dort vorher schon Tourismus, kann diese sich negativ auf kleine Unternehmen vor Ort auswirken.” In Puerto Plata in der Dominikanischen Republik mussten beispielsweise nach der Eröffnung der ersten Anlage rund die Hälfte der bestehenden elf Restaurants schließen. Das Problem sei nicht ein genereller wirtschaftlicher Nachteil, sondern die Auswirkungen auf bestehende Strukturen, die verloren gehen können.

Raus zu Land und Leuten

Dabei wollen nur maximal ein Drittel der Gäste die Anlage überhaupt nicht verlassen, weiß Lengefeld. Der Rest ist durchaus an Land und Leuten interessiert. Häufig fehlen jedoch die passenden Angebote für Exkursionen. Der Experte rät Urlaubern, die auf Entdeckungstour gehen möchten, sich vorher die Lage des Resorts und die Ausflugsmöglichkeiten anzuschauen: „Manche Strandanlagen liegen sehr weit von Sehenswürdigkeiten oder dem nächsten Ort entfernt.”

Bucht man eine Exkursion, tut man nicht nur sich selbst etwas Gutes: Ausflüge werden in der Regel von lokalen Anbietern durchgeführt. Und der Kauf von Souvenirs oder das Essen unterwegs gibt Menschen außerhalb des Resorts die Möglichkeit, etwas am Tourismus zu verdienen. Die Aussagen der Betreiber der Anlagen zum Thema Sicherheit sind nach Erfahrung von Lengefeld manchmal etwas übertrieben. Wer sich selbst erkundigen möchte, bekommt Informationen beim Auswärtigen Amt oder kann im Internet Erfahrungsberichte anderer Reisender lesen.
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